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Deutsche weit von Medaillenform entfernt

Vier-Nationen-Turnier Deutsche weit von Medaillenform entfernt

Zwei Wochen vor den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ist Handball-Europameister Deutschland noch auf der Suche nach der eigenen Medaillenform. Immerhin, Bundestrainer Dagur Sigurdsson zeigte sich nach dem 30:27 (13:11) gegen Ägypten besänftigt und sieht seine Mannschaft nun „auf einem guten Weg“.

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Als Regisseur glanzlos, als Torschütze mit aufsteigender Form: der Berliner Paul Drux (Mitte), hier gegen Ibrahim El-Masry.

Quelle: Marco Wolf

Straßburg. Während Kiels Keeper Andreas Wolff am Rande des Vier-Nationen-Turniers „EuroTournoi“ in Straßburg ganz klar den Olympiasieg als Ziel ausrief und seine Mitspieler mit kritischen Worten wachrüttelte, war in den beiden Partien am Freitag gegen Dänemark (19:25) und schließlich im Spiel um Platz drei am Sonntag gegen Ägypten längst noch nicht alles Gold, was glänzt. Immerhin, Bundestrainer Dagur Sigurdsson zeigte sich nach dem 30:27 (13:11) gegen den Afrika-Meister besänftigt und sieht seine Mannschaft nun „auf einem guten Weg“. Auch im Januar vor Beginn des „EM-Märchens“ habe man schließlich Rückschläge erlitten und gewusst: Es wird eng.

Mit einem Sieg verabschiedet sich Sigurdssons Mannschaft am Sonntag von der europäischen Handball-Bühne und weiß dennoch spielerisch kaum zu überzeugen. „Der Sieg war gut für das Selbstvertrauen“, sagt Rechtsaußen Tobias Reichmann anschließend. „Aber wir müssen noch mehr Fehler abstellen. Im Kopf bin ich noch nicht ganz auf dem Weg nach Rio.“ THW-Torwart Andreas Wolff, gegen Ägypten ohne Einsatzminute, sieht „erhebliches Verbesserungspotenzial“ und lässt den durch den EM-Titel gestiegenen Erwartungsdruck einfach links liegen: „Mir egal. Ich erwarte von mir, dass ich der Mannschaft in jedem Spiel mit guten Paraden und als emotionaler Rückhalt helfe. Frühform ist aber auch gefährlich. Wir tun gut daran, uns erst einmal auf die Basis zu konzentrieren, bevor wir in einen Weltklasse-Flow kommen.“

Weltklasse ist am Sonntag kaum zu sehen. Die fehlt auch, weil THW-Ass Steffen Weinhold im rechten Rückraum fehlt, der sich in Straßburg jedoch ebenso wie Mittelmann Steffen Fäth mit der Mannschaft warmmacht. Ein Hoffnungsschimmer: Wird der Bundestrainer den 30-jährigen Ersatzmann in Rio noch vor Beginn der Spiele an der Copacabana gegen Linkshänder Patrick Groetzki ins Team wechseln? Der deutschen Mannschaft fehlt – auch im Spiel gegen Ägypten – ohne Fäth und Weinhold die nötige Klasse im Rückraum. Paul Drux und Martin Strobel tun sich anfangs wieder schwer im Spielaufbau. Basierend auf einer „besseren Abwehr“ (Sigurdsson) setzt sich Deutschland dennoch vom 9:11 (23.) auf 13:11 zur Pause ab. Der Kieler Patrick Wiencek deckt zunächst an der Seite von Finn Lemke, später neben Hendrik Pekeler, macht seine Sache jeweils richtig gut, verschiebt, ackert, wirft sich nach dem Ball. So spielt ein echter Abwehrchef, Wiencek dürfte für den Innenblock in Rio gesetzt sein.

In dem erneut unter tropischen Temperaturen in der Straßburger Arena leidenden Match, in dem die deutsche Mannschaft in Gedenken an die Opfer des Amoklaufs von München mit schwarzem Trauerflor aufläuft, bleiben auch nach der Pause jede Menge Probleme. Probleme im Angriff mit der aggressiven, körperbetonten Deckung der Afrikaner, Probleme zwischen den Pfosten, wo an diesem Tag weder der Berliner Silvio Heinevetter noch der zum Ersatztorwart degradierte Europameister Carsten Lichtlein zu glänzen wissen. Während Christian Dissinger (Pferdekuss) ebenfalls geschont wird, avanciert Julius Kühn mit sechs Toren zu einem Lichtblick auf Halblinks. Kapitän Uwe Gensheimer („Wir haben einiges zu verbessern“) behält siebenmal vom Siebenmeterstrich die Nerven. Und mit zunehmender Spieldauer lassen auch Martin Strobel (Zug zum Tor, 4 Tore) und Tobias Reichmann (Wurfrepertoire, 4) erahnen, wo sie sein könnte – die Medaillenform.

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