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Talentschmiede feiert zehnten Geburtstag

Sportinternat in Kiel-Schilksee Talentschmiede feiert zehnten Geburtstag

Seit zehn Jahren haben Nachwuchs-Spitzensportler in Schilksee ihr zweites Zuhause. „Es ist Wahnsinn, was hier entstanden ist“, sagte Internatsleiterin Petra Homeyer, die seit dem 1. August 2006 gemeinsam mit ihrem Betreuerteam für die Bewohner sorgt.

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Der jüngste Erfolg für die Segler des Sportinternats: Hannah Anderssohn (re.) gewann den Jugend-WM-Titel im Laser Radial, Teilzeitinternatlerin Laura Schewe siegte in der U 17-Wertung. 

Quelle: Alberto Sanchez

Kiel. Mit zahlreichen Gästen aus Sport und Politik, ehemaligen Internatsschülern und aktuellen Nachwuchssportlern wurde am Sonnabend das Jubiläum in Schilksee gefeiert.

Mit Moana Delle fing alles an: Die Surferin zog 2006 in die Räumlichkeiten im Olympiazentrum ein, hatte den großen Aufenthaltsraum anfangs noch ganz allein für sich. Dann kam Laura Arnold, ebenfalls RS:X-Surferin dazu, ein Jahr später folgten die Beachvolleyballer Holger Wesselmann und Levke Spinger sowie Laser-Seglerin Lisa Rattemeyer. Seitdem herrscht in Schilksee ein reges Kommen und Gehen, das neueste Mitglied der Internatsfamilie heißt Fenja Valentien, die 29er-Seglerin zog vor einem Monat ein. Sie ist Schülerin Nummer 28, hinzu kommen insgesamt acht „Teilzeitinternatler“, die zwar nicht im Internat wohnen, aber an die Strukturen angeschlossen sind.

 Entstanden ist die Idee für ein Nachwuchsleistungszentrum mit Internat im Rahmen der Bewerbung Kiels für die Olympischen Spiele 2012, erste Gespräche fanden im Jahr 2002 statt. Am Ziel, die Leistungsspitze im deutschen Segelsport durch perfekte Rahmenbedingungen für eine „duale Karriere“ aus Schule und Segeln zu verbessern, änderte sich auch nach dem Scheitern der Olympiapläne nichts. „Das Internat ist aus einer gescheiterten Olympiabewerbung hervorgegangen und ist eine Erfolgsgeschichte“, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer während der Feier am Sonnabend und wies auf die so entstandene Parallele zur Gegenwart hin. „Die Entwicklung geht auch jetzt weiter, auch ohne Olympia 2024.“

"Umzug hat Stadt aufgewertet"

 Der Umzug des Deutschen Segler-Verbands (DSV) nach Kiel habe die Stadt weiter aufgewertet, sagte Kämpfer. Der DSV bezieht im Oktober seine neuen Räumlichkeiten im Olympiazentrum, ein großer Schritt zur weiteren Konzentration des deutschen Segelns in der „Sailing City“. „Das Verbundsystem aus Schule und Leistungssport lebt von kurzen Wegen“, sagte Ingrid Unkelbach, Leiterin des Olympiastützpunktes Hamburg/Schleswig-Holstein. Die Segler finden in Kiel sehr gute Trainingsbedingungen und die Nähe zur „Partnerschule des Leistungssports“, der Gesamtschule Friedrichsort, vor. Eben diese kurzen Wege sind für Beachvolleyballer in Kiel nicht vorhanden, weshalb nach den ersten drei Jahren nur noch Wassersportler im Kieler Internat wohnten. „Der Verband hat es nicht geschafft, Strukturen für ganzjähriges Training in Kiel zu schaffen“, erklärt Homeyer. Der Beachvolleyball hat seine Heimat in Hamburg gefunden, auch wenn eine Rückkehr nach Kiel nicht vollständig ausgeschlossen ist.

 Bei den Seglern sieht das anders aus. „Segeln kann man in Kiel bis Weihnachten, auch wenn das viele Menschen nicht glauben können“, sagt Homeyer. „Bis März folgen für die Sportler dann Krafttraining und Schwimmen, nach Trainingsaufenthalten im Warmen, wie etwa Südfrankreich, geht es spätestens im Mai wieder in Kiels aufs Wasser“, umreißt die Internatsleiterin den Jahresablauf der Athleten. Trotz allen Trainings: „Das Abitur steht an erster Stelle“, sagt die Laufbahnberaterin. Gemeinsam mit der Gesamtschule Friedrichsort müssen immer wieder individuelle Lösungen gefunden werden.

 Die vergangenen zehn Jahre zeigen den Erfolg der Einrichtung. Zahlreiche Medaillen und Top-Ten-Platzierungen bei Jugendwelt- und -europameisterschaften, regelmäßige Top-Drei-Ergebnisse bei deutschen Jugend- und Juniorenmeiterschaften – die Segler aus Schilksee sind immer vorn mit dabei. Und machen auch nach dem Abitur weiter: Von 23 Abgängern sind elf nach wie vor aktive Kadersportler. Das Sportinternat ist eine echte Talentschmiede.

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Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

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