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Tag 1 nach Niersbach: DFB will aufklären

Beckenbauer im Fokus Tag 1 nach Niersbach: DFB will aufklären

Wie geht es weiter mit dem DFB? Die neuen Führungskräfte versprechen eine konsequente Aufarbeitung aller Vorwürfe — auch der neuen. Diese könnten enorme Sprengkraft haben. Auch Franz Beckenbauer soll sich nicht mehr wegducken können.

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Wolfgang Niersbach erklärte am Montag seinen Rücktritt als DFB-Präsident.

Quelle: Daniel Roland/afp

Frankfurt/Main. Am Tag nach dem Rücktritt von Präsident Wolfgang Niersbach verspricht der Deutsche Fußball-Bund weiter eine konsequente Aufklärung der immer brisanteren Sommermärchen-Affäre. Angesichts neuer — auf mögliche Korruptionsversuche zumindest hindeutenden — Erkenntnisse rückt immer mehr Franz Beckenbauer als WM-Organisationschef 2006 ins Blickfeld.

„Wir haben die Bitte, dass er sich intensiver einbringt in die Aufklärung der Vorgänge“, sagte Interims-Präsident Rainer Koch, der gemeinsam mit Ligapräsident Reinhard Rauball vorläufig die DFB-Geschäfte in dessen größter Krise führen wird.

„Wir wollen uns nicht mehr auf die Frage des Verbleibs der 6,7 Millionen Euro beschränken, wir wollen uns intensiv mit der Frage beschäftigen, was ist bei der Vergabe der WM 2006 passiert?“, hatte Koch unmittelbar nach dem Rücktritts Niersbachs gesagt und damit Spekulationen über gravierende Verfehlungen der WM-Macher geschürt.

Vertragsentwurf gefunden

In diesen Zusammenhang passte ein Bericht der „Süddeutsche Zeitung“, laut dem bei den internen Ermittlungen im DFB ein Vertragsentwurf aus dem Jahr 2000 gefunden worden sei, der einem Mitglied der FIFA-Exekutive Vorteile versprochen haben könnte.

Wie die „SZ“ unter Berufung auf einen Insider weiter berichtete, steht der Ex-Spitzenfunktionär Jack Warner in Verdacht möglicher Nutznießer gewesen zu sein. Warner war ehemals Präsident des nord- und zentralamerikanischen und karibischen Fußballverbandes (CONCACAF) sowie bis 2011 auch Vizepräsident des Weltverbandes FIFA. Warner war im September lebenslang wegen Korruption gesperrt worden.

Franz Beckenbauer hatte gegenüber den DFB-Ermittlern der Wirtschaftskanzlei Freshfields ausgesagt. In einem Vier-Augen-Gespräch mit Niersbach soll es aber zu Dissonanzen zwischen den jahrzehntelangen Männerfreunden zum Umgang mit der Affäre gekommen sein.

Wer folgt auf Niersbach?

Angesichts der brisanten Lage rückte die Frage nach einem dauerhaften Nachfolger für Niersbach etwas in den Hintergrund. Koch und Rauball sind als Interimspräsidenten natürliche Kandidaten. Doch die Machtfrage im DFB könnte in den kommenden Wochen intensiv disktutiert werden. Auch Schatzmeister Reinhard Grindel werden Ambitionen nachgesagt. Oliver Bierhoff, als Teammanager der Weltmeister-Auswahl dem Profifußball zugewandt, fehlen wohl der unbedingte Wille und auch die Unterstützung der weiterhin mächtigen Amateurbasis.

Etwas überraschend wollen die neuen starken Männer im DFB ihre Aufgabenverteilung nicht unmittelbar in der Verbandszentrale besprechen, sondern hierfür die Nationalmannschaftsreise nach Paris von Donnerstag an nutzen. Rauball übernimmt für Niersbach die Delegationsleitung beim Auftritt des Weltmeisters beim EM-Gastgeber. Koch und Grindel sind in der französischen Hauptstadt ebenfalls vor Ort. Die Aufräumarbeiten in der DFB-Zentrale finden also zumindest in der zweiten Wochenhälfte ohne die neue Führungscrew statt.

Niersbach-Rücktritt beschäftigt Löw

Der Rücktritt von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach überlagert auch im Quartier der deutschen Fußball-Nationalmannschaft vorerst die Konzentration auf die bevorstehenden Länderspiele. Bundestrainer Joachim Löw hatte am Montagabend in München „sehr betroffen“ auf den Rückzug des Verbandschefs reagiert. Niersbach war ein größerer Förderer des DFB-Teams und auch als Delegationsleiter für die Reise zum ersten Testspiel in Frankreich vorgesehen.

„Er war für uns jederzeit ein hervorragender Ansprechpartner. Deswegen tut es mir persönlich sehr, sehr leid, dass er zurückgetreten ist“, sagte Löw. Trotzdem geht der Alltag weiter. Am Dienstagnachmittag wird der von Kapitän Bastian Schweinsteiger angeführte Kader erstmals auf dem Gelände des FC Bayern trainieren. Dabei will Löw die Spieler je nach Fitnesszustand belasten.

Der Leverkusener Christoph Kramer soll im Tagesverlauf als letzter Akteur verspätet eintreffen. Nach Angaben von Löw hatten die Ärzte nach einer „starken Grippe“ des Weltmeisters dazu geraten, dass Kramer mit einem Tag Verzögerung nach München kommt.

Der Bundestrainer sprach nach dem Treffpunkt seines Aufgebotes von einem „Spagat“, der in den Partien am Freitag in Paris und auch vier Tage später in Hannover gegen die Niederlande gelingen müsse. „Wir wollen uns natürlich in Frankreich gut verkaufen und versuchen, ein gutes Ergebnis zu machen“, sagte Löw zur reizvollen Aufgabe beim Gastgeber der Europameisterschaft im Sommer

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Kommentar

Es zeugt von Größe, im passenden Moment die Zeichen der Zeit zu erkennen und mit einem schmerzlichen Rücktritt Verantwortung zu übernehmen. Dies hat Wolfgang Niersbach gestern als DFB-Präsident getan, und das verdient Anerkennung.

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