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Die Liga der Angst

Gewaltbereite Fans Die Liga der Angst

Verbotene Pyrotechnik, Schlägereien am Spielort und auf Bahnhöfen, verwüstete Zugabteile: Woche für Woche sorgt eine gewaltbereite Minderheit unter den Fußball-Anhängern für Negativschlagzeilen rund um die Dritte Liga und für Überstunden bei den Hundertschaften der Polizei.

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Die hässliche Fratze der Dritten Liga: Verbotenes Bengalo-Feuer und aggressive Gesten im Rostocker Block beim Hansa-Heimspiel gegen den 1. FC Magdeburg.

Quelle: imago sportfotodienst

Kiel/ Magdebburg. Termine für die noch zwölf Spiele umfassende Restsaison stehen aufgrund von Sicherheitsfragen nur bis zum 20. März fest. Und selbst die sind mit dem Stempel „vorläufig“ versehen. Das Premiumprodukt des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mutiert zu einer Liga der Angst – nicht nur, aber speziell im Osten der Republik.

Sieben der insgesamt acht Drittliga-Klubs mit DDR-Vergangenheit führen die Tabelle der vom DFB mit Strafgeldern geahndeten Fehlverhalten an. „Spitzenreiter“ ist laut Internetportal „liga3-online.de“ der 1. FC Magdeburg mit aktuell 46000 Euro. Hansa Rostock liegt auf Rang vier (30000 Euro). Zugleich droht den abstiegsgefährdeten und finanziell alles andere als auf Rosen gebetteten Hanseaten ein Geisterspiel in heimischer Arena. Dies würde nach Vereinsangaben einen Einnahmeverlust von rund 400000 Euro bedeuten. Die Bewährungszeit endet im August.

Verbot von Pyrotechnik

Am vergangenen Sonnabend versuchten Hansa-Schläger den Gästeblock von Erzgebirge Aue zu stürmen. Der DFB-Kontrollausschuss hat die Ermittlungen eingeleitet, der Hauptsponsor seinen Schriftzug wegen möglicher Imageschäden für ein Spiel überkleben lassen. Am Sonnabend steuert die Hanse-Kogge gen Cottbus. Und mit ihr ihre zahlreichen Fans, die der Bundespolizei ein kritisches Reisemanagement bescheren. Gleich 15 Regionalzüge in Richtung Lausitz wurden mit einem Verbot von Glasflaschen, Getränkedosen, Pyrotechnik sowie des Konsums von Alkohol belegt. Das Einhalten dieser Anordnung wird von Polizeibeamten kontrolliert.

Am 23. September gastierte Magdeburg in Rostock. Es kam zu schweren Ausschreitungen. Fans beider Klubs beschossen einander mit Feuerwerkskörpern. Die Partie wurde für insgesamt 17 Minuten unterbrochen. Am 5. März kommt es zum Rückspiel. Seit knapp zwei Wochen ringen die Beteiligten mit Polizei und Sicherheitsbeauftragten um die Höhe des Gästekarten-Kontingents. Am Mittwochabend führte eine Einigung zu der Zahl 2000. Fast schon grotesk: Das Spiel firmiert offiziell unter dem Motto „Vertrauen“. Magdeburgs Sportmanager Mario Kallnik: „Nun haben beide Fanlager die Möglichkeit, der Öffentlichkeit zu zeigen, dass sie ihre Mannschaften emotional unterstützen und respektvoll miteinander umgehen können.“

Strafenranking der Vereine

Im Strafen-Ranking liegt Holstein Kiel mit 3500 Euro gleichauf mit Preußen Münster auf Platz elf. Die Schlachtenbummler der westfälischen Adler fielen allerdings am vergangenen Wochenende wieder negativ auf, als sie auf der Rückfahrt aus Bremen die Zugfenster mit wasserfester Farbe mit Parolen beschmierten und Abteile demolierten. Die Bundespolizei beziffert den Schaden auf mehrere Tausend Euro.

 Die schillernde Kehrseite der Medaille: Hinter der von der Deutschen Fußball Liga (DFL) geführten Ersten und Zweiten Bundesliga rangiert die Dritte Liga in Sachen Vermarktung in der deutschen Sportlandschaft auf Platz drei. Vor Kernsportarten wie Handball, Basketball und Eishockey. 128 von bislang 259 Drittliga-Partien wurden via TV oder Stream der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten live in die Wohnstuben gesendet. Am Wochenende hoffen die Intendanten bei Direktübertragungen der Duelle VfB Stuttgart II – Halle (mdr.de), Cottbus – Rostock (RBB), Dresden – Fortuna Köln (MDR/WDR), Würzburg – Mainz II (br.de) und Aue – Erfurt (MDR) auf gute Quoten. Schöne Bilder mit kreativen Choreographien, nicht selten mühevoll gestaltet und finanziert von Ultra-Gruppen unter den Fans, und prall gefüllten Rängen bieten vor allem Dynamo Dresden (Zuschauerschnitt pro Heimspiel: 27019), Magdeburg (17740) und Rostock (12858). Die Dritte Liga als farbenprächtiger Publikumsmagnet. Nicht nur, aber speziell im Osten der Republik.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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