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„Ich betrachte meinen Beruf als Privileg“

Ex-Holstein-Trainer Vollmann „Ich betrachte meinen Beruf als Privileg“

Er steht noch heute für eine der merkwürdigsten Trainerentlassungen Holstein Kiels: Peter Vollmann musste im Dezember 2008 nach 82 Spielen seinen Stuhl für Falko Götz räumen – nach einem 3:1-Erfolg beim VfB Lübeck und der Viertliga-Herbstmeisterschaft. Am Sonnabend kehrt Vollmann zurück.

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Routine am Ball: Peter Vollmann ist mit seinen 58 Jahren zweitältester Coach der aktuellen Drittliga-Trainerriege.

Quelle: imago

Aalen. Herr Vollmann, Zweitliga-Mitabsteiger Aue darf vom direkten Wiederaufstieg träumen. Der VfR Aalen bangt dagegen noch um den Verbleib in Liga drei. Wo liegt der Unterschied zwischen den beiden Klubs?

Aue und Aalen kann man im Grunde nicht vergleichen. Das sind völlig andere Fußball-Landschaften. In Aalen musste nach dem Abstieg ein neuer Vorstand, ein neuer Aufsichtsrat und eine komplett neue Mannschaft gebildet werden. Der Verein hat mit allerletzter Kraft die Lizenz erhalten. Wir haben in zehn Tagen einen neuen Kader zusammengewürfelt. Das ist der kleinste der Liga. Teilweise haben wir nur zwölf oder 13 Mann beim Training. Für uns ging es im vorhandenen Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten von Beginn der Saison an nur um den Klassenerhalt.

Nach dem 15. Spieltag aber rangierten Sie mit dem VfR aber noch auf Platz fünf, durften mit einem Auge auf die Aufstiegsränge blicken. Elf Spieltage später stecken Sie als Tabellenelfter mit einem Zähler mehr als Holstein mittendrin in der Traube der noch nicht gesicherten Teams. Wie kam es dazu?

Wir sind lange Zeit von größerem Verletzungspech verschont geblieben. Jetzt aber haben wir beispielsweise mit Dennis Chessa und dem Ex-Kieler Robert Müller zwei Langzeitausfälle. Das ist mit unserem Kader nur schwer zu kompensieren.

Nach zwei Niederlagen zu Hause gegen Aue und in Rostock durfte der VfR am vergangenen Sonnabend einen 3:0-Heimerfolg gegen Cottbus feiern. Davor sprachen Sie davon, dass noch fünf Siege zum Klassenerhalt ausreichen müssten. Bleibt es bei dieser Prognose?

Ja! Wir hätten dann 44 Punkte, das ist, so glaube ich aufgrund der vergangenen Spielzeiten, eine sichere Zahl. Jetzt haben wir 32 Punkte auf dem Konto bei noch zwölf ausstehenden Spielen. Das ist eine gute Basis, aber noch lange keine Garantie. Viele Spiele sind in dieser ausgeglichenen Liga ein echter Tanz auf der Rasierklinge. Ob wir am Ende auf Platz zwölf oder 16 stehen, ist mir persönlich egal. Wichtig ist nur, die Klasse zu halten.

Ihr Team hat schon elf Unentschieden auf dem Konto. Nur Würzburg, Wiesbaden und Cottbus haben mehr Remis verbucht. Sind die vielen Punkteteilungen Zufall?

Es ist ja bekannt, dass wir nicht so viele Tore schießen. Und es gibt ohnehin selten Spiele in dieser Liga mit einem klaren Resultat. Ab Tabellenplatz sieben kann sich zum jetzigen Zeitpunkt niemand sicher sein, die Klasse am Ende zu halten. Jeder Punkt ist unter diesem Aspekt wertvoll für uns. Wenn man oben in der Tabelle steht, sind eher drei Zähler wichtiger.

Am Sonnabend führt der Spielplan Sie zurück zur KSV Holstein, Ihrem Ex-Klub. Eine Partie mit besonderer Brisanz – ein Stress-Spiel auch für Sie persönlich?

Das Thema Holstein ist abgehakt. Ich bin jetzt über 25 Jahre im Geschäft. Da trifft man immer wieder auf alte Bekannte. Es gibt für mich keine offenen Rechnungen mehr. Für mich zählen nur die Punkte, die es mit dem VfR in Kiel zu ergattern gilt. Sollten wir in Kiel gewinnen, freue ich mich darüber genauso wie über einen Sieg in Würzburg.

Ihr Vertrag in Aalen läuft noch bis zum 30. Juni 2017. Sie gehen auf die 60 zu. Was treibt Sie unter den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen beim VfR an?

Ich betrachte meinen Beruf mit all’ seinen Herausforderungen als Privileg. Es gibt 56 Trainerstellen in den drei Profiligen in Deutschland. Und ich gehöre nach der langen Zeit noch dazu. Aber ich bin auch Realist, meine Karriere neigt sich dem Ende entgegen. Eine jüngere Trainergeneration wächst nach, profiliert sich. Man nimmt doch auch eher einen jüngeren Maurer als einen fast 60-Jährigen. Man muss sich im Umgang mit den jungen Menschen auf viele neue Dinge einstellen. Ich gehe den Nerven aufreibenden Kampf um den Klassenerhalt dagegen etwas ruhiger an. Meine Erfahrung, das ist vielleicht ein Vorteil des Alters.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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Foto: Arne Sicker sicherte sich einen Profivertrag bei den Störchen.

Holsteins Verteidiger Arne Sicker (geb. 17. April 1997) hat bei den Kieler Störchen einen Profivertrag bis zum 30. Juni 2018 unterschrieben. Der gebürtige Eckernförder spielt noch für die U19, doch bereits im Oktober ist der 1,84 Meter große Linksfuß von Chefcoach Karsten Neitzel in den Drittliga-Kader hochgezogen worden.

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