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Der „Normalo“, der zum Helden wurde

Serie: Uwe Seeler Der „Normalo“, der zum Helden wurde

Es gibt ein Zitat von Uwe Seeler, das kurz, aber ziemlich umfassend seine Persönlichkeit beschreibt: „Das Schönste auf der Welt ist es, normal zu sein.“ Normal, einer aus unserer Mitte, „Uns Uwe“ eben, die plattdeutsche Version von „Unser Uwe“.

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Nach seinem Abschiedsspiel wird Uwe Seeler im Volksparkstadion von Fans gefeiert.

Quelle: imago

Hamburg/Kiel. Ein außergewöhnliches Credo für einen Mann, der neben Fritz Walter und Helmut Rahn der erste Superstar des Fußballs in Nachkriegs-Deutschland war – und bis heute ungebrochen populär ist. Alles andere als normal auf dem Platz, aber im „richtigen“ Leben ein Mensch wie du und ich, diese Mischung machte aus dem begnadeten Kicker Uwe Seeler eine Ikone.

Die Wurzeln der erdverbundenen Geisteshaltung liegen im Elternhaus. Uwe wurde am 5. November 1936 als drittes Kind von Anny und Erwin Seeler geboren. Der Vater, ein perfekt plattdütsch schnackender Hafenarbeiter, war selbst bis in die 40er Jahre hinein einer der populärsten Fußballer in Hamburg, selbstredend mit der Raute im Herzen. Der „Vadder“ vermittelte Uwe und dessen fünf Jahre älterem Bruder Dieter (starb 1979 an Nierenversagen) schnörkellos, wie man sich als Fußballer auf und neben dem Platz zu verhalten habe: ehrgeizig und durchsetzungsstark, dabei aber fair, respektvoll und demütig.

Als Uwe Seeler 2012 den Walther-Bensemann-Preis der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur für besondere Leistungen im Sinne der Völkerverständigung erhielt, erzählte er in seiner Dankesrede vom Einfluss des Vaters auf die Söhne. Er habe keine „Weicheier“ zu Hause haben wollen, mahnte aber aber auch an, dass Geld nicht alles sei und man den Mitmenschen helfen müsse, wo es nötig ist. Diese Sozialisation verfehlte ihre Wirkung nicht. „Ich wehre mich dagegen, nur weil ich vielleicht mal einigermaßen Fußball gespielt habe, glauben zu können, ich wäre etwas Besseres. Bin ich ja nicht“, ergänzte Uwe. Für diese Haltung, die er nicht nur nur formuliert, sondern lebt, lieben ihn die Leute. Seinen guten Ruf zementierte das Kriegskind, wie er sich selbst bezeichnet, das das Fußballspielen auf Trümmergrundstücken lernte, im April 1961 mit einer bis dahin im Weltfußball einmaligen Aktion. Inter Mailands legendärer Coach Helenio Herrera war nach Hamburg gekommen, um dem deutschen Wunderstürmer ein Jahresgehalt von rund 1,2 Millionen Mark anzubieten, eine für damalige Verhältnisse unvorstellbare Summe. Seeler trifft die „schwerste Entscheidung“ seiner Karriere – und lehnt ab. „Mehr als ein Steak am Tag“, so seine lapidare Begründung, „kann man nicht essen.“ Das habe damals „keiner verstanden. Auch meine Mitspieler erklärten mich für verrückt“.

Auch Herrera war fassungslos („So etwas habe ich noch nie erlebt“), aber das hiesige Fußball-Volk lag seinem Helden zu Füßen. Vaterlandsliebe wird indes die große Geste nicht allein bewirkt haben. Der HSV legte bei der Vergütung eine Schippe drauf, sein Freund Adi Dassler ernannte ihn zum adidas-Repräsentanten in exponierter Stellung. Wie Seelers Entscheidung ohne diese Kompensationsleistungen ausgefallen wäre, wird genauso auf ewig ein Geheimnis bleiben wie die Frage, wie sich der Leumund eines Italien-Auswanderers Seeler in der kalten Heimat entwickelt hätte.

Egal, eine punktuelle Spekulation ohne Belang. Wer in einer 18-jährigen Karriere nur einmal vom Platz fliegt, mehr als ein halbes Jahrhundert lang ein A-Promi ohne Skandale und Allüren bleibt, ist über jedweden Zweifel erhaben. Seit August 2005 steht vor dem Volksparkstadion Uwe Seelers rechter Fuß, in Bronze gegossen, 5,15 Meter breit, 3,50 Meter hoch, 4000 Kilogramm schwer. Zahlen, die dem Gewicht der Persönlichkeit entsprechen.

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Serie: Uwe Seeler
Foto: Das Markenzeichen: Ein Flugkopfball von Uwe Seeler im Finale des DFB-Pokals 1963, das der HSV gegen Borussia Dortmund mit 3:0 gewann. Alle drei Tore erzielte Hamburgs Mittelstürmer.

Auch nach der aktiven Karriere kam beim Hamburger Fußball-Idol Uwe Seeler niemals Langeweile auf. Nicht nur den Stadion-Neubau hinterlässt er als Vermächtnis für seinen HSV.

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