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Störche weiter im Sturzflug

0:2 bei Preußen Münster Störche weiter im Sturzflug

Holstein Kiel verliert auch die dritte Partie in Serie in der Dritten Fußballliga. Beim 0:2 (0:2) gegen Preußen Münster schaffte es die Mannschaft von Trainer Karsten Neitzel nicht, Chancen herauszuspielen, um den frühen Rückstand noch zu drehen.

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Holstein Kiels Cheftrainer Karsten Neitzel steht laut Geschäftsführer Wolfgang Schwenke auch nach der 0:2-Niederlage in Münster nicht zur Diskussion.

Quelle: Uwe Paesler (Archiv)

Münster. Und wöchentlich grüßt das Murmeltier! Fußball-Drittligist Holstein Kiel genießt das Plus im Ballbesitz und das optische Übergewicht, die Gegner bejubeln die Punktgewinne. Mit 0:2 (0:2) unterlagen vorne unprofessionell verspielte und hinten fehlerhafte Störche bei allenfalls biederen Preußen aus Münster. Die dritte Niederlage in Folge, der Sturzflug auf den vorletzten Tabellenplatz könnten bei den im Angriff harmlosen Störchen abseits der Rasenfläche einen Sturm entfachen, dessen Folgen nicht absehbar sind.

Verspäteter Anpfiff in der Herbstsonne

Während die leuchtende Herbstsonne sich mühte, dem frostigen Kieler Abstiegsgespenst zu trotzen und Leib und Seele erwärmte, glichen die Rahmenbindungen denen der großen Fußball-Bühne. Auf dem Osnabrücker Bahnhof wurden, so die Informationen vor dem Anstoß, einige der insgesamt rund 400 Kieler Schlachtenbummler von Dortmunder Ultras auf ihrem Weg nach Bremen angegriffen. Im Münsteraner Preußenstadion verspätete sich derweil der Anpfiff um 15 Minuten. Grund: Durch die Sperrung der Blöcke M und N, dort hatten die westfälischen Hardcore-Anhänger kürzlich gegen Rostock ein Pyro-Feuerwerk gezündet, mussten die Zuschauer auf die restlichen Stehränge verteilt werden. Ein Andrang, der Zeit kostete.

Und so fand der vereinslose Ex-Storch und Ex-Münsteraner Michael Holt sogar noch Muße für ein entspanntes Orakel: „Heute werden die preußischen Adler gerupft.“ Eine Mission, die ohne Dominik Schmidt ablief. Der zuletzt formschwache Ex-Münsteraner stand nicht im Störche-Kader. Offizielle Begründung: Verletzung im Abschlusstraining.

Stoische Dominanz der Störche

Ob der ehemalige Torjäger Holt zu den Wettkönigen dieser Republik zählt, ist unbekannt. An diesem Sonnabend allerdings lag er mit seiner Einschätzung daneben. Zunächst dominierten die Kieler die ersten 25 Minuten, schoben sich die Kugel in der eigenen Hälfte mit stoischer Ruhe hin und her, suchten ihr Heil dann im Tempowechsel oder mit unbrauchbaren Klein-Klein-Aktionen oder unpräzisen Steilpässen.

Und der Gastgeber? Der hatte seinen eigenen Hoheitsbereich mit einem dichten Riegel abgesperrt, signalisierte nur ausgesprochen bedingtes Interesse an eigenem Spielaufbau, sondern lauerte nur auf Konter. Motto: Der erste Kieler Fehler kommt bestimmt.

Dieser, ein missratener Abstoß von Torwart Robin Zentner, blieb noch ohne Folgen. Doch nach dem ersten Preußen-Eckball von Amaury Bischoff passierte es. Weder Tim Siedschlag noch Manuel Schäffler störten den aufgerückten Innenverteidiger Marco Pischorn entscheidend, der Abwehrrecke köpfte zur Münsteraner Führung (28.) ein.

