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„Hohes Tempo heißt nicht hohe Qualität“

Uwe Seeler „Hohes Tempo heißt nicht hohe Qualität“

Uwe Seeler ist immer für seine Freunde da – für Gerd Hausotto und dessen TV-Talkshow „Lass mal schnacken!“ im Offenen Kanal (OK) Kiel. Am Rande der Sendungs-Aufzeichnung am Dienstag sprach die HSV-Fußball-Legende mit KN-online über das Älterwerden, Holstein Kiel und – natürlich – den HSV.

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Auf dem gelben OK-Sofa: Uwe Seeler.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Herr Seeler, wie geht es Ihnen?

Uwe Seeler: Nach meinem schweren Autounfall vor fünf Jahren geht es mir den Umständen entsprechend gut. Allerdings kann ich seitdem keinen Sport mehr treiben oder längere Stecken ohne Pause gehen.

Sie werden am 5. November 80 Jahre alt. Fürchten Sie sich schon ein bisschen vor dem Trubel, der Ihnen bevorsteht?

Naja, ich muss das im Vorfeld schon ein bisschen bremsen. Gefeiert wird wohl nicht im großen Rahmen, sondern im Familienkreis. Statt Geschenken wünsche ich mir Spenden für meine Stiftung zugunsten in Not geratener Menschen.

Ein Frage, die leider schon seit Jahren in keinem Interview mit Ihnen fehlen darf: Wir groß sind die Sorgen, die Sie sich um Ihren HSV machen?

Die sind seit vier Jahren sehr groß. Ich hoffe, dass der Klub den Klassenerhalt in diesem Jahr ohne Relegation schafft. Aber für die ein oder zwei Punkte, die noch fehlen, muss sich die Mannschaft schon anstrengen.

Könnte das schon am kommenden Sonntag in Dortmund gelingen, wo der HSV als Angstgegner gilt?

Das glaube ich nicht, das wäre eine Sensation. Aber Sensationen gibt es immer wieder mal.

Was läuft grundsätzlich falsch beim HSV?

Zu diesem Thema könnte man so viel sagen, aber das möchte ich gar nicht. Nur das: Im Grunde dümpelt der Verein seit zehn Jahren herum, und jetzt ist es furchtbar schwer, aus dieser Situation heraus zu kommen. Wenn man unten steht, dann bekommt man keine guten Spieler. Es gibt einen hohen Schuldenberg. Aber dennoch müssen die Verantwortlichen nun bei Verstärkungen eine glückliche Hand haben, andernfalls geht es nächste Saison so weiter wie bisher. Der HSV gehört einfach dauerhaft ins obere Drittel der Bundesliga.

Was sind, abgesehen von den ungleich höheren Geldumsätzen, die größten Unterschiede zwischen dem Profifußball zu Ihrer aktiven Zeit und heute?

Alles ist anders geworden. Angefangen von den Stadien, natürlich über das viele Geld bis hin zum gesteigertem Spieltempo. Aber eine höhere Handlungsgeschwindigkeit bedeutet nicht automatisch eine höhere Qualität.

Können Sie einem talentierten Jugendfußballer noch guten Gewissens empfehlen, eine Profi-Karriere anzustreben?

Das braucht man nicht zu empfehlen, das wollen die Jungs schon von allein, bei den heutigen Verdienstmöglichkeiten. Wer das Zeug dazu hat, soll auch versuchen, eine Profi-Laufbahn einzuschlagen. Wir brauchen ja guten Nachwuchs.

Verfolgen Sie auch die Dritte Liga mit Holstein Kiel?

Ich habe Holsteins Last-Minute-Scheitern im Relegations-Rückspiel im Juni bei 1860 München gesehen. Die Kieler haben das Spiel und den Gegner dominiert, nur fehlte ihnen meines Erachtens nach in der letzten Viertelstunde die notwendige Kondition. Aber eigentlich hatten sie den Aufstieg verdient. Jetzt muss der Klub eben in der kommenden Saison oben angreifen.

Erklären Sie uns zum Abschluss, in aller gebotenen Bescheidenheit natürlich, warum Sie im Volk so beliebt sind.

Das kann ich doch nicht sagen, ich weiß es nicht. Vielleicht weil ich ein stinknormaler Mensch bin, und das sehr gern.

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