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Stegner links und rechts

Söhne von SPD-Landeschef Stegner links und rechts

Die heimatverbundenen Söhne von SPD-Landeschef Ralf Stegner wollen beim TSV Bordesholm Erfolg und Spaß. Und auch sonst gibt es offenbar einige Parallelen zwischen Fußball und Politik.

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Fußballbrüder auf Augenhöhe: Tilman (li.) und Simon Stegner mit Trainer Helmut Szpadzinski.

Quelle: Sonja Paar

Bordesholm. Feste Überzeugungen, Heimatverbundenheit und Kontinuität sind Tugenden, die in Schleswig-Holstein besonders goutiert werden. Das gilt auch für Fußball und Politik, beides Bereiche, die Beobachter bisweilen als „schmutziges Geschäft“ brandmarken. Dass es auch sauber geht, zeigt eine besondere Fusion von Fußball und Politik in der 7600-Einwohner-Gemeinde Bordesholm. Beim dortigen Fußball-Verbandsligisten TSV kicken seit 20 Jahren die Brüder Simon und Tilman Stegner, die in ihrer Karriere ebenso wohlwollend wie entspannt begleitet worden sind von ihrem Vater Ralf Stegner, Chef der schleswig-holsteinischen SPD und der Landtagsfraktion.

 Entspannt deshalb, weil Stegner senior, ein glühender HSV-Anhänger, sich selbst zwar als „Fußballverrückten“ bezeichnet, der als jugendlicher Torwart Träumen von einer Profikarriere nachhing, aus denen schließlich aber eine nicht unbedeutende Laufbahn als Berufspolitiker hervorging. Kein Grund jedoch für den 56-Jährigen, von seinen Söhnen mehr zu erwarten, als der Vater erreichte. „Wir haben 1994 in Bordesholm ein Haus gebaut, hinter dem ich mit den Jungs immer gekickt habe“, erzählt Stegner, der seinen Nachwuchs im Vorschulalter beim TSV anmeldete – damit sie Spaß am Sport haben. „Ich habe niemals Druck ausgeübt. Die beiden haben ohnehin mehr Talent als der Vater und sind selbst ehrgeizig“, erzählt der Vize der Bundes-SPD.

 Der prominente Vater ist nicht die einzige Besonderheit der beiden kickenden Brüder. Simon, mit 23 Jahren der Ältere, besetzt in der Abwehrkette die linke Seite. Tilman, ein Jahr jünger, hat TSV-Trainer Helmut Szpadzinski zu Saisonbeginn aus der „Zweiten“ hochgezogen und auf die rechte Seite gestellt. „In der Jugend haben wir noch als Innenverteidiger zusammengespielt“, erzählt Simon. „Bei den Senioren sind dann aber bessere Spieler als ich für diese Position zum TSVB gekommen. Ich bin dann nach außen ausgewichen, wo ich meine Ausdauer und Schnelligkeit besser zur Geltung bringen kann.“ Sein Bruder Tilman bezeichnet sich selbst als Spätstarter, der zunächst in der „Zweiten“ spielte und vor zweieinhalb Jahren ein Intermezzo als Schiedsrichter für den TSV Schilksee einschob. „Das hätte ich meinem Heimatverein niemals antun können“, frotzelt Simon. Die Lust, wieder selbst zu kicken, führte Tilman schließlich zurück zum TSVB, als Außenverteidiger: „Erst war ich nicht so begeistert, aber jetzt kann ich mir keine andere Position mehr vorstellen.“

 Die familiäre Bindung schlägt sich auch im Mannschaftssport nieder. „Der Konkurrenzkampf zwischen uns ist größer als mit anderen Spielern, aber auch die Freude, wenn dem Bruder etwas gelingt“, sagt Tilman. Simon ergänzt: „Das ehrlichste Feedback kommt vom Bruder.“

 Ihre Jobs auf den Außenbahnen sind nicht die einzige Gemeinsamkeit. Beide sind in Kiel geboren, wo sie auch wohnen, beide wurden vor 20 Jahren beim TSVB angemeldet, beiden streben als Beruf Arzt an. Von den Teamkameraden werden beide nur „Stegner“ gerufen. „Früher hatte ich den Spitznamen ,Kanzler’,“ ergänzt Simon, „aber irgendwann hat mich niemand mehr so genannt.“

 Simon, seit sechs Jahren liiert mit Malin (ebenfalls 23), studiert Medizin in Kiel und bleibt dem TSV Bordesholm vorerst erhalten. Tilman beendet im kommenden Jahr in der Lubinus-Klinik seine Ausbildung zum Physiotherapeuten und wird danach in Leipzig Medizin studieren. „Ich bedaure, dass Tilman weggeht“, verrät Ralf Stegner, dessen ältester Sohn Fabian (24) in Halle/Saale lebt und dort für den Stadtligisten Roter Stern Halle im Tor steht.

 Seine Ämter lassen dem Vater ohnehin kaum Zeit, die Spiele der Buben live zu verfolgen. „Der 2:1-Sieg vor zwei Wochen über Inter Türkspor Kiel war das erste Bordesholmer Spiel, das ich in dieser Saison gesehen habe“, so Stegner, der mit seinem Besuch zum Glücksbringer wurde. „Man hat gesehen, auf welch’ gutem Niveau in der Verbandsliga gespielt wird.“ TSVB-Manager Peter Brandt relativiert: „Hätten wir Leistungen wie gegen Türkspor über die gesamte Saison hinweg gezeigt, hätten wir um den Aufstieg in die SH-Liga mitgespielt.“ Doch so wollen sie heute (15 Uhr) im letzten Heimspiel der Saison gegen den TSV Kronshagen nur noch „Spaß haben“ (Szpadzinski).

 Genau darum geht es doch im Fußball – finden zumindest Ralf, Simon und Tilman Stegner.

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