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Eine Legende im Unruhestand

Serie: Uwe Seeler Eine Legende im Unruhestand

Auch nach der aktiven Karriere kam beim Hamburger Fußball-Idol Uwe Seeler niemals Langeweile auf. Nicht nur den Stadion-Neubau hinterlässt er als Vermächtnis für seinen HSV.

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Das Markenzeichen: Ein Flugkopfball von Uwe Seeler im Finale des DFB-Pokals 1963, das der HSV gegen Borussia Dortmund mit 3:0 gewann. Alle drei Tore erzielte Hamburgs Mittelstürmer.

Quelle: dpa

Hamburg/Kiel. Als 71000 Fans am 1. Mai 1972 im ausverkauften Volksparkstadion ihr Idol in einem denkwürdigen Abschiedsspiel des Hamburger SV gegen eine Weltauswahl (3:7) ein letztes Mal ausgelassen feierten, endete eine Ära: Nach 18 Jahren hörte Uwe Seeler auf, Fußball zu spielen. Der damals 35-Jährige war längst eine lebende Legende. Weniger wegen seiner eher bescheidenen Titelsammlung (jeweils einmal deutscher Meister und Pokalsieger), sondern vielmehr aufgrund der Mischung aus begnadetem Kicker und bescheidener, sympathischer Persönlichkeit.

Doch auch für ein Denkmal, in dessen Brust gleich in doppeltem Sinne ein großes Herz schlägt, gibt es ein Leben nach der Athleten-Karriere. Und das hielt für „Uns Uwe“ eine breite Palette an Erfahrungen bereit, die von glückselig bis lebensbedrohend reichten. Dabei war die Sicherung der wirtschaftlichen Existenz vergleichsweise Routine. Obgleich Seeler Profi war, als die Gehälter noch lange nicht für den Rest des Lebens reichten, musste er sich um sein Auskommen niemals Sorgen machen. Schon als Spieler baute er sich ein kleines Firmennetzwerk auf, besaß u. a. Mietshäuser und Tankstellen, vermarktete seinen guten Namen auf Fußball-Utensilien. Für alle Zeitzeugen unvergessen ist seine TV-Werbung für das Rasierwasser „Hattrick“, mit blanker Brust und lustig pfeifend. Wichtigstes Standbein war jedoch seit 1961 seine Tätigkeit als Adidas-Repräsentant.

Viele Nebentätigkeiten zum Nutzen aller

Dabei blieb genug Zeit für gemeinnützige Engagements. Neben der Uwe-Seeler-Traditionself, die seit Jahrzehnten mit bekannten Ex-Profis Benefizspiele absolviert, sowie seiner Unterstützung für die Deutsche Muskelschwund-Hilfe ist die 1996 gegründete Uwe Seeler Stiftung für in Not geratene Menschen sein bedeutendstes Projekt, das bis heute fast 3,7 Millionen Euro ausgeschüttet hat.

Prägend und nachhaltig waren allerdings drei andere Ereignisse: 1. die Hochzeit 1959 mit Ilka, mit der er drei Töchter und sieben Enkelkinder hat; 2. die HSV-Präsidentschaft von 1995 bis ’98; 3. der Autounfall vor sechs Jahren. Welch’ großen Einfluss Ilka hat, belegte ein Rückblick des Ehemanns auf seine Zeit als HSV-Präsident: „Ein-, zweimal mehr hätte ich auf den Rat meiner Frau hören sollen: Wir hätten kein Schwimmbad bei uns bauen müssen, und Ilka hat mir auch davon abgeraten, Präsident zu werden.“

Er gab dem Druck nach

Im Herbst 1995 wurde der öffentliche Druck, er möge doch den HSV „retten“, so groß, dass „Uns Uwe“ nachgab. In seine Amtszeit fielen betrügerische Machenschaften von zwei Präsidiumskollegen sowie sportliche und wirtschaftliche Stagnation. Auf der anderen Seite gelang ihm der Coup, den Stadion-Neubau zu initiieren. Daran waren seine Vorgänger allesamt gescheitert. „Das“, sagte Seeler, „habe ich im Rathaus allein durchgebracht.“ Bezeichnend ist, dass Seeler 2013 die ihm angetragene HSV-Ehrenpräsidentschaft ablehnte. Im selben Jahr übernahm er die Patenschaft für den Uwe Seeler Fußball Park, die renovierte Sportschule des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes (SHFV) in Malente.

Doch aller Ärger über den darbenden HSV war nichts im Vergleich zu dem Autounfall im Juli 2010, als Seeler auf dem Beifahrersitz eines Mercedes saß, der vor der Elbtunnel-Einfahrt von einem schweren BMW gerammt wurde. Er erlitt u. a. Absplitterungen an der Wirbelsäule und musste operiert werden. Bis heute plagen ihn ständig Schmerzen, er kann auf dem rechten Ohr nichts mehr hören und musste seinen geliebten Golfsport aufgeben.

Aber am Sonnabend, seinem großen Ehrentag, wird er selbstverständlich gegen Borussia Dortmund wieder im Volksparkstadion sitzen. Denn eines muss eine Legende auch sein – leidensfähig.

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Serie: Uwe Seeler
Foto: Nach seinem Abschiedsspiel wird Uwe Seeler im Volksparkstadion von Fans gefeiert.

Es gibt ein Zitat von Uwe Seeler, das kurz, aber ziemlich umfassend seine Persönlichkeit beschreibt: „Das Schönste auf der Welt ist es, normal zu sein.“ Normal, einer aus unserer Mitte, „Uns Uwe“ eben, die plattdeutsche Version von „Unser Uwe“.

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