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Kampf um den klaren Kopf

Holstein Kiel Kampf um den klaren Kopf

Mit der letzten Ausfahrt Projensdorf endete am Tag danach der „Boulevard of broken dreams“ von München nach Kiel. Am Mittwoch um 10 Uhr stiegen die so dramatisch am Fußball-Paradies vorbei geschrammten Störche aus dem Mannschaftsbus.

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Allein am Ort des größten Dramas in der Kieler Fußball-Geschichte: Holstein-Cheftrainer Karsten Neitzel sinniert in der Allianz Arena.

Quelle: Uwe Paesler

München/ Kiel. Körperlich erschöpft, mental leer vom Scheitel bis zur Sohle. Nach einer Nachtfahrt quer durch Deutschland, die laut Holstein-Cheftrainer Karsten Neitzel „unspektakulär verlief. Ein, zwei Bierchen, dann haben die Spieler geschlafen“.

 Geplagt möglicherweise von schlimmen Albträumen. Gequält von jenen Szenen in der Allianz Arena, die in ihren Dimensionen allen Kielern eine andere Welt präsentierte und in der der Traum vom Ende der 34-jährigen Zweitliga-Abstinenz so abrupt platzte. Als Maik Kegel (86.) beim Stand von 1:1 nur durch eine Superreaktion von 1860-Torwart Vitus Eicher um die erneute Kieler Führung und zugleich die Entscheidung pro Holstein im Rückspiel dieses historischen Relegationsduells gebracht worden war. Und als Top-Löwe Valdet Rama in der Nachspielzeit einen Schuss abgefeuert und Kai Bülow den Abpraller zum 2:1-Sieg der Bayern ins Netz des Störche-Tores geschossen hatte.

 Noch nachts um 1.30 Uhr klingelten Wolfgang Schwenkes Ohren vom ekstatischen Jubel der 57000 Münchner Anhänger. Der Kaufmännische Geschäftsführer der Störche sprach den ob ihres tadellosen Verhaltens sogar von der Münchner Polizei gelobten 3000 Kieler Schlachtenbummlern aus den kurzzeitig gebrochenen Herzen, als er sagte: „Ganze zwei Minuten haben gefehlt. So etwas habe ich im Sport bisher nur 2000 mit dem THW im Handball-Champions-League-Finale in Barcelona erlebt, als wir von den Schiedsrichtern nach Strich und Faden betrogen wurden.“

Holstein Kiel tritt in München den Kampf um die 2. Liga an. Um 20.30 Uhr ist Anpfiff in der Allianz-Arena gegen 1860 München.

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 Doch der 47-Jähriges blieb auch in den Stunden tiefster Enttäuschung seiner Kämpfernatur treu. Motto: Nur wer Leid erträgt, kann Stärke zeigen. „Das war klasse, diese Saison war Wahnsinn! Nur die Krönung hat gefehlt. Ich bin megastolz auf die Mannschaft. Jetzt nehmen wir eben einen neuen Anlauf in der Dritten Liga. Die ist aber so ausgeglichen, dass nichts selbstverständlich ist“, so Schwenke. Man dürfe sich nicht zu sehr von Emotionen leiten lassen, sondern müsse einen klaren Kopf bewahren. Um einen Kader zu formen, der „noch besser ist als der jetzige“. Auch Neitzel hatte zuvor schon erklärt: „Wir werden jetzt die Köpfe zusammenstecken und alles analysieren. Wo müssen wir besser werden? Wo brauchen wir wen?“

 Störche-Aufsichtsrat Gerhard Lütje sinnierte derweil Mittwochvormittag auf dem Münchner Flughafen: „Ein Jammer, nur 120 Sekunden haben zu den fünf Millionen Euro Fernsehgeld und dem Ausbau des Holsteinstadions gefehlt.“ Sein Mitstreiter Hermann Langness ergänzte optimistisch mit sportlich-sachlicher Analyse: „Es geht weiter. Wir werden stärker als zuvor zurückkommen. Allerdings sind wir nun kein Underdog mehr in der Dritten Liga.“ Aufsichtsratssprecher Stefan Tholund hingegen fühlte sich „um Jahre gealtert“. Willi Holdorf, Zehnkampf-Olympiasieger von 1964, schüttelte noch immer den Kopf: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Hier zeigen wir Ihnen Fotos rund um das Relegations-Endspiel TSV 1860 München gegen Holstein Kiel.

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 Pünktlich um 12.15 Uhr landete der Flieger in Hamburg-Fuhlsbüttel. Die Bodenhaftung schien den Kieler Verantwortlichen gut zu bekommen. Es wurde wieder gelacht und geflachst. Verhaltensweisen, die Zuversicht signalisieren vor dem Trainingsbeginn am 24. Juni.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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Foto: v.l.: Rene Guder, Kenneth Kronholm, Patrick Breitkreuz - Relegationsspiel 1860 München - Holstein Kiel.

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