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Aufgeben war nie eine Option

Serie: Uwe Seeler Aufgeben war nie eine Option

Er ist ein Idol, das Gesicht des Hamburger SV, eine Legende: Am Sonnabend wird Uwe Seeler 80 Jahre alt. Wir würdigen den Stürmer und ewigen Begleiter des HSV mit einer Serie. Im ersten Teil stellen wir ihn als Spieler vor.

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Empfang nach der Vize-Weltmeisterschaft 1966: Uwe Seeler feiert mit Fans am Frankfurter Römer.

Quelle: Wolfgang Weihs/dpa

Hamburg/Kiel. „Uwe Seeler: 4 von 8 Toren!“ titelte der „kicker“ am 2. August 1954, nachdem der Hamburger SV das Spiel des damaligen DFB-Nord-Pokals gegen Holstein Kiel mit 8:2 gewonnen hatte. Die Störche waren seinerzeit also direkt beteiligt am „Urknall“ einer fußballerisch wie soziologisch einmaligen Karriere.

17 Jahre jung war der Mittelstürmer, als er den Holsteiner Jungs das 2:1, 3:1, 6:2 und 7:2 einschenkte – „A star is born“ sagten die Amerikaner schon damals. Obwohl noch längst nicht ausgewachsen, zeigte bereits der Teenager seine unvergleichlichen Vollstreckerqualitäten: ein Kraft-Körper, dynamisch, handlungsschnell und trotz nur 1,69 Meter Höhe riesig im Kopfballspiel. Ihre ganze, imposante Wirkung entfaltete die gewaltige Physis allerdings erst in Verbindung mit der Willenskraft, dem Ehrgeiz des gelernten Speditionskaufmanns: immer kämpfen, niemals aufgeben. „Taktische“ Dosierung des Engagements war seinem Wesen immer fremd. Bundestrainer Sepp Herberger, der den jungen Hanseaten für das Länderspiel am 16. Oktober 1954 gegen Frankreich (1:3) erstmals in die A-Nationalmannschaft berief, brachte dessen Fähigkeiten auf den Punkt: „Es gibt zweifellos spielerisch weitaus bessere Spieler, aber keiner besitzt das Talent wie Uwe Seeler, auf engstem Raum gegen die stärkste Bewachung so viel Wirkung zu erzielen.“

Diese entfaltete er früh und nachhaltig. Dank der Seeler-Tore wurde der HSV zwischen 1955 und 1963 neunmal in Folge Erster der Oberliga Nord, mit dem deutschen Meistertitel (Seelers einzigem) 1960 als Höhepunkt. Die Premieren-Saison der Bundesliga 1963/64 schloss Seeler mit 30 Treffern als Torschützenkönig ab.

"Herr Seeler? Das sagt keiner"

Doch Uwe („Herr Seeler? Das sagt keiner“) erlebte nicht nur die Höhen der Branche Profifußball, er fiel auch in üble Tiefen. Am 20. Februar 1965 reißt dem 28-Jährigen auf dem gefrorenen Boden des Frankfurter Waldstadions die rechte Achillessehne; eine Verletzung, die zur damaligen Zeit eigentlich die Karriere beendet. Doch seine Wettkampf-Mentalität hilft ihm auch in dieser Krise, Aufgeben ist keine Option. Sechs Monate später steht er wieder auf dem Platz. Sein Ausrüster und Freund, adidas-Patriach und Schraubstollen-Erfinder Adolf „Adi“ Dassler, baute ihm den Spezialschuh „Achilles“, der zusätzlich an der Ferse verschnürt werden konnte.

Diese Maßanfertigung trug Seeler zwei Jahre lang, natürlich auch in jener Partie, in der er sein für ihn selbst schönstes und wichtigstes Tor erzielte. Im WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden am 26. September 1965 in Stockholm schoss er mit seinem Treffer zum 2:1-Sieg Deutschland zur Endrunde nach England. „Dadurch waren wir 1966 überhaupt dabei. Es war mein erstes Länderspiel nach der schweren Verletzung. Das Tor und der Sieg waren eine Befreiung“, erzählte Seeler dem „kicker“.

Legendäres Tor mit dem Hinterkopf

Die Befreiung mündete indes in eine der bittersten Niederlage der deutschen Fußballgeschichte, das 2:4 nach Verlängerung im WM-Finale gegen den Gastgeber mit dem weltberühmten Wembley-Tor. Dennoch war der Vize-Weltmeister-Titel Uwes größter internationaler Erfolg. Zwei Jahre später trat er aus der Nationalmannschaft zurück, doch Bundestrainer Helmut Schön überredete ihn, doch noch die WM 1970 in Mexiko zu spielen. Und auch dort vollzog sich Historisches: Seelers letztes Länderspieltor mit dem Hinterkopf zum 2:2 im Viertelfinale gegen England (Endstand 3:2 n. Verl.) sowie das „Jahrhundertspiel“ im Halbfinale gegen Italien (3:4), in dem beiden Gerd-Müller-Toren in der Verlängerung jeweils ein gewonnenes Kopfballduell von Seeler vorausging.

Mehr Geschichte ging nicht. Am 9. September desselben Jahres gegen Ungarn war mit dem 72. Länderspiel Schluss im DFB-Dress, im Mai 1972 beendete er im Abschiedsspiel des HSV gegen eine Weltauswahl seine aktive Karriere endgültig. Endgültig? Auf Bitten von adidas bestritt dessen wichtigster Repräsentant am 23. April 1978 ein Spiel für Cork Celtic in der ersten irischen Liga gegen die Shamrock Rovers. Doppeltorschütze bei der 2:6-Niederlage: Raten Sie mal...

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Serie: Uwe Seeler
Foto: Das Markenzeichen: Ein Flugkopfball von Uwe Seeler im Finale des DFB-Pokals 1963, das der HSV gegen Borussia Dortmund mit 3:0 gewann. Alle drei Tore erzielte Hamburgs Mittelstürmer.

Auch nach der aktiven Karriere kam beim Hamburger Fußball-Idol Uwe Seeler niemals Langeweile auf. Nicht nur den Stadion-Neubau hinterlässt er als Vermächtnis für seinen HSV.

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