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Absturz aus dem Fußball-Himmel

Holstein-Gastgeber SC Paderborn Absturz aus dem Fußball-Himmel

Holstein Kiels nächster Gegner in der Dritten Fußball-Liga, der SC Paderborn, hat schon bessere Tage gesehen. Die Geschichte eines Vereins am Scheideweg.

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Schluss-Etappe eines schönen Ausfluges: Am 23. Mai 2015 flog Paderborns Torwart Lukas Kruse (re.) beim 1:2 gegen den VfB Stuttgart letztmals durch die Bundesliga-Lüfte. Am Sonntag gegen Holstein Kiel gehört der 33-Jährige als einzig sportlich „Überlebender“ der jüngeren Klubgeschichte noch immer zum Kader der Ostwestfalen.

Quelle: imago/Avanti

Kiel. Die Furcht vor dem sportlichen GAU geht um in Ostwestfalen. Wird der einstige Fußball-Stolz der Region, der SC Paderborn, von der Ersten Liga in die Regionalliga durchgereicht? Drei Niederlagen in den ersten fünf Partien der Dritten Liga ließen Schlimmstes erahnen. Doch der 2:1-Auswärtssieg beim SV Wehen Wiesbaden weckt zarte Hoffnungen beim SCP. Das Heimspiel gegen Holstein Kiel am Sonntag (14 Uhr) könnte für beide Parteien Weichen stellen.

 Rückblende: Als der Ex-Kieler Andre Breitenreiter am 1.Juli 2013 das Traineramt in Paderborn übernahm, galt es vor allem, eine Faustregel zu durchbrechen: Fünfter, Zwölfter, Fünfter, Zwölfter – so lauteten die Platzierungen in den zurückliegenden vier Zweitligajahren. Breitenreiter sprach zum Antritt vom Klassenerhalt als primärem Ziel, stieg aber sensationell auf in Liga eins.

 Als „krassesten Außenseiter der Bundesliga-Geschichte“ beschrieb Breitenreiter sein Team. Der heute 42-Jährige sagte aber auch: „Der Aufstieg ist kein Wunder. Moses teilte das Meer, das ist ein Wunder.“ Die SCP-Anhänger wähnten sich am 20. September 2014 dennoch im siebten Fußball-Himmel. 2:0 gegen Hannover 96, Spitzenreiter der Bundesliga! Aber am Ende der Saison fehlten Glück, Kraft und vor allem die Fähigkeit, Führungen bis zum Schlusspfiff zu behaupten. Als Schlusslicht musste Paderborn zurück in Liga zwei.

 Der „schöne Ausflug“ sei vorbei, das Bundesliga-Unterhaus die sportliche Heimat, glaubte Markus Gelhaus, der Nachfolger des zum FC Schalke gewechselten Breitenreiter. Der personelle Neuanfang beim SCP brachte den Kieler Störchen die höchste Transfereinnahme der Vereinsgeschichte. Rund 800000 Euro überwiesen die Ostwestfalen für Innenverteidiger Hauke Wahl. Der heutige Ingolstädter erlebte ab dem 13. Oktober 2015 eine Episode der besonderen Art.

Mit Effenberg ging's noch weiter bergab

 Der charismatische Trainer-Novize Stefan Effenberg löste Gehlhaus ab, bescherte Paderborn zwar Promi-Glanz, aber kaum Siege. Einen Punkteschnitt von 0,8 erreichte „Effe“ in seinen 15 Pflichtspielen. Als er kam, lag der SC Paderborn auf Nichtabstiegs-Rang 15. Als Effenberg am 2.März 2016 gefeuert wurde, wies die Zweitliga-Tabelle den vorletzten Platz aus. Trainer-Eigengewächs Rene Müller übernahm das Ruder, konnte es aber auch nicht mehr entscheidend herumreißen.

 Zum zweiten Mal binnen zwölf Monaten waren die Paderborner als Tabellenletzter abgestiegen – ein Novum in der Geschichte des deutschen Profifußballs. Und auch in Liga drei lief es bislang keineswegs rund. Verbunden mit dem doppelten Absturz waren zudem schmerzhafte finanzielle Einschnitte. Allein die TV-Einnahmen sanken von zehn Millionen Euro in Liga zwei auf rund 750000 Euro. Rund 30 Angestellte verloren in der ersten Drittligazugehörigkeit seit 2009 ihren Job. Lediglich 4436 Anhänger wollten am 23. August das DFB-Pokal-Aus gegen Sandhausen (1:2) sehen. Der bisherige Negativ-Zuschauerrekord in der Benteler-Arena war damit um 47 Fans unterschritten – er lag auf den Tag genau acht Jahre zurück.

 Der SC Paderborn – ein Verein am Scheideweg. Mit den Last-Minute-Neuzugängen Markus Piossek und Zlatko Dedic prominent verstärkt, mit Akteuren wie Sven Michel (zuletzt Cottbus), Koen van der Biezen (Bielefeld), Marc-Andre Kruska (FSV Frankfurt) und Torwart Lukas Kruse, der einzig sportlich „Überlebende“ der jüngeren Klubgeschichte, im Kader gut bestückt. Und doch trägt die Vereins-Maus „Holli“, 2009 immerhin deutscher Meister der Fußball-Maskottchen, die Farbe Grau. Getrieben von der Angst vor dem dritten Abstieg in Folge.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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