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Kenneth Kronholm hält den Ball flach

Holstein Kiel Kenneth Kronholm hält den Ball flach

Rückkehr in Gelassenheit: Nach zehn Monaten Rehabilitation ist Kenneth Kronholm, Torhüter von Holstein Kiel, bereit für die neue Saison. Jetzt ist er sicher, dass das Kreuzband hält.

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Wieder in seinem Element: Kenneth Kronholm verfügt über die Kraft und die Reflexe wie vor seiner Verletzung.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. 19. August 2015, Nachmittagstraining beim Fußball-Drittligisten Holstein Kiel im Projensdorfer Leistungszentrum: Torhüter Kenneth Kronholm bricht die Einheit kurz vor dem Ende wegen starker Schmerzen im linken Knie ab. Die noch am Abend angesetzte MRT-Untersuchung bringt dem besten Drittliga-Keeper der Saison 2014/15 die bittere Gewissheit – Riss des vorderen Kreuzbandes.

 16. Juni 2016, 13 Uhr, Projensdorfer Leistungszentrum: Nach einem Fotoshooting an seinem Arbeitsplatz, dem Fußballtor, sitzt Kenneth Kronholm auf einer Bank neben dem Trainingsplatz und lächelt. „Mir geht es sehr gut“, sagt der 30-Jährige. „Ich bin komplett beschwerdefrei, auch nach intensiver Belastung.“

 Zehn Monate Rehabilitation liegen hinter ihm. Zehn Monate mit Fortschritten und freudigen Momenten, aber auch mit Stagnation, Geduldsproben, Frust. Besonders der Faktor Zeit hat dem in Fort Belvoir/US-Bundesstaat Virginia geborenen und im kurpfälzischen Oftersheim aufgewachsenen Torwart zu schaffen gemacht. Üblicherweise dauert eine Rekonvaleszenz nach einem Kreuzbandriss sechs bis acht Monate, ohnehin eine lange Auszeit für einen Berufssportler. „Zunächst hatte ich lange Zeit Schmerzen, und dann ging es mit dem Heilungsprozess nicht so schnell voran, wie ich mir das vorgestellt hatte. Das hat mir schon phasenweise schlechte Laune gemacht“, beschreibt Kronholm dunkle Momente. Doch eine dauerhafte Herrschaft negativer Gedanken ließ er nicht zu. „Irgendwann habe ich zu mir selbst gesagt: Es ist egal, wie es bei anderen läuft. Ich muss auf meinen Körper hören.“

 Beschlossen, vollzogen. Sein Körper hat ihm die Geduld und Zielstrebigkeit gedankt. Die Muskelmasse im linken Bein ist nun sogar ein wenig größer als vor der Verletzung, das Reaktionsvermögen ist wieder voll da. „Das ist wie Fahrrad fahren, das verlernt man nicht“, frohlockt Kronholm, der allerdings auch erstaunt war, „wie schnell man in die Abläufe wieder reinkommt“.

 Die Psyche hat allerdings auch ihre Zeit gebraucht. Die Angst, ob das Knie die ansteigende Belastung aushält, war über weite Strecken ein lästiger Wegbegleiter. „Vor meinem ersten Mannschaftstraining hatte ich schon Respekt“, gibt der Torwart zu. „Aber mittlerweile habe ich keine Angst mehr, nehme die Zweikämpfe an und freue mich auf die Saisonvorbereitung.“

 Da wird es einen Konkurrenzkampf um die Nummer eins im Kasten geben, nachdem die KSV-Verantwortlichen Robin Zentner für ein weiteres Jahr vom Bundesligisten FSV Mainz 05 ausgeliehen haben. Diesem Wettbewerb sieht Kronholm mit jener (nicht mit Nachlässigkeit zu verwechselnden) Gelassenheit entgegen, die er im Herbst seiner Karriere auf eine neue Ebene gehoben hat. „Ich verschwende keinen Gedanken daran, ob ich in sechs Wochen spiele. Ich will einfach nur gut sein, das ist das Wichtigste“, bekräftigt er mit ruhiger Bestimmtheit. „Ich freue mich, dass Robin weiter bei uns ist, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihm. Der Bessere wird im Tor stehen, alles andere ist belanglos.“

 Eine Haltung, die in der bisweilen gnadenlosen und von Egoismen geprägten Branche Profifußball bei einem Führungsspieler eher selten zu finden ist. Immerhin hatte der Keeper in der Saison 14/15 entscheidenden Anteil am Erreichen des Relegationsplatzes. Doch die alten Verdienste zählen für ihn in der Gegenwart nicht mehr. Kenneth Kronholm ist einfach nur glücklich, wieder Fußball spielen zu können. Keine schlechte Voraussetzung für einen Sport, der immer noch auf Teamgeist und (mentaler) Konstanz basiert.

 Holstein Kiel beginnt am Sonntag (14 Uhr, Projensdorf) mit der Vorbereitung auf die Saison 2016/17. Zuschauer sind willkommen.

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