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Minimalisten als heimliche Sensation

Holstein Kiel gegen Aue Minimalisten als heimliche Sensation

Es ist das seltsamste Torverhältnis im deutschen Profifußball – 26:16 nach 29 Spieltagen. Was man mit dieser negativen wie positiven Minimal-Strategie erreichen kann? Einen Aufstiegsplatz! Der FC Erzgebirge Aue gastiert als Tabellenzweiter der Dritten Fußball-Liga am Sonnabend (14 Uhr) bei Holstein Kiel.

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Sinnbildliche Szene für die starke Abwehr des FC Erzgebirge Aue: Adam Susac und Philipp Riese (re.) stoppen im Hinspiel (0:0) Holstein-Angreifer Marc Heider, dessen Vertrag sich mit dem Spiel am vergangenen Sonnabend gegen Cottbus (1:2) um ein Jahr verlängert hat.

Quelle: imago

Aue/Kiel. Die Statistik ist ebenso schräg wie eindrucksvoll. 26 geschossene Tore, mit dieser Quote steckt man nach drei Vierteln der Saison eigentlich im Abstiegskampf, wie der Tabellen-18. Energie Cottbus belegt, der als einziger Drittligist weniger Treffer (25) erzielte. Nach oben katapultiert werden die Auer indes von ihrer famosen Abwehr sowie der Fähigkeit, torarme Spiele für sich zu entscheiden. Nur 16 Gegentreffer sind Bestwert, wobei die Sachsen in keinem Spiel mehr als zwei Treffer erzielten oder kassierten. Einzige Ausnahme ist das 0:4 am 23. Oktober bei Werder Bremen II – die bislang letzte von insgesamt nur vier Niederlagen.

 Pavel Dotchev muss lachen, wenn er mit diesen Zahlen konfrontiert wird. „Man könnte meinen, wir sind eine Mauertruppe, aber das Gegenteil ist der Fall“, erläutert der Trainer des FC Erzgebirge. „Wir spielen offensiv, arbeiten gut gegen den Ball und haben mit Martin Männel einen überragenden Torwart. Unser Hauptproblem ist die Chancenverwertung.“ Angesichts der Defensivleistung wohl ein Luxusproblem, das die Konkurrenz gern hätte. Der aktuelle Werdegang des Klubs ist ohnehin die heimliche Sensation im Premiumprodukt des DFB. Nach dem Zweitliga-Abstieg im vergangenen Jahr wurde der Kader bis auf drei Spieler komplett ausgetauscht, der neue Coach Dotchev fing bei Null an, Ausgang ungewiss. Nach dem 0:2 am zweiten Spieltag bei der SG Sonnenhof Großaspach fand man sich gar auf dem 18. Rang wieder, doch seitdem gab’s nur eine Richtung: nach oben.

 Mit dem 1:0 in Münster am 5. Dezember eroberten Kapitän Männel und Co. den Relegationsrang, seit sieben Spieltagen behauptet das Team den zum direkten Aufstieg führenden zweiten Platz. Dieser vor der Saison so nicht erwartete Erfolg hat zwangsläufig Begehrlichkeiten im Klub, im Umfeld und unter den Fans geweckt. „Natürlich sind die Ambitionen gestiegen, wir stehen nicht unverdient auf Rang zwei. Aber die Mannschaft muss weiter unbekümmert Fußball spielen. Das ist wichtig“, betont der Deutsch-Bulgare Dotchev, der als Profi auch für den Hamburger SV (92/93, acht Spiele) und den damaligen Regionalligisten Holstein Kiel (94/95, 27 Spiele, fünf Tore) verteidigte. Der 50-Jährige will den Erwartungsdruck von der Mannschaft fernhalten – so gut es eben geht. Die Tabelle bedeute „gar nichts“, sein Team könne gegen jede Mannschaft „gewinnen, aber auch verlieren“. Ein sanftes Understatement angesichts der Tatsache, dass der FCE seit 15 Partien ungeschlagen ist.

 Dotchev ahnt, dass Holstein zum Trendbrecher taugen könnte: „Trainer Karsten Neitzel hat nach dem 1:2 gegen Cottbus eine Reaktion der Mannschaft gefordert. Das Team ist ohnehin viel besser als der Tabellenstand.“ Ein Kompliment, das die Kieler in dieser Saison schon oft hörten, die Auer kaum. Realität ist die sportliche Bilanz beider Teams.

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Ein Artikel von
Thomas Pfeiffer
Sportredaktion

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