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Steffen Uliczka: Vorzeigeläufer aus Schleswig-Holstein

Berlin Marathon Steffen Uliczka: Vorzeigeläufer aus Schleswig-Holstein

Steffen Uliczka ist der Vorzeigeläufer der schleswig-holsteinischen Laufszene und wagte vor zwei Jahren den großen Schritt von der 3000-m-Hindernis- auf die Marathondistanz. Seitdem bremsten den gebürtigen Preetzer immer wieder Verletzungen aus, doch Uliczka gab nicht auf.

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Der Kampf auf den letzten Kilometern hat weh getan: Nach 2:14.57 Stunden, später korrigiert auf 2:15.02, läuft Steffen Uliczka durchs Ziel 400 Meter hinter dem Brandenburger Tor.

Quelle: AFP

Berlin. Er kämpfte weiter und belohnte sich an diesem Wochenende als bester Deutscher beim Berlin Marathon mit einer tollen neuen persönlichen Bestzeit.

Frage: Herzlichen Glückwunsch zur neuen Marathonbestzeit! Erster Deutscher beim Berlin Marathon, wie fühlt sich das an?

 Sehr gut! Das war ja auch schon ein sportliches Ziel. Die gesteigerte Aufmerksamkeit, die man dadurch erhält, ist mega geil. Egal ob am Streckenrand oder durch die Medien. Die gelaufene Zeit spielt für die Meisten dabei auch überhaupt keine Rolle, denn für sie sind diese Bereiche, in denen ich mich bewege, eh unglaublich und teilweise unvorstellbar schnell.

 Offen und mutig haben Sie im Vorwege ihre Zielsetzung geäußert, wollten in den Bereich zwischen 2:12 und 2:14 Stunden laufen und die Olympianorm nachliefern. Mit 2:15:02 Std. ist ihnen dies nicht ganz gelungen. Enttäuscht?

 Klar, im ersten Moment auf jeden Fall! Man läuft seinen Erwartungen hinterher, und da bin ich dann im Herzen auch einfach zu sehr Leistungssportler, als dass das an mir spurlos vorüberzieht. Allerdings schäme ich mich auch nicht, meine Ziele so hoch gesteckt und ehrlich geäußert zu haben. Das ist einfach meine Art. Im Nachhinein muss ich allerdings zugeben, dass sie wohl noch zu hoch waren und ich nach den ganzen Verletzungen nicht in diese Bereiche laufen konnte. Nach dem ersten Dämpfer bin ich nun sehr glücklich und zufrieden, immerhin konnte ich ja meine Zeit aus Hamburg um fünf Minuten verbessern und damit in den Elitekreis der deutschen Marathonläufer vordringen.

Die Zieluhr zeigte sogar eine Zeit unter 2:15 Stunden an...

 Ja, das war schon sehr seltsam. Auf den letzten Kilometern war meine Motivation, die 2:15 noch zu unterbieten. Ich war bis zum Schluss fest davon überzeugt, dass das klappen würde, und konnte im Schlussspurt sogar noch den Amerikaner Malcolm Richards überholen. Beim Überqueren der Ziellinie glaubte ich, es geschafft zu haben, denn da zeigte die Uhr 2:14.57 an. Später wurde mir dann gesagt, dass die offizielle Zeit 2:15:02 Stunden wäre. Da habe ich mich wirklich geärgert!

Berlin war nun ihr zweiter Marathon seit dem Umstieg von der Hindernisdistanz. Wie unterscheiden sich die beiden Karrieren?

 Naja, das fängt natürlich schon beim Training an. Da wäre zum einen die erhöhte Anzahl an Wochenkilometern, die zurückgelegt werden müssen, aber auch der Zeitaufwand der einzelnen Trainingseinheiten oder Erholungsphasen. Zum Anderen ist der Schmerz ein ganz anderer! Auf der Bahn läuft man, so schnell man kann, beißt sich dann durch, versucht noch ein Schippe draufzupacken, bis man womöglich gar ins Ziel taumelt. Das tut richtig weh! Beim Marathon hingegen ist das Anstrengende eher die schleichende Müdigkeit, die einen hintenraus einfach keinen Schritt schneller laufen lässt, sowie die Dauer der Belastung. Das ist für den Kopf ungemein hart. Aber auch die Atmosphäre ist eine ganz andere! Stadtmarathons sind einfach viel größere Events mit einem ganz anderen Publikum als bei Bahnwettkämpfen.

  Von den Hahner-Zwillingen weiß man, dass sie sich den Marathon in Streckenabschnitte unterteilen, in denen sie dann einen bestimmten Song im Kopf haben. Haben Sie ähnliche Ablenkungsstrategien?

 Nein, ich laufe einfach und habe dabei die Zwischenzeiten im Blick. Nebenbei genieße ich gerne die Strecke und die ganze Stimmung. Im Gegensatz zu Hamburg habe ich mich in Berlin im Vorwege auch nicht so sehr mit der Streckenführung beschäftigt, zumal ich ja die Stadt auch viel weniger kenne. Das habe ich dann versucht, so lange es geht aufzunehmen, und zum Schluss kämpft man dann eh mehr mit sich selbst.

 Ihr Trainer Andreas Fuchs sprach im Vorfeld von einem richtungsweisenden Wettkampf für den Profisportler Steffen Uliczka. Der ganze Aufwand der letzten Jahre sollte sich endlich bezahlt machen. Zudem sind Sie vor kurzem das erste Mal Vater geworden. Wohin führt der Weg jetzt?

 Ehrlich gesagt, weiß ich das noch nicht so genau. Die Prioritäten verschieben sich natürlich so langsam. Erst mal geht es zu meiner kleinen Familie, darauf freue ich mich nun ganz besonders. Außerdem möchte ich den Schritt in die Berufswelt weiter vorantreiben. Neue sportliche Ziele werde ich mir frühestens in einigen Wochen setzen.

 Interview: Jennifer Zornig

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