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Holstein-Frust statt neuer Lust

KSV - Würzburg 1:2 Holstein-Frust statt neuer Lust

Brutaler Rückschlag statt des nach zwei Siegen in Serie zuvor erhofften Höhenfluges: Nach der verdienten 1:2 (1:1)-Heimniederlage gegen Aufsteiger Würzburger Kickers blickt der erschreckend inkonstante Fußball-Drittligist Holstein Kiel seit Sonnabend wieder voller Furcht in Richtung Abstiegsränge.

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Die pure blaue Enttäuschung: Rafael Czichos, Denis Danso Weidlich und Patrick Kohlmorgen (v. re.) lassen nach der 1:2-Niederlage die Köpfe hängen.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Doch es war beileibe nicht das Ergebnis allein, das Sorgen im Übermaß auslöste. Vielmehr beschrieb das Treiben speziell in der zweiten Halbzeit einen neuen sportlichen Tiefstand. Dass die kecken, in einem 4-4-2-System mit engmaschiger Mittelfeld-Raute agierenden, gut organisierten, lauf- und zweikampfstarken, schnell umschaltenden und in der Offensive mit Nejmeddin Daghfous und Amir Shapourzadeh überdurchschnittlich besetzten Unterfranken nicht schon zu einem früheren Zeitpunkt die Weichen deutlicher auf Sieg gestellt hatten, lag einzig und allein an ihrem zentralen Manko, der Chancenverwertung.

 Dann aber kam die 74. Minute. Holsteins 1:0-Führung nach einem Freistoß von Fabian Schnellhardt (19.), den Kickers-Verteidiger Peter Kurzweg per verunglückter Kopfballabwehr unhaltbar für seinen 38-jährigen Torwart-Oldie Robert Wulnikowski in die eigenen Maschen abgefälscht hatte, gehörte lange der Vergangenheit an. Der fünfte, von Daghfous getretene Kickers-Eckball flog hoch und weit auf den zweiten Pfosten. Dort lauerte Würzburgs Top-Joker Adam Jabiri. „Jabiri, Jabiri“, schrie der wild mit den Armen fuchtelnde KSV-Assistenztrainer Jan Sandmann – Böses ahnend – vom Seitenrand. Alarmsignale, die bei Denis-Danso Weidlich auf taube Ohren stießen.

Foto: Holsteins Denis Danso Weidlich (v. re.) stemmt sich gegen das Würzburger Offensivaufgebot mit Fennell, Schoppenhauer und Kurzweg.

Das sind die Fotos vom Heimspiel der KSV Holstein gegen die Würzburger Kickers.

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 Schon das 1:1 der Gäste durch einen 16-m-Winkeltreffer von Daghfous (29.) hatte der Kieler Innenverteidiger durch die Fehleinschätzung eines Steilpasses und untaugliches Zweikampfverhalten gegen den Vorlagengeber Shapourzadeh maßgeblich begünstigt. Jetzt ließ auch er Jabiri vier Meter vor dem eigenen Gehäuse unbeaufsichtigt. Der nutzte die Gunst der Sekunde per Kopf zum Siegtor. Dies war auch deshalb vergleichsweise simpel, weil KSV-Torwart Niklas Jakusch, 120 Sekunden zuvor noch Retter in höchster Not gegen Jabiri, zu allem Überfluss stumpf unter der Eckball-Flanke durchgesegelt war.

 Zutiefst desillusioniert rätselte Störche-Cheftrainer Karsten Neitzel: „Mit der ersten Halbzeit konnte man zumindest teilweise einverstanden sein. Danach ist uns das Spiel völlig von der Hand gegangen. Beim Spiel gegen den Ball fehlte die Überzeugung. Bei eigenem Ballbesitz haben wir entschieden zu kompliziert agiert. Drei bis vier Spieler hatten keine gute Tagesform, bei ein bis zwei Spielern zieht sich das aber schon länger hin.“ Und dann folgten zwei Feststellungen des Kieler Fußball-Lehrers, die den sowohl von individuellen als auch kollektiven Fehlern geprägten, mut- und harmlosen Auftritt der Blau-Weiß-Roten, die während der gesamten Partie außer zweier Schüsse von Patrick Herrmann (2., 47.) nicht eine echte Torchance kreieren konnten, dramatisch treffsicher auf den Punkt brachten: „Wie das das 1:2 gefallen ist, war unfassbar. Insgesamt waren die 90 Minuten von uns nicht ausreichend, um in dieser Dritten Liga Spiele zu gewinnen.“

 Dass Rafael Czichos beim Hinrunden-Abschluss in Erfurt am kommenden Sonnabend wegen Gelbsperre ausfällt, macht die brisante Gemengelage wahrlich nicht einfacher. Dem neuen Sportlichen Leiter, die Suche nach dem Heskamp-Nachfolger soll nach nicht bestätigten Informationen dieser Zeitung kurz vor dem erfolgreichen Abschluss stehen, darf sich auf stürmische Zeiten einrichten. Arbeitstitel: „Die große Flatter bei den Störchen!“

Holstein Kiel – Würzburger Kickers 1:2 (1:1)        

Holstein Kiel: Jakusch – Herrmann, Weidlich, Czichos, Kohlmann – Siedschlag – Lewerenz (82. Schmidt), Kegel, Schnellhardt, Janzer (60. Heider) – Sane (60. Schäffler).

Würzburger Kickers: Wulnikowski – Billick, Weil, Schoppenhauer, Kurzweg – Karsanidis (90. Weißenberger),  Fennell, Daghfous, Benatelli – Nagy (64. Jabiri), Shapourzadeh (84. Haller).

Schiedsrichter: Thorben Siewer (Drolshagen) – Tore: 1:0 Kurzweg (19./Eigentor), 1:1 Daghfous (29.), 1:2 Jabiri (74.) – Zuschauer: 4807 – Gelbe Karten: Czichos (5./im nächsten Spiel in Erfurt gesperrt), Siedschlag, Lewerenz, Herrmann/Fennell – Besonderes Vorkommnis: Tribünenverweis für Kickers-Coach Hollerbach (90.) wegen Meckerns. 

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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Holstein Kiel gegen Würzburger Kickers
Foto: Schneller Antritt, feine Technik: Der 1,76 Meter große Mittelfeldspieler Steven Lewerenz (li.), hier im Duell mit Halle-Torwart Lukas Königshofer, hat im Trikot der Störche mit bislang vier Treffern und fünf Torvorlagen überzeugt.

In der Vorsaison war Steven Lewerenz bester Vorlagengeber der Würzburger Kickers, hatte maßgeblichen Anteil am Aufstieg der Unterfranken in die Dritte Fußball-Liga. Am Sonnabend (14 Uhr) geht der 24-Jährige im Trikot von Holstein Kiel auf Erfolgsjagd. Mit vier Treffern und fünf Torvorlagen als Top-Scorer der Störche.

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