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Ein Abpfiff als Erlösung

Holstein Kiel Ein Abpfiff als Erlösung

Nie zuvor seit dem Wiederaufstieg in die Dritte Liga 2013 nahmen die Fußball-Profis von Holstein Kiel eine Niederlage derart gelassen wie an diesem Sonnabend. Sicher, verlieren wollte keiner der Störche zum Abschluss der regulären Saison, der Generalprobe vor den Aufstiegs-Playoffs zur Zweiten Bundesliga.

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Nie zuvor seit dem Wiederaufstieg in die Dritte Liga 2013 nahmen die Fußball-Profis von Holstein Kiel eine Niederlage derart gelassen wie an diesem Sonnabend.

Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa

Kiel. Und doch verrieten Mienen und Worte der Kieler Protagonisten nach dem ebenso gerechten wie für das Tabellenbild bedeutungslosen 0:2 (0:1) vor heimischer Kulisse gegen die Stuttgarter Kickers auch ein gewaltiges Stück Erleichterung.

Endlich vorbei die Zeit des Wartens. Endlich Zeit für die uneingeschränkte Fokussierung auf den ultimativen Saisonhöhepunkt, die Relegationsduelle am 29. Mai im ausverkauften Holsteinstadion und auswärts am 2. Juni. Kurzzeitige Ernüchterung herrschte allenfalls beim Holstein-Anhang unter den 9167 Zuschauern. Doch selbst der schrie sich den spontanen Frust über die erste Heimniederlage seit dem 13. Dezember, der zweiten Schlappe in Folge nach zuvor 15 ungeschlagenen Partien in Serie aus den Kehlen. Mit dem Förde-Gassenhauer „Nur Holstein Kiel …“ verabschiedeten die Fans ihre Helden. Ein stimmgewaltiger Schlachtengesang, der Kapitän Rafael Kazior und Co. signalisieren sollte: „Wir glauben an euch, felsenfest!“

Vereint waren Spieler und Zuschauer in der Spannung ob der Entscheidung am Sonntagnachmittag in der Zweiten Liga. Wer wird Drittletzter im Unterhaus, welcher Klub stellt sich den Störchen bei der Realisierung des Traumes von der Rückkehr in Liga zwei nach 34 Jahren in den Weg? Gegen 17.20 werden Fakten geschaffen sein.

Auch Cheftrainer Karsten Neitzel lächelte die verpatzte Generalprobe gegen bärenstarke Schwaben mit einer für ihn durchaus ungewöhnlichen Entspannungshaltung weg. Natürlich „schmecke niemandem dieses 0:2“, sagte der 47-Jährige: „Sowohl am gegnerischen als auch an unserem Strafraum haben heute die letzte Präzision, die letzte Konzentration gefehlt. Doch ich bin zuversichtlich, dass wir am Freitag  den einen oder anderen Wackler verhindern können. Wir werden versuchen, mit allem, was wir haben, auf den vorbei fahrenden Zweitligazug aufzuspringen.“ Neitzels Augen blinzelten bei diesen Worten. Hat der Erfolgscoach bereits eine spezielle List für den Fußball-D-Day im strategischen Köcher?

Der Trainerstab sei auf alle möglichen Gegner vorbereitet. Neben der Live-Spionage in den sechs Stadien, in denen die potenziellen Kontrahenten Aue, FSV Frankfurt, 1860 München, St. Pauli, Greuther Fürth und Sandhausen am Nachmittag  um die Klassenzugehörigkeit kämpfen, sollen bereits bearbeitete, detaillierte Video-Zusammenschnitte der Noch-Zweitligisten für eine optimale Vorbereitung sorgen. Einen Wunsch-Gegner benannte Neitzel natürlich nicht. Nur so viel ließ er sich entlocken: „Der FC St. Pauli, das wäre vielleicht nicht so gut.“

Äußerst ehrgeizige und spielstarke Stuttgarter hatten zuvor den Kielern nicht nur bei ihren Toren durch Randy Edwini-Bonsu (39.) und Bentley Bexter Bahn (49.) schonungslos dokumentiert, dass 99 Prozent Leistungsvermögen im Störche-Kollektiv in Duellen auf Augenhöhe halt nicht reichen. Der Wille war bei den Nordlichtern vorhanden, der Kopf indes in zahlreichen Situation auf dem Rasen schon auf den kommenden Freitag gerichtet. Ob des nicht mehr zu nehmenden Relegations-Ranges drei als tabellarischer Beweis eines überragenden Spieljahres der Kieler fehlte der letzte Druck auf dem Kessel – prominente Beispiele wie Bayern München oder Mönchengladbach lassen grüßen. Auch für den internen Top-Torjäger Marc Heider war die Niederlage ein Betriebsunfall der untergeordneten Kategorie: „Diese Niederlage gibt keinen Knacks. Alle sind positiv gestimmt. Wir haben schon jetzt Großes erreicht und können noch Größeres schaffen.“ Rechtsverteidiger Patrick Herrmann sprach von einer „geilen Saison mit einem mega-geilen Bonus“. Kickers-Trainer Horst Steffen pries die Stärke der Kieler und gab ihnen mit auf den Weg: „Ihr steht zu recht dort oben in der Tabelle. Jetzt gebt in der Relegation noch einmal richtig Gas. Vertretet die Dritte Liga würdig.“

Vorbei die Zeit der beeindruckenden Kieler Statistiken. Sie zählen fortan nur noch für das eigene Selbstvertrauen. Vorbei die Zeit des Wartens, jetzt zählen nur noch Taten. Das Schlusswort an diesem Sonnabend, dem 23. Mai 2015, gebührte dem Kaufmännischen Geschäftsführer Wolfgang Schwenke: „Keiner verletzt, keiner fehlt am Freitag wegen Gelbsperre. Das ist heute das Wichtigste.“

Schema: Holstein Kiel: Kronholm – Herrmann, Krause, Wahl, Kohlmann – Siedschlag, Kegel (74. Wirlmann), Vendelbo, Kazior – Schäffler (63. Sane), Heider (82. Lindner).

Stuttgarter Kickers: Müller – Leutenecker, Starostzik, Gaiser, Gerster – Kaiser, Marchese, Halimi – Bexter Bahn (82. Ivan), Edwini-Bonsu (86. Lang), Engelbrecht (79. Fischer).

Schiedsrichter: Thorben Siewer (Drolshagen) – Tore: 0:1 Edwini-Bonsu (39.), 0:2 Bexter Bahn (49.) – Zuschauer: 9167 – Gelbe Karten: Herrmann, Kazior/Halimi.

Wer der Holstein-Gegner in den Aufstiegs-Playoffs wird, bei KN-online erfahren Sie es am Sonntag ab 17.20 Uhr. Mit ersten Reaktionen und einem Kurz-Porträt des Kontrahenten. Und ab Dienstag startet die Video-Kampagne: „Der Fußballthriller – Feuer und Flamme für Holstein Kiel“. Dann haben ganz spezielle Störche-Fans das Wort.

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