Patzer Nummer zwei folgte neun Minuten später. Nach Pass von Bischoff landete der Ball bei Marcel Reichwein, Bewacher Rafael Czichos hielt über Gebühr Abstand, der Westfalen-Knipser drehte sich am Holstein-Strafraum in gemächlichem Tempo und zog die Kugel platziert, aber keineswegs scharf ab. Der auf der Torlinie stehende Zentner reagierte spät, tauchte dann im Stil einer Bahnschranke ab – 2:0 für die Adler (37.).

Geschockte Kieler starben in Schönheit

Drei (!) zügige Angriffe in einer insgesamt müden ersten Halbzeit reichten aus, um die Kieler zu schockieren. Auch deshalb, weil deren wenig handlungsschnelle Offensive einmal mehr in Schönheit starb und keine Drittliga-Zielstrebigkeit an den Tag legte. Pech hatte Schäffler, dass nach einem Rempler von Marc Heitmeier der mögliche Elfmeterpfiff ausgeblieben war (25.). Marc Heider (42.) kam nach einer Flanke von Steven Lewerenz einen Schritt zu spät. Das Pausen-Ergebnis bestätigte zudem die Liga-Statistik der ersten 45 Minuten, wonach die Störche auf Abstiegsrang 19 liegen.

Direkt nach Wiederbeginn entdeckte der Gastgeber kurzzeitig die Lust am eigenen Angriff. Benjamin Schwarz (47.) verpasste ebenso das 3:0 wie in der Schlussphase Björn Kopplin (87.) und Cihan Özkara (88.). Und die Störche? Die bewiesen Moral, ließen sich nicht hängen, kreierten aber bis auf einen Kopfball von Denis-Danso Weidlich (78.) nicht eine einzige nennenswerte Szene vor dem Preußen-Tor. Die Besorgnis erregende Zustandsbeschreibung eines in den Mannschaftsteilen mehr und mehr auseinander driften Ensembles: Sie waren stets bemüht!

Zutiefst frustriert konstatierte Holstein-Kapitän Maik Kegel: „Dieses Spiel spiegelt die gesamte Saison wider. Wir liegen 0:2 zur Pause hinten – und wissen nicht, warum.“ Der Kaufmännische Geschäftsführer Wolfgang Schwenke pflichtete Kegel bei und trat einer aufkommenden Trainerdiskussion massiv entgegen: „Münster macht aus zwei Chancen zwei Tore. Wir sind vorne einfach zu harmlos. Ein Trainerwechsel steht bei uns überhaupt nicht zur Diskussion.“     

Preußen Münster: Lomb – Kopplin, Pischorn, Heitmeier (84. Philipps), Felix Müller – Wiebe, Bischoff, Schwarz – Hoffmann (86. Özkara), Reichwein (68. Krohne), Kara.

Holstein Kiel: Zentner – Herrmann, Weidlich (79. Wirlmann), Czichos, Kohlmann – Siedschlag, Kegel – Lewerenz, Schnellhardt – Schäffler (46. Sane), Heider (71. Janzer).

Schiedsrichter: Steffen Mix (Abtswind/Bayern) – Tore: 1:0 Pischorn (28.), 2:0 Reichwein (37.) – Zuschauer: 7189 – Gelbe Karten: Krohne/Kegel, Weidlich.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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Foto: Als am 24. August 2013 aus Holstein-Profis „Förde-Brasilianer“ wurden: Nach Vorlage von Marc Heider (vorne) trifft Tim Siedschlag (2. v. li.) per Hacke zum 3:0 in Münster. Das erste von bislang vier Drittliga-Duellen zwischen preußischen Adlern und Kieler Störchen.

Drei Siege, ein Unentschieden lautet die Bilanz des Drittligisten Holstein Kiel gegen Preußen Münster in den vier Partien seit dem Wiederaufstieg der Störche in die Premium-Liga des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 2013. Heute (14 Uhr) sind die westfälischen Adler Gastgeber des fünften Duells der Traditionsklubs.

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