17 ° / 15 ° Regenschauer

Navigation:
Einmal quer durchs Land

Vattenfall Cyclassics 2015 Einmal quer durchs Land

20 Teams, 160 Weltklasse-Profis – in Kiel startet am Sonntag Europas größtes Radrennen, und zwar spektakulär von der Stena-Fähre aus. Zu den Vattenfall Cyclassics werden zehntausende Fans erwartet. Obwohl kaum eine andere Disziplin so nachhaltig provoziert wie der Profi-Radsport.

Voriger Artikel
200 Polizisten bei den Cyclassics im Einsatz
Nächster Artikel
Förde frei für die Modelljacht-Regatta

Am Sonntag in Kiel: Erstmalig starten die Vattenfall Cyclassics in der Landeshauptstadt.

Quelle: Archiv 2014/ Vattenfall

Kiel. Glühende Fans und überzeugte Gegner stehen sich beim Profi-Radsport unversöhnlich gegenüber, dazwischen die große Zahl der Unentschiedenen, die sich der Faszination dieser Leibesübung nicht entziehen können, aber irgendwie ahnen, dass manche großartige Leistung auch eine dunkle Seite haben könnte: Doping.

Das ewige Spannungsfeld zwischen Begeisterung und Zweifel wird auch Bestandteil der Vattenfall Cyclassics sein, die erstmals nicht in Hamburg, sondern vom Kieler Schwedenkai starten. Zu Beginn der 20. Auflage rollen Weltklasse-Fahrer aus dem Bauch einer Stena-Fähre heraus, durchqueren Kiel, Ostholstein, Bad Segeberg bis in die Hansestadt. Ein Spektakel, das es in Schleswig-Holstein noch nicht gegeben hat. Und das – mehr als ein Randaspekt – die Olympia-Bewerberstädte Kiel und Hamburg verbindet.

Mit am Start: die deutschen Sprint-Asse André Greipel und Marcel Kittel (Text rechts unten) sowie Tony Martin, der tragische Held der Tour de France dieses Sommers, in seinem ersten Rennen nach dem schweren Sturz und Aus im Gelben Trikot. Die Erfolge der neuen deutschen Radsport-Generation haben bei vielen Sportfans neues Vertrauen wachsen lassen und auch neues Medieninteresse geweckt – die ARD war bei der Tour de France 2015 erstmals wieder live dabei.

Als unschuldiges Ereignis verkaufen die Veranstalter auch die Cyclassics, das ist bis zum Beweis des Gegenteils legitim. „Das Rennen kommt mit seinem Profil zwar in erster Linie den Sprintern entgegen, letztlich kann es aber von jedem großen Fahrer gewonnen werden“, betont Cyclassics-Rennleiter Roland Hofer den universellen Sport-Spannungsfaktor.

Doch Radsport ist mehr als Sieg oder Niederlage. Es sind auch die Qualen, wenn Fahrer mit 30 km/h einen Berg bezwingen, den normale Menschen schon zu Fuß als Zumutung empfinden. Es ist der Todesmut, wenn sie auf der anderen Seite des Gipfels mit 80 km/h zu Tal rasen, alles eingefangen von Motorrad-Kameras. Modernes Heldentum, hautnah. Doch der Preis ist hoch. Das systematische Doping begann bereits in den 1930er-Jahren, doch erst 1966 gab es vom Weltverband UCI verbindliche Anti-Doping-Bestimmungen. Sie verhinderten nicht, dass der Brite Tom Simpson 1967 unter Einfluss von Amphetaminen und Alkohol tot vom Rad fiel. Abschreckende Wirkung hatte die Tragödie nicht. Erst der Skandal um den Festina-Rennstall bei der Tour 1998 legte die Unwirksamkeit der damaligen Kontrollen offen.

Seitdem haben die Fahnder ihre Methoden verfeinert und durchaus Erfolge erzielt. Dennoch bleibt Doping ein strukturelles Problem im Radsport, zum steten Ärgernis der sauberen Fahrer, deren Zahl besonders in Deutschland gestiegen sein dürfte. Eine positive Entwicklung, die auch auf die 2007 enthüllte Affäre um das Team Telekom zurückzuführen ist. Es war ein Erdbeben, weil ausgerechnet der einzige deutsche Toursieger (1997) das Epizentrum bildete: Jan Ullrich. In der Siegerliste der Cyclassics sind drei Deutsche verewigt, von denen zwei (Ullrich/gewann 1997, Erik Zabel/2001) geständige Dopingsünder sind. Der Gewinner von 2013, John Degenkolb, steht dagegen für das saubere Radfahren.

„Natürlich gibt es auch heute noch Doping im Radsport, wir sind ja nicht naiv, aber der Weg, den die Sportart geht, ist richtig“, sagt Prof. Wilhelm Schänzer aus Köln, einer der renommiertesten Doping-Experten. Trotz neuer Betrugsmethoden habe er „momentan keine Hinweise, dass so massiv gedopt wird wie vor einigen Jahren“. Es bleibt dabei: Auch am Sonntag in Kiel muss jeder Betrachter selbst entscheiden, ob er an die neue Reinheit des Radsports glaubt, an Faszination ohne Reue, oder nicht.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Thomas Pfeiffer
Sportredaktion

Bei SmartBets findest du alle Wettquoten und Buchmacher der 1. Bundesliga.
Mehr zum Artikel
Radrennen startet in Kiel
Foto: Das Radrennen Cyclassics startet am Sonntag in Kiel.

Das Profi-Radrennen Vattenfall Cyclassics 2015 am Sonntag bedeutet für die Polizei einen landesweiten Einsatz. 200 Beamte und rund 500 ehrenamtliche Helfer sind entlang der 130 Kilometer langen Strecke im Einsatz.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Aktuelle Sport News 2/3