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Verpasste Chancen und Sorgen um die Zukunft

Sport-Jahresrückblick 2015 Verpasste Chancen und Sorgen um die Zukunft

Dieser Rückblick konzentriert sich auf wenige Tage, genauer auf die Zeit zwischen dem 29. Mai und dem 2. Juni, in Stunden gerechnet rund 100. Es handelt sich um eine Spanne von fünf Tagen, die das Kieler Sport-Jahr komprimierten zu einer denkwürdigen Phase der verpassten Chancen.

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2. Juni, Arena München, kurz nach 22.30 Uhr: Patrick Breitkreuz (links) und Maik Kegel sitzen tief frustriert auf der Holstein-Bank. Dabei standen sie ein paar Minuten zuvor fast schon in der Zweiten Bundesliga.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Freitag, 29. Mai, 14.20 Uhr: In ihren ersten beiden Auftritten bei den French Open hatte Angelique Kerber mit ihren Gegnerinnen wenig Mühe. Nun steht in Paris das Drittrunden-Match gegen Garbine Muguruza auf dem Programm. Die Kielerin beginnt druckvoll, konzentriert. Mit 6:4 gewinnt die Weltrangliste-Erste den ersten Satz. Eine gute Stunde später sitzt sie auf ihrem Stuhl und begräbt ihr Gesicht unter einem Handtuch. 2:6, 2:6 – die Spanierin hatte den Spieß umgedreht, und Kerber will nach ihrem überraschenden Ausscheiden schnell weg. „Es war kein guter Tag von mir“, gibt sie zu. Bei den drei anderen Grand-Slams erwischte sie auch nicht viele gute Tage, doch vier Turnier-Triumphe 2015 können sich sehen lassen.

Sonnabend, 30. Mai, 18 Uhr: Was Fräulein Kerber in Paris gerne erreicht hätte, bestreitet der THW Kiel nun in Köln: ein Halbfinale. Besser das Halbfinale der Champions League. Beim Gegner Veszprem spielen mit Christian Zeitz und Momir Ilic zwei ehemalige Zebras. Kleines Familientreffen also. Wer zu Hause ein Sky-Abo besitzt, hat plötzlich sehr viele Freunde, die Übertragungsrechte liegen bei dem Bezahlsender. Nach einer Viertelstunde führt der THW beim 7:4 letztmals, vier Minuten vor Schluss ist die Partie beim 29:25 für den ungarischen Meister entschieden. Den THW hat das Kerber-Schicksal ereilt, er ist raus, auch, weil Kapitän Filip Jicha angeschlagen ist und seinen Kollegen nicht viel helfen kann. Der deutsche Handball-Rekordmeister verliert am Tag danach auch noch das Spiel um Platz drei gegen Kielce mit 26:28, doch er verliert in diesem Jahr noch mehr. Filip Jicha wechselt am 18. August zum FC Barcelona, nach einem außergewöhnlichen Interview mit dieser Zeitung („Ich bitte den THW, mich zu verkaufen“), in dem er seine finanziellen Probleme in Folge von missglückten Immobilien-Investitionen aus dem Jahr 2006 („Ich war jung und naiv und bin in eine tiefe Falle getappt“) offenbarte. Mit dem Tschechen geht die große Identifikationsfigur, und seit dem 30. November steht fest, dass der beliebte Linksaußen Dominik Klein ihm zum Saisonende folgen wird. Dem letzten Vertreter der großen Ära mit Champions-League-Triumphen und Triple-Feiern ist von Geschäftsführer Thorsten Storm nur ein Jahresvertrag angeboten worden. Vielen Fans fehlt dafür das Verständnis, „das ist nicht mehr unser THW“, klagen sie. Doch das soll sich ändern. Mit jungen Spielern hat der Aufbau des neuen THW begonnen. Ein Aufbau, der womöglich Zeit brauchen und nicht frei von Rückschlägen sein wird. Der Pokal-K.o. gegen die SG Flensburg-Handewitt lässt grüßen. Doch wie die Kieler den Bundesliga-Spitzenreiter Rhein-Neckar Löwen am Abend vor Weihnachten aus der Halle schossen, das war ein Zeichen alter Stärke. Zur Erinnerung: Ihren 20. nationalen Titel hatten die Zebras am 3. Juni in Hannover gesichert, am Tag nach der denkwürdigen Kieler Fünf-Tage-Woche.

Dienstag, 2. Juni, 20.47 Uhr: Rafael Kazior schockt die Löwen des Fußballs mit seinem Treffer zum 1:0. Nach dem 0:0 im Hinspiel führt der Drittliga-Dritte Holstein Kiel im Relegations-Rückspiel bei Zweitligist 1860 München. 34 Jahre nach dem Zweitliga-Abstieg steht für die Störche das Tor zum Bundesliga-Unterhaus weit offen. Knapp zwei Stunden später hat es Löwen-Verteidiger Kai Bülow fest verschlossen, mit seinem Siegtreffer zum 2:1 in der zweiten Minute der Nachspielzeit. Während mehr als 50000 ekstatische 1860-Fans die Arena in einen weiß-blauen Ausnahmezustand versetzen, setzt bei den Kieler Kickern Schockstarre ein. Knapp 120 Sekunden haben gefehlt zum Aufstieg, es ist zum Heulen. Außenverteidiger Patrick Herrmann stammelt ein paar Worte unter Tränen, kein Kollege ist in den Katakomben fähig, einen auch nur einigermaßen sinnvollen Zustandsbericht abzugeben. Nur das Sprachzentrum von Karsten Neitzel ist nicht lahm gelegt. Beeindruckend, wie der KSV-Trainer Rede und Antwort steht.

Ein halbes Jahr später sind die letzten Sekunden von München Geschichte, die Störche haben andere Sorgen. Es läuft nicht rund in der Dritten Liga. Am 352. Tag des Jahres verliert die KSV im eigenen Stadion gegen Halle 0:4. Der Fast-Zweitligist steckt im Abstiegskampf.

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