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Ein Schlag ins Kieler Gesicht

Holstein Kiel gegen VfL Osnabrück Ein Schlag ins Kieler Gesicht

Schöner Fußball, grausiger Fußball! Trotz einer famosen ersten Halbzeit und eines Chancenvorteils von 8:3 verlor der lange überlegene Drittligist Holstein Kiel am Sonnabend sein Heimspiel gegen den VfL Osnabrück vor 5039 Zuschauern mit 0:1 (0:0).

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Rafael Czichos (Mitte) redet auf Patrick Hartmann (li.) ein. Schiri Justus Zorn greift ein und ein Stadionheft kommt auch hinzu.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Vorangegangen waren katastrophale und das Spiel extrem beeinflussende Fehlentscheidungen des Schiedsrichters Justus Zorn und ein Last-Minute-Treffer des VfL-Jokers Addi Waku Menga (90.+1). Eine bitterere Niederlage in diesem Traditionsduell gab es aus Kieler Sicht noch nie bei den mittlerweile 44 Gastspielen der Niedersachsen im Holsteinstadion seit 1947.

Die Störche erwärmten die Herzen ihrer Fans bei knackig kalten Temperaturen von Beginn an. Gegen erwartet zweikampf- und kopfballstarke, gut organisierte und robuste Osnabrücker ergriffen sie mutig die Initiative. Zudem lauerten sie geduldig auf die wenigen Lücken im VfL-Abwehrverbund, ohne die eigene Defensive zu vernachlässigen. Die Niedersachsen präsentierten sich im Vorwärtsgang analog zu ihrer Trikotfarbe wie graue Mäuse. Einzig die Schauspielkunst der beiden Sturmspitzen Halil Savran und Marcos Alvarez sorgten für Aufregung auf den Rängen.

Kamen die Störche mit ihren Flachpasskombinationen in die Nähe des Osnabrücker Hoheitsbereiches, ging die Kieler Post ab. Einziges Manko: Weder Mathias Fetsch (2.), Willi Evseev (7./8.), Fabian Schnellhardt (42.) mit einem 25-m-Fernschuss noch Steven Lewerenz (44.) nach brillantem Solo brachten den Ball über die Linie. Als Holsteins Top-Torjäger Lewerenz nach einem Turbo-Konter Finn Wirlmann (37.) bediente, schoss der für den angeschlagenen Tim Siedschlag als „Sechser“ fungierende 19-Jährige zu allem Überfluss aus Nahdistanz zu zaghaft, um VfL-Keeper Marvin Schwäbe zu überwinden.

Hier finden Sie Fotos vom Match Holstein Kiel gegen VfL Osnabrück im Februar 2016.

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Und dann folgte die Nachspielzeit der ersten Halbzeit mit folgenschweren Patzern der Unparteiischen im Sekunden-Doppelpack. Patrick Kohlmann flankte in den 16-m-Raum der Niedersachsen, Fetsch spitzelte die Kugel zu Marc Heider, der zur vermeintlichen Holstein-Führung abstaubte. Riesenjubel, noch größerer Frust. Denn Schiri Zorn entschied auf Signal seines Assistenten fälschlicherweise auf Abseits, wie das TV-Bild dokumentierte. Fast noch schlimmer: Direkt vor dieser Szene hatte Osnabrücks Verteidiger Alexander Dercho den Kieler Evseev an der Fünfmeterlinie per Beingrätsche gelegt. Glasklar, ohne Wenn und Aber –doch der Elfmeterpfiff blieb aus.

 „Schieber, Schieber“-Rufe begleiteten das Schiedsrichter-Trio in die Kabine. Der Wut auf Zorn flammte erneut auf, als Dercho den Kieler Rechtsverteidiger binnen fünf Minuten zweimal zweifellos gelbwürdig legte, jedoch nur einmal die Karte sah. Immer spannender wurde das Geschehen. Lewerenz (61.) scheiterte mit einem 25-m-Aufsetzer an Schwäbe, Fetsch (67.) per Kopfball an der mangelnden Präzision, Evseev (78.) fehlte nach Herrmann-Vorlage eine Stiefelspitze. Und Herrmanns Schuss (90.) wurde kurz vor der Torlinie abgeblockt. Der Kieler Alptraum, der sich bei der ersten Osnabrücker Möglichkeit durch Anthony Syhre (60.) und einem von KSV-Keeper Robin Zentner glänzend parierten Alvarez-Drehschuss (75.) angekündigt hatte, nahm Gestalt an. Die Kräfte der Störche erlahmten, einhergehend verloren sie an defensiver Konzentration. Mit der letzten Aktion dieses intensiven Spiels zirkelte Menga die Kugel ins Kieler Netz.

Holstein-Stürmer Fetsch mühte sich nach dem Abpfiff wie die Kollegen um professionelle Contenance, bemühte Begriffe wie „Sprachlosigkeit“, wertete dieses Brutal-Ergebnis als schweren Schlag. KSV-Kapitän Rafael Czichos zürnte naturgemäß mit dem Schiedsrichter und ergänzte: „Am Ende fehlte die Reife, um das eigene Tor zu verteidigen. Uns darf kein Zacken aus der Krone fallen, wenn wir 0:0 spielen.“  Cheftrainer Karsten Neitzel stieß ins gleich Horn, haderte mit der Chancenverwertung der Störche, sorgte sich darum, wie schnell die Spieler dieses Ergebnis aus den Kleidern schütteln können. Schon am kommenden Freitag geht es zu den Stuttgarter Kickers. Mit dann nur noch vier Zählern Vorsprung auf den ersten der drei Abstiegsplätze. Eine neuerliche Nervenprobe, für die nicht zuletzt Justus Zorn verantwortlich zeichnete. „Das war kein Abseitstor von Heider und zuvor ein klarer Elfmeter. Aber wir haben in dieser Saison ja schon einen Strafstoß bekommen, da wollen wir nicht übermütig werden“, flüchtete sich Neitzel ob ausbleibender Gerechtigkeit in den finalen Galgenhumor.

Statistik

Holstein Kiel: Zentner – Herrmann, Sigurbjörnsson, Czichos, Kohlmann – Lewerenz, Wirlmann (71. Kegel), Evseev (87. Schmidt), Schnellhardt – Fetsch (77. Schäffler), Heider.

VfL Osnabrück: Schwäbe – Falkenberg, Willers, Pisot, Dercho – Groß, Syhre – Ornatelli (46. Tigges), Hohnstedt (87. Menga) – Savran (76. Sembolo), Alvarez.

Schiedsrichter: Justus Zorn (Freiburg) – Tore: 0:1 Menga (90.+1) – Zuschauer: 5039 – Gelbe Karten: Evseev, Sigurbjörnsson/Dercho, Savran.

 

 

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