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Holstein Kiel bleibt auf Platz 2

1:1 in Großaspach Holstein Kiel bleibt auf Platz 2

Die zweiwöchige Länderspiel-Pause hat Holstein Kiel in der Dritten Fußball-Liga nicht gut getan. Nach dem 1:1 (1:1) bei der SG Sonnenhof-Großaspach war die Freude bei den abstiegsgefährdeten Gastgebern deutlich größer als bei den aber weiter zweitplatzierten Störchen.

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Kai Gehring (Großaspach) stoppt den Offensivdrang von Manuel Schäffler (Holstein Kiel) auf rustikale Weise.

Quelle: Matthias Hermann

Aspach. Die Kieler Blitzführung durch Marc Heiders zehnten Saisontreffer zum 1:0 (2.) brachte der KSV nicht den erhofften Rückenwind bei den aufopferungsvoll kämpfenden Schwaben.

Es war nicht der Umstand, nicht den achten Sieg in Folge eingefahren zu haben, der bei Karsten Neitzel „gemischte Gefühle“ ausgelöst hatte. Sorgen bereitete dem Holstein-Trainer vielmehr der Auftritt seines Personals nach der 15. Spielminute. Bis zum Halbzeitpfiff verloren die Holsteiner komplett den Zugriff auf das Spiel und hätten sich angesichts vieler brenzliger Situationen vor dem eigenen Tor über einen Rückstand zum Pausentee nicht beschweren dürfen. „Wenn man das Spiel sieht, muss man mit dem Punkt zufrieden sein“, kommentierte der KSV-Coach das elfte Unentschieden seiner Remis-Könige. „Es ist aber auch nichts kaputt gegangen. Wir haben jetzt 56 Punkte, und das ist eine ganze Menge.“

Als „Überflieger“ waren die Störche im beschaulichen Aspach angekündigt worden. Dort, wo sie am vierten Spieltag gegen den VfB Stuttgart II ihre erste Saisonniederlage kassiert hatten und wo sie nun acht Monate später nur von den wenigsten als Tabellenzweiter zurückerwartet worden waren. Doch die Gäste wurden ihrem derzeitigen Ruf als Mannschaft der Stunde zunächst gerecht. Keine 120 Sekunden waren gespielt, als das Kieler Pressing den ersten erfolgreichen Nadelstich gesetzt hatte.

Mikkel Vendelbo hatte sich einen zuvor verlorenen Ball vorbildlich zurückerkämpft und das Leder zu Manuel Schäffler gespitzelt. Der anschließende Pass des Ex-Ingolstädters landete beim Tim Siedschlag, dessen Flanke der völlig blank stehende Marc Heider unbedrängt mit der Hüfte zum 1:0 für Holstein versenkte. Siedschlags 13. Assist und Heiders zehnter Saisontreffer warfen die Planungen der zuletzt wieder erstarkten Aspacher im Abstiegskampf erst einmal komplett über den Haufen.

Wer unter den 200 mitgereisten Kieler Fans nun auf ein beschauliches Holstein-Osterschaulaufen gegen einen demoralisierten Gegner gehofft hatte, sah sich schnell eines Besseren belehrt. Dauerregen bei 6 Grad Celcius hatte den Rasen in der Aspacher Mechatronik-Arena über Nacht in einen Matsch-Acker verwandelt, auf dem Holstein nach einer Viertelstunde unverständlicherweise das Kommando abgab und sich in den Zweikämpfen immer mehr den Schneid abkaufen ließ. Ungenauigkeiten auf dem tiefen Geläuf und vor allem Nervosität schlichen sich in die Kieler Aktionen ein. Vor dem Tor von KSV-Torwart Kenneth Kronholm brannte es mitunter lichterloh, im Mittelfeld gingen viele Bälle verloren, in der Offensive gelang es Schäffler, Heider und Co. nicht mehr, die Bälle festzumachen. „Ärgerlich, dass wir nach dem frühen 1:0 nicht so gut weitergespielt haben“, meinte Tim Siedschlag. „Es war zwar schwer auf dem Boden, aber das soll auch keine Ausrede sein.“

Die Großaspacher hingegen ließen den Schock des frühen Rückstandes schnell hinter sich, kämpften um jeden Zentimeter und drückten vehement auf den Ausgleich. Fernschüsse von Shqiprim Binakaj (18.) und Matthias Morys (23.) parierte Kronholm noch sicher. Großes Glück hatte der Störche-Schlussmann, als Binakaj (29.) nach Flanke von Sahr Senesie per Kopf am Innenpfosten scheiterte, von wo aus der Ball Kronholm zurück in die Arme sprang. Spätestens jetzt trug die Kieler Führung das Etikett „glücklich“.

Endgültig machtlos war der Holstein-Keeper jedoch nach einem Foul von Maik Kegel an der Strafraumgrenze. Zentimetergenau zirkelte Freistoßspezialist Marcel-Claudio Richi (37.) den Ball zum völlig verdienten 1:1 in den linken Torwinkel des Kieler Tores. Da half es auch nichts, dass Karsten Neitzel der Kieler Mauer noch „Hochspringen“ verordnet hatte. Holstein hingegen fand vor dem SG-Tor bis zum Pausenpfiff gar nicht mehr statt. In dieser Phase zu wenig für ein Team, das laut einem Fan-Banner der Störche-Fans „nach den Sternen greifen“ soll und will.

