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Windsurfer Vincent Langer aus Kiel auf Welttournee

Mit Karte Windsurfer Vincent Langer aus Kiel auf Welttournee

Wenn die Windsurfsaison Fahrt aufgenommen hat, tingelt Vincent Langer von Wettkampf zu Wettkampf. Die Bilanz der vergangenen elf Wochen: mehr als 32000 Kilometer, sechs Wettkämpfe, fünf Siege, zwei längere Trainingsblöcke, eine eingeschobene Uni-Veranstaltung – und die erfolgreiche WM-Titelverteidigung.

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Krönender Abschluss nach knapp zehn Wochen Welttournee: Vincent Langer hat im kroatischen Bol seinen Slalom-Weltmeistertitel verteidigt – und dabei sogar Zeit für ein Lächeln.

Quelle: hfr

Kiel. „Ich bin glücklich, dass ich es gemacht habe“, sagt der 29-Jährige und meint damit nicht zuletzt die vorletzte Etappe, die ihn ins südkoreanische Ulsan führte. 34 Stunden Anreise zum ersten Stopp des Windsurf-Weltcups in der Industriemetropole. Vom 11. bis 15. Mai surfte Langer auf Norderney, begab sich von dort aus direkt zum Hamburger Flughafen und auf den Weg nach Fernost. Es folgten: Flug nach Frankfurt, Langstreckenflug zum Flughafen Incheon nach Seoul, Zugfahrt zum Flughafen Gimpo, Inlandsflug nach Ulsan und Busfahrt zum Jinha Beach. „Hätte ich gewusst, dass das so ein Akt ist, wäre ich wohl nicht geflogen“, sagt Langer. Doch nachdem der von der Stiftung Kieler Sporthilfe geförderte Surfer 2015 alles außer dem Weltcup gewonnen hatte, war dieser Schritt logisch.

Auf dem Weg nach Asien hatte Langer nicht nur das Event auf Norderney in den Knochen: Der Ritt durch ganz Europa begann mit den Schweizer Meisterschaften im südfranzösischen Hyères und anschließenden Trainingstagen. Nach kurzem Zwischenstopp in Kiel, wo eine Universitätsveranstaltung auf den Lehramtsstudenten wartete, trainierte er am Gardasee. „In Kiel war es im April einfach zu kalt“, erklärt Langer. Anfang Mai kehrte er für drei Tage nach Kiel zurück, ehe er zum nächsten Wettkampf nach Sylt aufbrach. Mit dem zweiten Sieg im Gepäck ging es mit Zwischenstopp Kiel nach Norderney – und eben Korea. „Die Reisetasche war mein bester Freund. Zu Hause in Kiel hieß es immer nur: Alles in die Waschmaschine, Tasche neu packen, weiter“, beschreibt er. Und mit was ist der beste Freund gefüllt? „Zur Hälfte Klamotten, außerdem wichtige Dinge wie Finnen, die ich nicht ins Surfgepäck gebe. Und mein Kissen – nur darauf kann ich schlafen.“

Preisgeld am Flughafen wieder einkassiert

Die 11000 Kilometer weite Reise nach Korea machten außerdem drei Boards, sechs Masten und sechs Segel sowie diverse Gabeln mit. Auch eine Frage des Geldes. „Der Flug kostete 700 Euro, das war ok. Für das Gepäck kamen pro Strecke nochmal 400 Euro drauf, dann noch 200 Euro Startgeld, dazu Hotel und Verpflegung. Alles in allem mehr als 2000 Euro“, rechnet Langer vor. In Korea wartete die Surferelite dann auch noch fünf Tage auf Wind. Als der dann endlich kam, tat er es schräg auflandig von links – denkbar ungünstig, denn links von Jinha Beach befindet sich die größte Werft der Welt, der koreanische Global Player Hyundai lässt hier alle elf Tage ein Containerschiff vom Stapel laufen. „Dadurch kam der ganze Dreck in unser Regattagebiet, Holzbohlen, Rettungsinseln, Müll ohne Ende“, erklärt Langer. Nach nur einem Rennen war der Weltcup beendet, Langer wurde 21., „völlig in Ordnung“, sagt er. Dafür gab es 400 Euro Preisgeld, die am Flughafen wegen Übergepäcks gleich wieder einkassiert wurden.

Nicht nur finanziell war die Reise ein schwieriges Unterfangen, nach der Rückkehr aus Korea wurde der 29-Jährige von Magenkrämpfen geplagt, sein Körper rebellierte gegen Stress, ungewohntes Essen und den Jetlag. „In Grömitz ging es mir echt miserabel“, sagt Langer, der auf dem Rückflug noch Pech mit seinem Sitznachbarn hatte: „Neben mir saß der koreanische Meister im Kanufahren, der zur WM nach Portugal geflogen ist – 1,98 Meter, tierisch breite Schultern“, erklärt er lachend. In Kiel war der Tank leer. „Ich war völlig kraftlos, konnte aber nicht schlafen. So schlimm war es noch nie“, beschreibt Langer.

Alle Events waren richtig

Nach vier Tagen in Kiel ging es weiter – mit dem Auto gut 1900 Kilometer zur Slalom-WM nach Kroatien. „Da herrschten unglaubliche Bedingungen, tiefblaues Wasser, wir konnten in Badehose surfen“, schwärmt er von dem „geilen Event“. Und am Ende konnte der Kieler seinen WM-Titel aus dem letzten Jahr sogar verteidigen, trotz der Anstrengungen der vorherigen Wochen. „Es war auf jeden Fall richtig, die ganzen Events mitzunehmen“, sagt er. „Ohne die wäre es bei der WM wohl nicht so perfekt gelaufen.“

Nun hat Langer zwei Wochen Pause, dann geht es mit Volldampf weiter. „Ich bin so motiviert wie nie. Je älter man wird, desto mehr lernt man Sachen zu schätzen. Ich merke, dass das, was ich tue, ein echtes Privileg ist“, sagt er. Früher brachte er als Erinnerung von allen Stränden Sand mit, schrieb Postkarten an seine Mutter. Das macht er nicht mehr, „aber ich nehme so viel mit. Die Leute, die ich treffe, die Länder, die ich kennenlerne“, schwärmt er. Und die Reisetasche. „Da hängen echt Emotionen dran. Aber ich brauche bald mal eine neue.“

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Ein Artikel von
Niklas Schomburg
Sportredaktion

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