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Das Herz einer Kämpferin

Sportlerin aus Kiel Das Herz einer Kämpferin

Frau hat es oder hat es nicht. Kübra Kaplan hat einen harten Schlag, eine gute Auffassungsgabe, taktisches Gespür – und sehr viel Ehrgeiz. Vor einem Jahr begann sie ihre Kampfsport-Karriere, nun schickt sie sich an, bei den Weltmeisterschaften im Taekwondo und Kickboxen die Deutschland zu vertreten.

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Kübra Kaplan (18) kann hart zuschlagen. Die Kickboxerin aus Kiel-Gaarden will zur WM.

Quelle: Martin Geist

Kiel. Dabei kennt die 18-Jährige nur ein Ziel: „Ich will gewinnen.“

 Wer als älteste Tochter in einer Familie mit sieben Kindern aufwächst, lernt vielleicht ganz automatisch, sich durchzuboxen. Aber nicht körperlich, wie Kübra Kaplan betont: „Meine Brüder habe ich nie verdroschen.“ Wohl aber hat sie gelernt, sich einzusetzen für das, was ihr wichtig ist. Und es erst einmal herauszufinden.

 Dabei wiederum hat ihr der Mädchentreff der Arbeiterwohlfahrt in Gaarden geholfen. Seit sie zur Schule kam, geht sie dort hin, probierte alle Sportarten aus, die im Angebot waren: Laufen, Klettern, Schwimmen, Boxen, Hiphop, Fußball. Spaß hatte sie irgendwie immer, aber nie das Gefühl, dass es das jetzt wirklich sei.

 Bis sie es im vergangenen Jahr ihren Geschwistern gleichtat und im Gaardener YU Sportstudio Taekwondo probetrainierte. „Da hab ich mich gefunden“, erzählt sie. Aus der Sporthalle war sie fortan kaum noch herauszukriegen, trainierte sieben Mal in der Woche, entdeckte bald auch das Kickboxen und stellte fest, dass sie sich darin sogar noch ein bisschen mehr findet.

Deutsche Meisterin im Taekwondo

 Treu geblieben ist die türkischstämmige Kielerin jedenfalls beiden Disziplinen. Was sich sensationell schnell auszahlte. Wenige Monate nach ihrem ersten Training wurde sie in Köln bei den Juniorinnen Deutsche Meisterin im Taekwondo und Vizemeisterin im Kickboxen. „Viele haben geglaubt, dass ich das nie schaffen werde, aber ich wollte es unbedingt“, sagt Kübra Kaplan mit offensichtlich bis heute nachwirkender Genugtuung.

 Überhaupt ist Selbstbestätigung wichtig für die Sportlerin. Sich und vielleicht auch ein bisschen den anderen zu zeigen, dass sie es kann, das verleiht der jungen Frau, die plötzlich nicht mehr nur eines von vielen Ausländerkindern im Stadtteil Gaarden ist, enorme Stärke. Auch im ganz normalen Leben. In der Schule am Regionalen Berufsbildungszentrum Wirtschaft läuft es, kommendes Jahr will sie die Prüfung zur Mittleren Reife machen und danach in den Polizeidienst.

 Jetzt jedoch will Kübra Kaplan erstmal nach Amerika. Vom 23. bis 30. September kämpft sie in Florida bei den Amateur-Weltmeisterschaften der World Kickboxing and Karate Union (WKU). Dass das dann nicht mehr bei den Juniorinnen, sondern bei den Erwachsenen geschieht, schreckt sie nicht im Geringsten. Die 1,68 Meter große und 61 Kilogramm leichte Kielerin hatte es schon bisher meist mit deutlich älteren und schwereren Gegnerinnen zu tun. Im Training oft auch mit Männern, weil sie vielen Frauen einfach zu hart zur Sache geht.

 Für ihre Angehörigen ist es hingegen kein Problem, eine derart kampfeslustige Tochter oder Schwester zu haben. Im Gegenteil: „Die ganze Familie steht hinter mir, besonders mein Vater ist sehr, sehr stolz auf mich.“

 Eher problematisch wird es mit den Kosten für den WM-Trip nach Florida. Unterstützung vom Verband gibt es so gut wie nicht, die eigenen Mittel der kinderreichen Familie sind ebenfalls begrenzt. Kübra Kaplan hofft deshalb, dass Sponsoren zumindest einen Teil der etwa 2500 Euro beisteuern, die für das Abenteuer Weltmeisterschaft nötig sind.

 Wer den WM-Traum von Kübra Kaplan unterstützen möchte, kann über den Awo-Treff für Mädchen und Frauen, Telefon 7396043, Kontakt herstellen.

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