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Schwer für Dominik Klein, in Kiel zu bleiben

Sportler des Jahres Schwer für Dominik Klein, in Kiel zu bleiben

Dominik Klein kommt zum Termin, bestellt einen Tee und macht gleich klar, dass die Wahl zum Kieler Sportler des Jahres 2015 durch die Leser dieser Zeitung für ihn kein kalter Kaffee ist. „Das ist eine große Wertschätzung“, sagt der THW-Linksaußen, der vor Rune Dahmke und Tim Siedschlag gewonnen hat.

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Publikumsliebling und emotionaler Anführer des THW: Dominik Klein, Kiels neuer Sportler des Jahres.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Es ist auch eine Wahl für sein „Lebenswerk“ an der Förde. Der 32 Jahre alte Weltmeister von 2007 ist nach dem Abgang von Filip Jicha vor Saisonbeginn der letzte Vertreter der großen Zebra-Ära. Seit 1. Juli 2006 ist er Angestellter des THW, seitdem feierte er acht nationale Meisterschaften, drei Titel in der Champions League und die 68:0-Punkte-Saison 2012. „Ich habe unter den weltbesten Trainern trainiert und mit den weltbesten Spielern zusammengespielt, das ist ein großes Geschenk. Ich bin Weltmeister geworden und war bei den Olympischen Spielen, so etwas ist nicht vielen Sportlern vergönnt“, sagt „Mini“ Klein.

Dass er Kiel im Sommer in Richtung Frankreich verlassen wird oder verlassen muss, da THW-Geschäftsführer Thorsten Storm bei seiner Personalplanung einen strikten Verjüngungskurs bevorzugt, beurteilt der gebürtige Miltenberger nach anfänglichen Akzeptanzproblemen mittlerweile milde. Beim HBC Nantes hat er einen Zweijahresvertrag plus Option für eine weitere Saison unterschrieben, seine Frau Isabell wird bei NLA Nantes ebenfalls erstklassig Handball spielen. Das ist schön für die junge Familie, zu der seit 23. Februar 2014 auch Söhnchen Colin gehört, die ewige Verbindung nach Kiel. „Sein Geburtsort wird immer in seinem Pass stehen“, schmunzelt Klein.

Viele Fans waren empört

Sein unverhoffter Abschied vom THW hat viele Fans empört. Klein ist das Gesicht der Zebras, großer Sympathieträger und emotionaler Anführer. „Meine Ehrlichkeit und Emotionalität sind nie gespielt“, sagt er. Als er am 28. März 2015 in Erlangen einen Kreuzbandriss erlitt, erwischte ihn die erste schwere Verletzung seiner Karriere im absoluten Leistungshoch, was er auch mit seiner mentalen Stärke begründet, dem Effekt der nach der verpassten EM-Nominierung 2010 begonnenen Zusammenarbeit mit dem Heidelberger Mentalcoach Jürgen Boss. Mit Boss spricht er über alles, auch über seine Gefühle. „Er hat mich gelehrt, mich auf das Wesentliche zu fokussieren. Mich haben früher Zuschauer, die die Hallenmusik mitpfiffen, beim Aufwärmen gestört. So habe ich meinen Weg gefunden, mich in einen ,guten Zustand’ zu versetzen. Ich lasse ich mich von nichts und niemanden mehr ablenken. Das hat mir viel Sicherheit gegeben.“ Auch die Sicherheit, nach seiner Operation zurückkehren zu werden. Am 6. Dezember war es so weit, im Champions-League-Heimspiel gegen Veszprem. Der Publikumsliebling wurde in der 56. Minute eingewechselt und traf fünf Sekunden vor Schluss zum 25:24. Klein wurde von seinen Kollegen begraben, die Halle tobte – ein Comeback „wie im Märchen“. Wenn er davon erzählt, scheint es, als schimmerten seine Augen ein wenig feucht.

Gute Freunde werden bleiben

Welche Erinnerungen werden ihm für immer bleiben? Schwierige Frage, dazu fällt Klein einiges abseits der Triumphe ein. Die frühe Freundschaft mit Nikola Karabatic und Vid Kavticnik, die enge Freundschaft mit seinem Zimmerpartner Henrik Lundström oder die gute Freundschaft mit Filip Jicha, der ihm mal sagte: „Es ist schwer nach Kiel zu kommen, aber noch schwerer, in Kiel zu bleiben.“ Deshalb ist für Klein auch seine erste Vertragsverlängerung 2007 ein Meilenstein: „Dem größten Handballverein der Welt etwas gegeben zu haben, das er belohnte, hat mir sehr viel bedeutet.“

Was wird die Zukunft bringen? Auch hier denkt Dominik Klein so, wie er ist: positiv. Den Trainerschein will er machen, er kann sich vorstellen, mit Kindern zu arbeiten oder im Management eines Klubs. Es wird sich alles ergeben, davon ist Kiels Sportler des Jahres überzeugt. Auch wenn er mal dachte, dies könne beim Verein seines Herzens geschehen.

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Irgendwie drängt sich das Gefühl auf, dass Platz zwei bei der Wahl zum Kieler Sportler des Jahres für Rune Dahmke nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach ganz oben ist. Kieler Jung, Publikumsliebling, dem 22-Jährigen fliegen beim THW Kiel die Herzen zu, seinen Vertrag hat er gerade erst bis 2020 verlängert.

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