18 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Die Gold-Mädels sind wieder da

Schleswig-Holsteinerinnen bei den Special Olympics Die Gold-Mädels sind wieder da

Schleswig-Holstein ist um zwei Ausnahme-Sportlerinnen reicher: Bei den Special Olympics World Games, den Weltsommerspielen der Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung in Los Angeles (USA), die am 2. August zu Ende gegangen sind, standen die Reiterin Sophie-Marie Niemann und die Kanutin Ulrike Schleising ganz oben auf dem Treppchen. Jetzt sind die Gold-Mädels zurück in Kiel.

Voriger Artikel
Fortuna Wellsee kann aus dem Vollen schöpfen
Nächster Artikel
Kerber erreicht erneut Finale von Stanford

Sophie-Marie Niemann (links) und Ulrike Schleising haben bei den Weltsommerspielen in den USA Gold- und Silbermedaillen im Reiten und Kajak gewonnen.

Quelle: Jennifer Ruske

Kiel. Endlich wieder festen Boden unter den Füßen: Der Flug von LA nach Hamburg hat lange gedauert, fast zu lange für die beiden Sportlerinnen, die nichts lieber machen, als sich auf dem Wasser oder zu Pferd zu bewegen. „Mehr als 13 Stunden Flugzeit still zu sitzen, ist nicht so mein Ding“, sagt Ulrike Schleising, die für den Handwerkerhof fecit in Schinkel arbeitet. Doch die lange Reise haben die 25-jährige Sophie-Marie Niemann aus Elmschenhagen und die 48-jährige Ulrike Schleising aus Klein-Nordsee gern auf sich genommen – „schließlich ist das eine besondere Auszeichnung, ins deutsche Nationalteam aufgenommen worden zu sein, darauf sind wir sehr stolz“, sagt Sophie-Marie Niemann, die über die Stiftung Drachensee einen Arbeitsplatz beim Kieler Stadtkloster gefunden hat.

 Und stolz sind beide Sportlerinnen natürlich auch darauf, dass sie so gut abgeschnitten haben. „Wir haben richtig abgeräumt“, lacht die Elmschenhagenerin, die beim Reitverein an der Kieler Uni trainiert. 123 Reiter aus 25 Nationen haben in den USA um Medaillen gekämpft, Sophie-Marie war dabei sehr erfolgreich: Je eine Goldmedaille in Dressur und in Geschicklichkeit, Platz vier in der Prüfung English Equitation (alles im Level B) sind die Ausbeute. „Die Schwierigkeit war, dass die Reiter auf fremden Pferden durch den Parcours mussten. Da kann man sich keine unkonzentrierte Sekunde gönnen“, erzählen Trainer Sigurd Goldbach sowie Sophie-Maries Eltern Beate und Michael Niemann, die in den USA zum Anfeuern mit dabei waren. „Als ich Gold geholt hatte, flossen bei mir die Tränen“, verrät die 25-Jährige, die „voll baff“ war über ihren eigenen Erfolg und den des deutschen Reitteams: insgesamt sieben Goldmedaillen, einmal Silber und dreimal Bronze holten die vier Reiter. Ulrike Schleising war nicht minder erfolgreich: Eine Gold- und eine Silbermedaille hat sie bei ihren beiden Rennen im Einer-Kajak auf 500 Meter und 200 Meter erpaddelt.

 Angefeuert wurde sie von Holger Suhk, der die fecit-Kanugruppe trainiert. „Die Wettbewerbe sind auf Salzwasser ausgetragen worden, das war schwieriger als auf der Eider“, erzählt er. Dazu kam das Wetter: „Ohne Mütze ging bei 40 Grad Sonne auf dem Wasser nichts.“ Die war auch bei den Ausflügen wichtiges Utensil: Nach Hollywood sind die deutschen Athleten gefahren, haben sich Elvis Handabdrücke auf dem Walk of Fame angeschaut, Marie-Sophie durfte einem Disney-Zeichner über die Schulter schauen, Ulrike war bei der Nasa, einem Fest der deutschen Botschaft und im Special Olympics-Stadtteil.

 Und Shoppen waren sie natürlich auch. Allerdings nur kurz, denn die Zeit war knapp und auf die Minute durch getaktet. „Fünf Uhr aufstehen, frühstücken, eine Stunde fahren zu den Sportstätten, wo wir an je zwei Tagen beim Vorentscheid und beim eigentliche Rennen alles gegeben haben. Und das bei der Hitze“, erzählt Ulrike Schleising. „Da war abends um 20, 21 Uhr für mich Feierabend. Ich war unter den sieben deutschen Kanuten aber auch eine der ältesten.“ Das aber hat der guten Stimmung im Team keinen Abbruch getan: „Die Atmosphäre rund um die Spiele war toll. Wir haben viele Menschen kennengelernt, gemeinsam gefeiert, uns mit Händen und Füßen verständigt und viel Spaß gehabt – und dann auch noch in unserer Leistungsgruppe gewonnen“, freuen sich die selbsternannten „Hobby-Sportlerinnen“ Ulrike Schleising und Sophie-Marie Niemann, die „nur einmal die Woche ins Kanu und aufs Pferd steigen“. „Unter diesen Umständen eine Medaille zu gewinnen, ist natürlich gut fürs Selbstbewusstsein“, schmunzelt Ulrike Schleising, die sich sportlich auch für ihren zweijährigen Enkelsohn ins Zeug legt. „Ich möchte für ihn – und für andere – ein Vorbild sein. Denn wenn ich das schaffe, erfolgreich Sport zu treiben, können andere das auch.“

Was sind die Special Olympics World Games?

Mehr als 6500 Sportler aus insgesamt 165 Ländern haben sich zehn Tage lang, vom 25. Juli bis 2. August, an den Special Olympics World Games, den Weltspielen für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung in Los Angeles beteiligt.

Eröffnet wurden die Spiele von der First Lady der USA, Michelle Obama. Aus Deutschland waren 138 Athleten und Unified Partner am Start. Insgesamt 110 Medaillen hat das erfolgreiche deutsche Team, zu dem auch zwei Frauen aus Schleswig-Holstein gehörten, mit nach Hause genommen, davon 46 Gold-, 25 Silber- und 39 Bronzemedaillen. Auf den Erfolgen wollen sich die Schleswig-Holsteinerinnen aber nicht ausruhen. Sie bereiten sich jetzt auf die Special Olympics National Games 2016 in Hannover vor. Mehr über die Special Olympics unter http://specialolympics.de

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Bei SmartBets findest du alle Wettquoten und Buchmacher der 1. Bundesliga.
Mehr aus Aktuelle Sport News 2/3