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Schuften für die kommende Segelsaison

Schilksee Schuften für die kommende Segelsaison

Bitterkalt ist es draußen, ein eisiger Wind fegt durch den Olympiahafen in Kiel-Schilksee. Auf dem Wasser ziehen nur Fähren und Containerschiffe vorbei, Segelboote sucht man vergebens auf der Förde. Und doch sind die Segler nicht untätig: Nachwuchstalent Hannah Anderssohn trainiert hart für die olympischen Spiele.

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Schuften für die Segelsaison 2016: Hannah Anderssohn (vorn) im Kraftraum der Vaasahalle in Schilksee Trainerin Franziska Goltz.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Im Kraftraum in der Vaasahalle schuftet Hannah Anderssohn am Slingtrainer. Mit den Füßen in der Schlaufe, aufgestützt auf einen Arm ist ihr die Anstrengung anzusehen, der Körper geht ein paar Zentimeter nach unten. „Die Hüfte höher, streck dich richtig durch!“, kommt prompt das Kommando. Also höher, volle Konzentration und Körperspannung, während im Hintergrund das Radio vor sich hin dudelt.

 Seit August 2015 lebt Hannah Anderssohn in Kiel, im Sportinternat des Olympiastützpunktes Hamburg/Schleswig-Holstein. Die 16-Jährige, die sich hier im Kraftraum abmüht, gilt als eine der größten Nachwuchshoffnungen des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) für die Olympischen Spiele 2020 und 2024. In das Olympiajahr 2016 ist die aus Warnemünde stammende Athletin mit einem Paukenschlag gestartet: Bei der Jugend-Weltmeisterschaft im malaysischen Langkawi gewann sie im Laser Radial Silber. „Mit einer Medaille hatte ich nicht gerechnet, aber ich habe natürlich darauf gehofft“, sagt Anderssohn.

 Ihre Trainerin, die ihr während des Krafttrainings einiges abverlangt, war noch zuversichtlicher. „Silber hatte ich schon fast erwartet, eine Medaille auf jeden Fall“, sagt Franziska Goltz, Olympia-Teilnehmerin 2012 im Laser Radial. Sie arbeitet seit Ende 2013 für den DSV, betreut in Kiel den weiblichen Laser-Radial-Nachwuchs. Für Goltz ist es etwas Neues, mit so jungen Athleten wie Hannah Anderssohn zu arbeiten, zuvor betreute sie Senioren. „Das Arbeitsklima ist sehr angenehm, Vorgaben werden direkt umgesetzt“, schwärmt sie von der Trainingsgruppe, zu der neben Anderssohn auch Lena Weißkichel (16), Laura Voß (18) und Laura Schewe (15) gehören. Hannah Anderssohn hat zwar schon in Warnemünde täglich trainiert, „aber hier in Kiel gibt es einfach die besseren Bedingungen“, erklärt sie. „Ich habe kein Heimweh, wir haben hier eine tolle Truppe im Internat“, sagt sie. „Wir machen viel zusammen, auch abseits des Segelns, und profitieren voneinander“, sagt Anderssohn. „Um weiterzukommen, braucht man eine Trainingsgruppe, alleine geht nichts“, ergänzt Goltz.

 Training, das bedeutet im Winter vor allem Kraft- und Koordinationsübungen. „Das muss sein, sonst ist man im Sommer nicht fit“, sagt Anderssohn, während sie ein kurzes Stretching in die harten Kraftübungen einstreut. Im August vergangenen Jahres wagte sie den Sprung vom Laser 4.7 in den Radial und brach mit ihrem Umzug aus Warnemünde nach Kiel gleich doppelt zu neuen Ufern auf. Seitdem wohnt sie in Schilksee und besucht die 11. Klasse der Gesamtschule Friedrichsort. In den kalten Monaten sehen die Trainingswochen hier relativ gleich aus, zwei Einheiten am Tag, donnerstagmorgens zusätzlich Schwimmen. Harte Arbeit, wenig Wasser, kein Segeln – mit einer Unterbrechung: Ende Februar ist der gesamte Tross im französischen Hyères; an der Mittelmeerküste lässt es sich auch im Winter bei 18 Grad und Sonne segeln. Danach wird das „Trockentraining“ in Kiel fortgesetzt. „Manchmal habe ich Phasen, da denke ich, ich habe keine Lust mehr“, gibt Anderssohn zu. „Aber das ist selten. Außerdem kommt Franzi dann und motiviert mich.“ Sie grinst, als sie von der Motivation ihrer Trainerin spricht. Kann die ehemalige Spitzenseglerin hart sein? „Ja!“, sagt Anderssohn.

 Die Arbeit hat sich ausgezahlt für die Modellathletin. 1,80 Meter groß, 69 Kilogramm schwer – perfekte Voraussetzungen für den Laser Radial. Auch deshalb hat ihr der Umstieg aus dem 4.7 kaum Schwierigkeiten bereitet. Anderssohn scheint ein echtes Segeltalent zu sein. „Man sieht ihre Fortschritte schon nach den paar Monaten“, sagt ihre Trainerin. Nach dem Silber-Coup, bei dem die 16-Jährige nur der Ungarin Maria Erdi den Vortritt lassen musste, sind die Ziele für 2016 klar formuliert. „Ich will die deutsche Jugendmeisterschaft gewinnen und bei der Jugend-EM unter die Top drei fahren“, sagt Anderssohn. Damit wäre auch ihre Kaderförderung im vorolympischen DC-Kader des DSV locker gesichert.

 Und Olympia? „Rio kommt für mich viel zu früh. 2020 kann ich vielleicht anpeilen“, sagt sie. Sie wäre dann 20, immer noch sehr jung, die Perspektive reicht klar bis 2024. Den Namen Hannah Anderssohn sollte man sich für die kommenden acht Jahre also merken.

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Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

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