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Kommt Lindemann aus Thailand zurück?

Ex-Holsteiner Kommt Lindemann aus Thailand zurück?

Hinter Björn Lindemann liegt eine bewegte Karriere. In Deutschland stand dem talentierten Mittelfeldspieler einst sein Ruf als Lebemann im Weg, in Thailand stört dieses Image niemanden. Seit fast fünf Jahren spielt Lindemann in Südostasien, ist fernab der Heimat gereift und denkt nun über eine Rückkehr nach.

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Björn Lindemann im Einsatz.

Quelle: Uwe Paesler

Bangkok. Mitte Oktober verstarb Thailands König Bhumibol Adulyadej. Die Nachricht sorgte für Entsetzen im ganzen Land, das Kabinett ordnete eine einjährige Staatstrauer an. „Hier herrscht Ausnahmezustand“, sagt Björn Lindemann, einziger deutscher Fußballer in Thailands erster Liga. Die Toyota Thai League wurde nach dem Tod des Staatsoberhauptes unterbrochen, schließlich gar die Saison für beendet erklärt – nach 31 von 34 Spieltagen. „In Deutschland wäre das undenkbar, hier wird das respektiert“, berichtet der 32-Jährige.

Es sind Geschichten wie diese, auf die Lindemann zurückgreift, wenn er nach den Unterschieden zwischen Deutschland und Thailand gefragt wird. Die Mentalität der Menschen, das Klima und das Essen – das Leben in Thailand sei das komplette Gegenteil von dem in Deutschland, sagt der Auswanderer. Das gelte auch für den Fußball: „Das Niveau lässt sich nur schwer miteinander vergleichen. In Deutschland wird viel Wert auf die Physis gelegt, hier eher auf Schnelligkeit und Technik.“

Lindemann kommt diese Art des Fußballs entgegen. Als Spielmacher steht er, der Freigeist aus Norddeutschland, im Mittelpunkt. Ob im Trikot von Army United, dem Suphanburi FC oder aktuell beim FC Nakhon Ratchasima – Lindemann macht den Unterschied aus und wird deshalb verehrt wie ein Star. Eine späte Genugtuung für einen, dem in der Heimat der große Wurf verwehrt blieb?

Lindemann spielte in Deutschland unter anderem für Holstein Kiel (2005/06) und den VfB Lübeck, seine beste Zeit hatte er beim VfL Osnabrück. Dort wurde Lindemann in der Aufstiegssaison 2009/10 zum besten Spieler der 3. Liga gewählt und wies seine Tauglichkeit auch eine Klasse höher so eindrucksvoll nach, dass der damalige BVB-Coach Jürgen Klopp öffentlich von ihm schwärmte. Abseits des Platzes aber machte Lindemann seinem Ruf als Lebemann alle Ehre, wurde in Osnabrück nach einer durchzechten Nacht sogar rausgeworfen. „Ich habe sicher nicht perfekt gelebt und immer auf die Kacke gehauen. Teilweise habe ich mich aufgeführt, als wäre ich schon beim FC Barcelona“, sagt Lindemann rückblickend.

Dass er sein Geld stattdessen in Thailand verdient, sieht Lindemann heute sogar positiv. „Man sagt ja: Jeder bekommt das, was er verdient“, räumt er ein. „Ich habe jetzt eine andere Sichtweise – nicht nur auf den Fußball, sondern auf das gesamte Leben.“ Die Erfahrung, sich in einem fremden Land gegen Widerstände durchsetzen zu müssen, habe diese Entwicklung beschleunigt, glaubt Lindemann. Anfangs seien etwa einheimische Teamkollegen neidisch auf ihn, den „reichen Neuen aus Deutschland“, gewesen. „Im Training wurde ich geschnitten. Ich verstand kein Wort, musste mich durchkämpfen und mit Leistung überzeugen“, sagt Lindemann.

Längst hat der Spieler seine Kritiker eines Besseren belehrt. Seine Zukunft aber ist offen: Ende Dezember läuft sein Vertrag in Ratchasima aus, und Lindemann strebt einen Wechsel an. Finanziell sei ein weiteres Engagement in Thailand „immer lukrativ“, doch Lindemann macht kein Geheimnis daraus, dass er auch über eine Rückkehr nach Deutschland nachdenkt: „Ich fühle mich richtig gut und traue mir durchaus zu, auch dort noch eine gute Rolle zu spielen.“

Von Tim Beyer

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