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Der Fall Martin D.

Veruntreuung beim SHFV Der Fall Martin D.

Nicht nur der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV), sondern zuvor auch der Landessportverband (LSV) sind von einem Buchhalter über einen Zeitraum von sechs Jahren um insgesamt mehr als eine halbe Million Euro geprellt worden.

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Eine harte Auseinandersetzung erwartet den SHFV am Sonnabend.

Quelle: Uwe Paesler (Archiv)

Kiel. So steht es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Kiel, die seit einem Jahr beim Kieler Landgericht eingereicht ist. Der Vorwurf: Untreue in 355 Fällen. Der Prozess vor der 7. Großen Strafkammer, die derzeit in Schleswig mit dem Mammutverfahren gegen eine Einbrecherbande beschäftigt ist, ist noch nicht eröffnet.

Der 35 Jahre alte Rendsburger Martin D. war nach Angaben der Staatsanwaltschaft von 2008 bis 2011 Buchhalter beim LSV und von 2011 bis 2014 Leiter der Buchhaltung im SHFV. Im Mai 2014 habe der Mann das Arbeitsverhältnis von sich aus beendet und Selbstanzeige erstattet. Der Grund dafür sei Verzweiflung gewesen, sagt Oberstaatsanwalt Axel Bieler. MartinD. sei glücksspielsüchtig gewesen und habe von seiner schweren Sucht wegkommen wollen. Tatsächlich habe er mittlerweile eine Therapie gemacht. Die Suchterkrankung stehe einer Schuldfähigkeit des Angeklagten aus Sicht der Staatsanwaltschaft nicht entgegen – und damit auch nichts einer Prozesseröffnung.

Angeklagt sind seit März 2015 genau 178 Einzelüberweisungen beim LSV und 177 beim SHFV. Sie hätten beim LSV ansteigend von 500 bis zu 2400 Euro, in einem Fall 5600 Euro betragen. Beim SHFV seien es 300 bis zu 5000 Euro gewesen. Gesamtschaden: gut 220000 Euro beim LSV, gut 286000 beim SHFV.

Eine leichte Tat?

Hätte die Veruntreuung von so viel Geld in den Verbänden und bei ihren Kassenprüfern auffallen müssen? „Wir haben das nach Durchsicht der Unterlagen jedenfalls feststellen können“, sagt Oberstaatsanwalt Bieler. Es seien dieselben Unterlagen, wie die Kassenprüfer sie gehabt hätten. Selbst bei stichprobenartiger Prüfung hätte man bei dieser Vielzahl von Fällen „einen Treffer landen müssen“, meint Bieler. Grundsätzlich weist der Jurist darauf hin, dass es für die rechtliche Bewertung ohne Belang sei, ob einem Täter seine Tat leicht gemacht worden ist. Eine Tat, wie sie D. vorgeworfen wird, sei mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren bedroht.

Die Details und die Größenordnung der Veruntreuung erhöhen den Druck auf die Führungsspitze des Fußballverbandes. „Das hätte doch auffallen müssen!“, heißt es wie berichtet immer öfter an der Basis der Fußballszene in Schleswig-Holstein. Akteure des Amateur- und Jugendfußballs wehren sich – wie berichtet – vielstimmig gegen Pläne der Verbandsspitze, das akute Finanzloch in Höhe von mindestens 250000 Euro mit Gebührenerhöhungen und Stützpunktstreichungen zu stopfen. Der Verband weist darauf hin, dass das aktuelle Haushaltsdefizit nichts mit der Veruntreuung zu tun habe, sondern unter anderem damit, dass der für gut drei Millionen Euro modernisierte Uwe-Seeler-Fußballpark in Malente nicht kostendeckend arbeite.

Kritik am Vorstand

Just dort tagt am Sonnabend der Beirat des SHFV. „Eine harte Auseinandersetzung“ erwartet der Kieler Kreisverbandsvorsitzende Kerem Bayrak. Kritische Fragen an den Vorstand könnte es etwa zu den BMW-Poolfahrzeugen oder zu Jahresbonuszahlungen für die drei hauptamtlichen Verbandsgeschäftsführer geben – und auch zum Personaletat des Verbandes. Er ist seit 2009 von 730000 Euro auf 1,25 Millionen Euro pro Jahr gestiegen. Das sind etwa 40 Prozent des Drei-Millionen-Euro-Haushalts.

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Ein Artikel von
Michael Kluth
Ressortleiter Sportredaktion

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