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"Dieses eine große Ziel hab ich noch"

Steffen Uliczka "Dieses eine große Ziel hab ich noch"

2016 geht’s zur Sache: Der Kieler Marathonläufer Steffen Uliczka spricht in einem Interview mit den Kieler Nachrichten über seine Durststrecke, seine Rückkehr und den Traum von Olympia.

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Konzentriert, diszipliniert, verbissen: So verfolgt Steffen Uliczka (31) sein großes Ziel, die Teilnahme am Marathonlauf bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio.

Quelle: Uwe Paesler

Herr Uliczka, wie fällt Ihre Bilanz nach dem ersten Jahr als „Marathon-Mann“ aus?

 Ein sehr emotionales Jahr! Immerhin habe ich einen Marathon geschafft, auch wenn das natürlich nicht das erklärte Ziel war und ich weit hinter meinen Ansprüchen zurückgeblieben bin. Das erste Jahr zum Reinkommen brachte ganz neue Erfahrungen, sowohl was das Training und den Wettkampf angeht als auch den Rückschlag einer OP an der Ferse. Bisher hatte ich in meiner sportlichen Laufbahn recht viel Glück, konnte jedes Jahr meine Leistung bringen, da war es für mich nicht leicht, mit solch einer gravierenden Verletzung klarzukommen und das Laufen quasi neu zu lernen. Die Höhepunkte wie WM oder DM erstmals seit vielen Jahren nur aus der Ferne zu beobachten, war schmerzhaft. Aber es war nicht so schlimm, dass ich jetzt sagen würde, ich habe die Schnauze voll und höre auf. Dieses eine große Ziel vom schnellen Marathon hab ich halt noch!

Gab es aufgrund der Verletzungssorgen je Zweifel an dem Disziplinwechsel?

Nein, Zweifel am Wechsel kamen gar nicht auf. Vor der OP hatte ich immerhin schon meinen ersten Halb- bzw. Marathon absolviert.

Was hält das Sportjahr 2016 für Steffen Uliczka bereit?

2016 geht’s zur Sache. Ich werde ans Limit gehen, konsequent und diszipliniert das große Ziel verfolgen und mich härter denn je auf diese Sache konzentrieren. In diesem Frühjahr werde ich dann die Olympia-Norm in der Tasche haben und damit ein weiteres Mal als einer von wenigen Läufern an den Olympischen Spielen teilnehmen dürfen. Daran glaube ich fest! Zudem möchte ich bei der EM in Amsterdam über die halbe Strecke die deutschen Farben vertreten.

Ihr Marathondebüt haben Sie im vergangenen Jahr beim Marathon in Hamburg gegeben. Diese Strecke zählt im Vergleich mit anderen großen Marathonstrecken nicht zu den schnellsten. Wo und wann wollen Sie in diesem Jahr die Olympianorm angreifen?

Hamburg ist für dieses Vorhaben tatsächlich nicht prädestiniert, zumal ich an die Strecke ja nun auch nicht die besten Erinnerungen habe. Wahrscheinlich wird es irgendein anderer Marathon, bei dem ich dann auch nicht so sehr im Fokus stehe und mich allein auf das Rennen und mein Vorhaben konzentrieren kann. Flach, schnell und möglichst wenig Kurven, so sollte die Strecke sein. Da gibt es im März/April in Europa einige Möglichkeiten. Ob Rotterdam, Warschau oder Wien, das entscheiden wir auch abhängig vom Trainingsverlauf kurzfristig.

Das Höhentrainingslager in Kenia hat für Sie erstaunliche Fortschritte gebracht. Woran gilt es in den kommenden Wochen noch zu arbeiten?

Zunächst geht es für mich drei Wochen ins Trainingslager nach Portugal. Hier wollen wir die Belastungsintensität erhöhen, ein Renntempo von 3:07/3:08 Minuten pro Kilometer über 15, 20, 25 Kilometer realisieren sowie Stoffwechsel und Motorik an dieses Grundtempo gewöhnen. Zudem gehören auch mehr marathonspezifische Läufe über 35 oder 40 Kilometer zur Trainingsplanung.

Die deutsche Olympia-Norm liegt bei 2:12:15 Stunden. Das ist scharf kritisiert worden. Die IAAF-Norm liegt 2:19:00 Stunden. Glauben sie, dass in Rio trotzdem drei deutsche Marathonmänner am Start sein werden?

Arne Gabius ist bisher der Einzige mit Norm und wird sicher in Rio am Start stehen. Zudem gehe ich ja davon aus, dass ich die Norm erreiche, womit wir schon zwei wären. Ganz nah dran war Philipp Pflieger (2:12:50 Stunden.), der aufgrund der hohen Belastung und der nötigen langen Regeneration allerdings im Frühjahr keinen weiteren Versuch starten wird. Daneben gibt es noch einige andere Aspiranten, obwohl sie in den letzten Jahren auch eher geschwächelt haben. Allerdings hat die IAAF vor Kurzem die Normen in allen Laufbereichen noch etwas entschärft, und nun prüft der DLV, ob er seine auch anpassen kann.

Rio 2016 wären Ihre zweiten Olympischen Spiele. 2012 in London rannten Sie noch im Stadion über die Hindernisse. Was sind die bewegendsten Erinnerungen an die Spiele, und worauf freuen Sie sich im Hinblick auf Rio am meisten?

Die Olympischen Spiele sind das Größte für einen Sportler. Das spürt man erst so richtig, wenn man da ist. Das noch mal erleben, Teil dieses riesigen Sportevents sein, Athlet sein, mit vielen Gleichgesinnten bei Eröffnungs- und Abschlussfeier gemeinsam im Stadion stehen und die Wettkämpfe erleben, darauf freue ich mich. Außerdem waren die letzten Spiele ja quasi meine Inspiration zum Disziplinwechsel. Dort habe ich erlebt, wie jeder Läufer, der ins Ziel kam, sich freute, das Rennen absolviert zu haben, und von den Massen angefeuert und gefeiert wird. Wirklich jeder! Das möchte ich als Athlet selbst erleben und genießen.

Gibt es einen Plan B für den Fall, dass Ihnen die Olympia-Norm im Frühjahr nicht gelingt?

Nein, einen Plan B gibt es nicht. Ich bin einfach so zuversichtlich, dass ich das schaffe. Die Planung ist so sehr auf dieses Event ausgerichtet, dass ich mich mit dem Scheitern nicht befasse.

Zum Abschluss bitte noch ein Tipp für Hobbysportler, die sich fürs neue Jahr ihren ersten Marathon, Volkslauf oder allgemein ein sportlicheres Leben vorgenommen haben: Wie gelingt es, die Motivation auch an grauen Regentagen nicht zu verlieren?

Schaut euch Videos oder Fotos von den entsprechenden Events an. Das bringt jede Menge Motivation für das weitere Vorhaben und erleichtert den Weg zum nächsten Training.

Interview: Jennifer Zornig

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