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Die Mutter aller Niederlagen Marke Kiel

Holstein Kiel Die Mutter aller Niederlagen Marke Kiel

Schockzustand, Ohnmacht, Trauma: Auf der Suche nach der exakten Charakteristik des Kieler Seelenzustandes schossen die Superlative am späten Dienstagabend in den Münchner Abendhimmel.

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v.l.: Rene Guder, Kenneth Kronholm, Patrick Breitkreuz - Relegationsspiel 1860 München - Holstein Kiel.

Quelle: Frank Peter

München. Ob Vorstand, Trainer oder Fan – jeder, der nur annähernd Sympathie mit den Störchen hegte, wähnte sich ob der surrealen Geschehnisse und der späten Wende auf dem Rasen im falschen Film. Kaum tauchte ein Kieler Beteiligter in den Stadion-Katakomben auf, herrschte betretenes Schweigen. Nicht nur bei den Kieler Journalisten, deren Aufgabe es war, den mental völlig ausgelaugten und bitter enttäuschten Holstein-Spielern eine einleuchtende Analyse zu entlocken. Selbst der Münchner Journaille war (zunächst) das Mitgefühl mit dem Underdog, der keiner war, anzumerken.

 Das Drama vom Vortag, als der HSV in Karlsruhe spät jubelte, hatten sich die Löwen als Anschauungsunterricht für ihre geplante Rettung zurecht gelegt. Für die tapferen Kieler Störche hingegen hatte KSC-Profi Reinhold Yabo zufällig, aber mehr als treffend die offizielle Sprachregelung bereits vorbereitet: „Es tut so weh, es fühlt sich an, als hätte uns jemand das Herz rausgerissen“, sprach er allen Kielern vorzeitig aus der Seele. Der Weg zum Mannschaftsbus führte die Holstein-Profis direkt durch die Mixedzone an der Presseschar vorbei. Manch’ einem müssen diese 30 Meter wie ein Vier-Stunden-Marathon vorgekommen sein. Was sagen, nachdem man sich 120 Sekunden vor dem Spielende das Etikett „Zweitligist“ aufs Revers hatte heften dürfen, um wenige Minuten sein Waterloo zu erleben?

 Der aus Kieler Sicht erschütterndste Auftritt in diesem Medienkäfig war Patrick Herrmann vorbehalten. Völlig niedergeschmettert starrte der Rechtsverteidiger ins Leere auf der Suche nach irgendeiner Erklärung. Aber er hatte keine – verständlicherweise. „Ich weiß nicht, ich bin leer... ich weiß nicht“, flüsterte der 27-Jährige, der in wenigen Monaten zum zweiten Mal Vater wird. Nicht anders erging es Maik Kegel, der wie paralysiert auf den Stufen des Holstein-Busses hockte. Oder KSV-Trainer Karsten Neitzel, der zu diesem Zeitpunkt bereits eine Vielzahl von TV-Interviews hinter sich gebracht hatte. Auch er war vom Schrecken des Abends schwer gezeichnet.

 Der kleine Spaziergang zum Stadionausgang hielt für die Kieler zu allem Überfluss schon die nächste Bewährungsprobe bereit: Eine lange lange Reise durch die Nacht. „Das wird nicht einfach, aber da müssen wir jetzt durch“, versuchte Manuel Schäffler seinen Kameraden Mut zu machen. Nach einem Abend, der verheerende Parallelen zu den Hausherren der schicken Allianz Arena gesponnen hatte: Das verlorene Champions League-Finale 1999 des FC Bayern gegen Manchester ist als „Mutter aller Niederlagen“ in die FCB-Vereinshistorie eingegangen. In diesem Punkt kann die KSV Holstein nun mithalten. Denn es bedarf keines Europapokalfinales, um Fußballer auf dem Drahtseil zwischen Himmel und Hölle tanzen zu lassen.

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Foto: Allein am Ort des größten Dramas in der Kieler Fußball-Geschichte: Holstein-Cheftrainer Karsten Neitzel sinniert in der Allianz Arena.

Mit der letzten Ausfahrt Projensdorf endete am Tag danach der „Boulevard of broken dreams“ von München nach Kiel. Am Mittwoch um 10 Uhr stiegen die so dramatisch am Fußball-Paradies vorbei geschrammten Störche aus dem Mannschaftsbus.

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