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Noch kein Grund zur Panik

Holstein Kiel Noch kein Grund zur Panik

Nein, amüsieren mochten sich die Spieler des Fußball-Drittligisten Holstein Kiel nicht nachts um halb eins. Kein Wunder, waren sie doch auch nicht – wie einst von der Schauspieler-Legende Hans Albers besungen – auf der Reeperbahn unterwegs, sondern auf der von Schnee, Regen und glatten Straßen geprägten Rücktour einer missglückten Dienstreise.

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Hitzköpfe: Immerhin in dieser Szene beim Gerangel mit dem Hansa-Siegschützen Dennis Erdmann (li.) bewies Holstein Kiels Edel-Techniker Fabian Schnellhardt echte Leidenchaft. Schiedsrichter Patrick Schult musste schlichten.

Quelle: imago

Kiel/ Rostock. Im Gepäck lagen die 0:1-Niederlage bei Hansa Rostock am Dienstagabend und die Erkenntnis, einmal mehr mindestens einen Zähler liegen gelassen und damit auf dem Hoppelacker des Ostseestadions fahrlässig die Aufmerksamkeit der Abstiegsgeister neuerlich erregt zu haben.

Die Erklärungsversuche offenbarten unterschiedliches Anspruchsdenken. „Woran es lag? Wir haben ein Tor zu viel bekommen. Wir machen einen Fehler hinten, schießen vorne ein Abseitstor. Wir haben ein ordentliches Auswärtsspiel gemacht und hätten heute einen Punkt mitnehmen können“, sagte Rechtsverteidiger Patrick Herrmann, der unfreiwillig zum Vorbereiter für den Treffer des Abends durch Dennis Erdmann (41.) avanciert war. „Wir haben es über 90 Minuten versäumt, so viel Druck vorne aufzubauen, dass wir das Ergebnis in unsere Richtung hätten schieben können. Das war heute, gerade in der Offensive, keine Leistung, mit der wir einen Sieg verdient gehabt hätten“, meinte Uwe Stöver zurecht.

Der Geschäftsführer Sport der Störche hatte nach den von Kieler Seite vergleichsweise attraktiv gestalteten Partien gegen Osnabrück (0:1) und die Stuttgarter Kickers (0:0) mit zahlreichen Großchancen erklärt, er mache sich keine Sorgen wegen der mangelnden Kaltschnäuzigkeit der KSV-Profis. Ein Problem sei es erst, wenn man sich keine Möglichkeiten erarbeite. Beim zähen 1:0-Arbeitssieg gegen Aalen waren es derer nur noch drei, in Rostock anderthalb.

Willi Evseev fehlte

In den beiden letztgenannten Begegnungen fehlte der dynamische Mittelfeld-Antreiber Willi Evseev (Muskelfaserriss) und damit der Turbo im aktuell stotternden Kieler Angriffsmotor mit einem Kreativkopf der Extraklasse wie Fabian Schnellhardt an der Spitze, der in Rostock nur bei einem Gerangel mit Erdmann auffiel. „Natürlich hätten wir Willi gerne dabei. Aber ob mit ihm die Kombinationen auf dem schlechten Rasen von Rostock flüssiger gelaufen wären, ist reine Mutmaßung“, sagte KSV-Cheftrainer Karsten Neitzel. Lange Bälle seien auf diesem Untergrund grundsätzlich schon das richtige Rezept gewesen. Nur habe diese, so Neitzel weiter, selten jemand in vorderster Front festmachen können: „Wir haben uns im gegnerischen Strafraum nicht entscheidend durchsetzen können.“

Die vielbeinige, das eigene Tor im eigenen Stadion mit Leidenschaft und rustikalen Mitteln verteidigende Hansa-Defensive geriet mangels Kieler Standards oder Flankenläufen trotz der gefühlten 70 Prozent Ballbesitz des Gegners nie ernsthaft ins Wanken. „Sorgen mache ich mir nicht, aber ich erwarte schon, dass wir am Samstag punkten. Und am Samstag darauf auch. Ich denke, die Heimspiele gegen Cottbus und Aue sollten wir nach Hause bringen“, stellte Holstein-Präsident Roland Reime fest.

Kein Grund zur Panik

Ein Grund zur Panik besteht in der Tat noch nicht. Und wie es selbst mit dem Rücken zur Wand stehend funktionieren kann, belegt das Beispiel Hansa Rostock. Glück und Leidenschaft verhalfen dem Motto „Hinten dicht und vorne hilft der liebe Gott“ zu einer beeindruckenden Renaissance. Knapp 10000 überraschend disziplinierte Hansa-Anhänger, die das Ostseestadion in eine Bengalo-freie Zone verwandelten, feierten den zweiten 1:0-Erfolg am Stück. Und amüsierten sich bis tief in die Nacht königlich: „Auf der Hanse-Kogge nachts um halb eins, wenn du ein Tor schießt und der Gegner schießt keins ...“

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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