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Kehrmann rettete den TBV Lemgo

Vor der Partie beim THW Kiel Kehrmann rettete den TBV Lemgo

Louis Pasteur hat mit Handball vermutlich nichts am Hut gehabt. Dennoch gebührt dem französischen Chemiker und Mikrobiologen 120 Jahre nach seinem Tod auch ein kleiner Anteil am Klassenerhalt von Handball-Bundesligist TBV Lemgo.

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Trainer Florian Kehrmann (li.) im Gespräch mit Nationalspieler Fynn Lemke, der als einer von acht Spielern heute zum letzten Mal für den TBV Lemgo spielen wird.

Quelle: Hagemann

Lemgo. „Der Wille öffnet die Türen zum Erfolg.“ Es war genau dieser schlaue Satz von Louis Pasteur, den Florian Kehrmann auf der Fahrt nach Flensburg gut lesbar an der Innenseite der Windschutzscheibe des Mannschaftsbusses angebracht hatte. Beim Ein- und Aussteigen fielen die Blicke der Spieler automatisch auf den zusätzlichen Motivationskick. Und tatsächlich war die Willensstärke anschließend so groß, dass dem TBV auf dem Flensburger Campus mit dem 24:24 der Durchbruch zum Klassenerhalt gelang.

 Doch Kehrmann setzte mitten im knallharten Abstiegskampf nicht nur auf kluge Sprüche. Vor den restlichen vier Bundesligapartien versammelte er seine Jungs in Travemünde zu einem besonderen Teambuilding auf der Ostsee. Die Segeltörns auf den High-Speed-Katamaranen der Ex-Weltmeister Helge und Christian Sach bescherten dem TBV Lemgo im Endspurt so viel Rückenwind, dass die Anfang Dezember angesichts von kläglichen 6:28 Punkten noch absaufende Hanse-Kogge am Ende der 32. Erstligasaison doch noch sicher im Hafen anlegte. Gehörigen Anteil an der Rettung hat der einstige Steuermann Kehrmann, der sich innerhalb kürzester Zeit zu einem veritablen Kapitän entwickelte. Nach 15 Jahren als Rechtsaußen beim TBV Lemgo berief ihn Trainer Niels Pfannenschmidt vor der Saison zu seinem Assistenten. Die Saison startete mit einem Hammer. Der 27:21-Sensationssieg über den THW Kiel erwies sich aber schon bald als große Bürde. Enormes Verletzungspech, ein unglücklicher Spielplan und fünf Ein-Tore-Niederlagen führten dazu, dass der TBV zwischenzeitlich auf den letzten Platz abrutschte. Am 12. Dezember, zwei Tag nach dem 24:25 in Friesenheim, zog der Verein die Reißleine. Pfannenschmidt wurde beurlaubt und Kehrmann rückte auf. „Ein Mann mit seiner Vita weiß, wie man Spiele gewinnt“, sagt Jörg Zereike. „,Flo’ hat den Spielern die Siegermentalität zurückgebracht sowie das Bewusstsein, nach Niederlagen nicht den Kopf hängen zu lassen. 21 Punkte unter seiner Regie sprechen für sich“, ist dem TBV-Geschäftsführer nach dem 45:26 über den HSV, dem höchsten Lemgoer Sieg in der 32-jährigen Bundesligageschichte, ein großer Stein vom Herzen gefallen.

 Überhaupt Hamburg. In der o2-World saß Florian Kehrmann Mitte Dezember erstmals alleinverantwortlich auf der Bank. Mit dem 32:28-Sieg kehrte die Hoffnung zurück. „Dass der HSV die Mannschaft ist, mit der am 14. Dezember die Story begonnen hat und mit der sie jetzt beendet wird, mag Zufall sein. Vielleicht ist es aber auch Schicksal“, zeigte sich Kehrmann am vergangenen Sonntag „mitgenommen vom vergangenen halben Jahr“. Bei der Verabschiedung von acht scheidenden Spielern wirkte der TBV-Coach sentimental. Doch feucht wurde ihm nicht nur rund um die Augen. Timm Schneider machte seinen Trainer, der im vergangenen Jahr noch sein Kollege war, mit Mineralwasser und Bier nass.

 Im All Inn, einer kleinen Lemgoer Cocktailbar, spielte Louis Pasteur bei der spontanen Klassenerhaltsfete übrigens keine Rolle mehr. Statt dessen feierten Kehrmann & Co. mit Lotto King Karl: „Hamburg, meine Perle“. Von Jörg Hagemann

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KN-online (Kieler Nachrichten)

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