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Das Notprogramm reicht nicht

Holstein Kiel Das Notprogramm reicht nicht

Das war ernüchternd: Die Niederlage gegen den VfL Osnabrück trotz eines ordentlichen Spiels zwingt Holstein Kiel in einen Lernprozess. Der neue Coach Markus Anfang muss das misslungene Heimdebüt aufarbeiten.

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Kontraste nach dem Abpfiff: Während sich die Osnabrücker Spieler über ihren Auswärtscoup freuen, sind die Kieler Saliou Sané (2. v. re.) und Kingsley Schindler konsterniert. Im Hintergrund feiern die Veilchen-Fans.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Manchmal sind es Kleinigkeiten, Sekundenbruchteile, die ein Fußballspiel entscheiden. So wie am Freitagabend in der 72. Minute der Drittliga-Partie zwischen Holstein Kiel und dem VfL Osnabrück: Das Standbein von Rafael Czichos verliert den Grip, der KSV-Kapitän rutscht aus. Statt seiner muss Kollege Niklas Hoheneder im eigenen Sechzehner Christian Groß irgendwie noch stoppen. „Ich muss runter und berühre ihn leicht“, beschreibt der Österreicher die Szene. „Den Elfmeter kann man geben, muss man nicht.“ Schiedsrichter Bastian Börner gibt ihn, Bastian Schulz verwandelt, es bleibt das einzige Tor der Begegnung. Die dritte Niederlage im siebten Saisonspiel ist besiegelt, Markus Anfangs Heimdebüt als Profitrainer misslungen.

 Hernach folgte die Zeit der alten Weisheiten, aus dem Sport und dem richtigen Leben. Beispielsweise, dass ein Spiel 90 Minuten dauert. Die Betonung dieser Tatsache ist durchaus berechtigt, denn die Störche spielten nur in den zweiten 45 Minuten jenen Fußball, den sie von sich selbst erwarten. Warum, das wusste niemand. „Nach gutem Beginn haben wir irgendwie das Fußballspielen eingestellt. Das war nach dem Auftritt in Paderborn eigentlich nicht zu erwarten“, gehörte auch Markus Anfang zu den Ratlosen. „Wir brauchen aber zwei Halbzeiten, so ist es, ganz einfach.“

 Einfach ist auch das Fazit aus diesem Spiel: Wenn die KSV-Profis das vom Klub vorgegebene Ziel (oberes Tabellendrittel, Aufstieg binnen drei Jahren) erreichen wollen, dann müssen sie ihr durchaus hohes Potenzial tunlichst lückenlos auf dem Platz umsetzen. 35 Minuten währende Aussetzer kann sich kein Team erlauben, das diese Liga am oberen Ausgang verlassen möchte.

 Immerhin stimmte die Moral. Auch nach dem Rückstand und dem kurz darauf folgenden Platzverweis für Hoheneder versuchten die Störche alles, um wenigstens einen Punkt zu retten. Dafür ließ Anfang seine Männer sogar auf jenes Notprogramm umschalten, dass ihm eigentlich zuwider ist: hohe und lange Bälle. „Aber da muss man auch etwas Glück haben.“

 Da das ausblieb, konzentrieren sich die Konsequenzen im Hinblick auf das am Dienstag (19 Uhr) beim MSV Duisburg anstehende Auswärtsspiel auf weitere, bekannte Wahrheiten: aus Fehlern lernen, nach dem Hinfallen wieder aufstehen. „Sich nur am Gegner zu orientieren, reicht nicht. Wir werden aus diesem Spiel lernen und das Gelernte hoffentlich in den nächsten Partien umsetzen“, fordert Anfang, der indes ebenso wie seine Spieler aus der Niederlage kein Drama machen will. „Wir werden hier nicht jedes Team mit 4:0 aus dem Stadion fegen. Wir haben noch 31 Spiele vor uns und müssen die richtigen Lehren aus dem 0:1 ziehen“, befand Dominic Peitz. Und an Zuversicht wieder einmal nicht zu überbieten ist Tim Siedschlag: „Wir schauen nicht auf die Tabelle des siebten Spieltags. Wir wissen, dass wir eine richtig gute Mannschaft haben, und wollen aus Duisburg drei Punkte mit nach Hause nehmen.“

 Gut gebrüllt, Löwe Siedo. Allerdings werden die Zebras nach ihrer ersten Saisonniederlage (0:3 in Wiesbaden), die sie die Tabellenführung kostete, ebenfalls intensiv darüber nachdenken, was sie am Dienstag besser machen müssen…

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MSV - Holstein 0:0
Foto: Auch Stürmer müssen verteidigen: Holsteins Mathias Fetsch (links) in der Verfolgung von Fabian Schnellhardt, der in der Vorsaison auch noch für die Störche die Schuhe schnürte.

Holstein Kiel holt einen Auswärtspunkt beim Tabellenzweiten MSV Duisburg. Das Spiel der Dritten Fußball-Liga vor 11.642 Zuschauern endete torlos. Holstein Kiel klettert damit auf Rang sieben in der Tabelle.

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