Immerhin wirkten die aufstiegsambitionierten Kieler nach Neitzels Halbzeitansprache wieder präsenter. In der nun spannenden Partie fehlte es auf beiden Seiten aber weiter an der klaren spielerischen Linie. Zwar kämpften beide Mannschaften mit offenem Visier, berannten aber ziemlich planlos das gegnerische Tor. Die zunächst beste Holsteiner Szene war dem eingewechselten Patrick Breitkreutz vorbehalten. Artistisch per Hacke nach Herrmann-Hereingabe verpasste der Edeljoker die erneute Führung (75.) nur knapp.

Es wäre an diesem grauen Nachmittag des Guten zu viel gewesen, doch anschließend hätte der ebenfalls ins Spiel gekommene Jaroslaw Lindner das 2:1 für Holstein machen müssen. Nachdem Marc Heider den Ball an SG-Torwart Christopher Gäng vorbei geschoben hatte, schlug Lindner völlig unbedrängt fünf Meter vor dem verwaisten Aspacher Tor halb über den Ball. Anschließend ließ auch die SG noch einen „Riesen“ durch Morys (85.) liegen. Karsten Neitzel wollte Jaroslaw Lindner keinen Vorwurf machen: „Jarek weiß selbst am besten, dass der Ball rein muss. Wir müssen das jetzt alles schnell abschütteln und uns voll und ganz auf Mainz 05 konzentrieren.“

Für die Großaspacher zahlt sich das Comeback von Rüdiger Rehm auf der Trainerbank immer mehr aus. Dank eines couragierten Auftritts erkämpfte sich das Team aus Schwaben einen verdienten Punkt und blieb auch im sechsten Spiel 2015 unter der Ägide des 36-Jährigen ohne Niederlage. „Das war ein atemberaubendes Spiel, in dem Kiel zu Beginn klar tonangebend war. Dann haben wir uns als Mannschaft aus dem Schlamassel befreit und bis zur Halbzeit ein klasse Spiel gegen ein absolutes Topteam gezeigt. Zur Pause hätten wir sogar in Führung liegen können“, erklärte Rehm, der vergangene Woche die Prüfung zum Fußballlehrer bestanden hatte. 

 

Die Störche in der Einzelkritik:

 

Kronholm: Hielt, was zu halten war. Beim Ausgleichstreffer ohne Chance. Note: 3

Herrmann: Geriet bei Aspacher Vorstößen auf dem tiefen Boden mitunter aus dem Tritt, schaltete sich dafür ins Spiel nach vorne ein. Zählbares wollte aber nicht dabei rausspringen.  Note: 3,5

Wahl: Die Unsicherheiten, die sich nach 15 Minuten einschlichen, übertrugen sich schnell auf seine Aktionen. Stock- und Abspielfehler machten ihm auf dem tiefen Boden zu schaffen. Note: 3,5

Auracher: Vor allem in der ersten Halbzeit mit großen Problemen. Kam gegen Morys oft zu spät. Immer wieder ließen die SG-Angreifer den Schwaben im Kieler Team schlecht aussehen. Stabilisierte sich nach dem Wechsel. Note: 4

Kohlmann: Der Berliner hatte seine Abwehrseite ganz gut im Griff. Allerdings war er dadurch so stark in die Defensive eingebunden, dass kaum Zeit für den Weg nach vorne war. Note: 2,5

Siedschlag: Begann stark und bereitete mit seinem 13. Assist das 1:0 vor. Tauchte anschließend offensiv aber immer mehr ab. Note: 3,5

Vendelbo: Nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, was dem Dänen deutlich anzumerken war. Starker Einsatz vor dem 1:0, mied aber ansonsten das Epizentrum der Mittelfeldschlacht . Durch Patrick Breitkreutz ersetzt.  Note 4

Kegel: Hatte ebenfalls mit Orientierungsproblemen zu kämpfen und schaffte es nicht, dem Kieler Spiel eine Richtung zu geben. Zu ungestüm vor dem Freistoß zum 1:1. Hatte Glück,  nach dem Wegschlagen des Balles nicht noch „Gelb-Rot“ zu sehen. Note: 4

Heider: Sehr bemüht und viel unterwegs. Bewies beim 1:0 seinen guten Riecher. Danach hing allerdings auch er ziemlich in der Luft. Note 3

Kazior: In den ersten 15 Minuten kluger Taktgeber, der überall auf dem Platz zu finden war. Tauchte in der zweiten Halbzeit ab. Note 3,5

Schäffler: Es war nicht sein Tag. Bereitete das 1:0 zwar mit vor, konnte sich aber ansonsten nie richtig in Szene setzen. Note 4

Breitkreutz, Lindner: Das Duo sorgte noch einmal für frische Impulse. Doch während Breitkreutz Hackentrick-Kunststück die Krönung gewesen wäre, muss Lindner das 2:1 machen. Noten 3,5 und 4

Gebers: Kurzeinsatz ohne Bewertung

Statistik:

SG Sonnenhof-Großaspach –

Holstein Kiel 1:1 (1:1)

SG Sonnenhof-Großaspach: Gäng – Schiek, Hägele, Gehring, Kienast (82. Aupperle) – Senesie (90. Leist), Jüllich – Rizzi, Binakaj – Sohm (69. Skarlatidis), Morys.

Holstein Kiel: Kronholm – Herrmann, Auracher, Wahl, Kohlmann – Siedschlag (74. Lindner), Vendelbo (65. Breitkreutz), Kegel, Heider – Kazior (87. Gebers), Schäffler.

Schiedsrichter: Mix (Abtswind) – Tore: 0:1 Heider (2.), 1:1 Rizzi (37.) – Zuschauer: 1500 - Gelbe Karten: Sohm, Morys / Kegel, Auracher – Gelb-Rote-Karte: Gehring.

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