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Richtiges Konzept, falsche Resultate

Holstein Kiel Richtiges Konzept, falsche Resultate

Im Abstiegskampf der Dritten Fußball-Liga können am drittletzten Spieltag in einem Stadion gleich zwei Entscheidungen fallen. Gewinnt Holstein Kiel am Sonnabend (14 Uhr) gegen den VfB Stuttgart II, hält die KSV definitiv die Klasse.

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Für Wasserspiele mit Ball sorgten heftige Regenfälle vor dem Hinrundenspiel des VfB Stuttgart II gegen Holstein Kiel am 20. November im Gazi-Stadion. Hier wird KSV-Angreifer Saliou Sane (2. v. li.) von Stefan Peric (li.) und Phillipp Mwene gestoppt; rechts Manuel Janzer.

Quelle: imago/Eibner

Stuttgart/Kiel. Und sollte darüber hinaus Bremen oder Wehen Wiesbaden einen Punkt holen, wäre der Abstieg des schwäbischen Gründungsmitglieds besiegelt. Es wäre – im bescheidenen Rahmen der Drittklassigkeit – eine historische Zäsur für den Unterbau des ebenfalls stark gefährdeten Bundesligisten. Seit der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Dritte Liga zur Saison 2008/2009 als sein Premium-Produkt in Betrieb nahm, war neben Rot-Weiß Erfurt nur der VfB acht Jahre lang dabei. Genau wie Walter Thomae, der von sich behauptet, in der Dritten Liga der einzige Mitarbeiter zu sein, der seit 2008 ununterbrochen am Ball ist – lange Zeit als Co-Trainer, seit 24. November vergangenen Jahres als Chefcoach. „Der Abstieg wäre für mich natürlich extrem frustrierend“, sagte Thomae gegenüber dieser Zeitung. „Aber so lange es rechnerisch möglich ist, glauben wir daran, den Klassenerhalt noch schaffen zu können. Unsere Jungs werden in Kiel alles geben.“

Das muss der 49-Jährige natürlich sagen, schon allein um einen Spannungsabfall in seiner Mannschaft zu vermeiden. Aber faktisch spricht wenig bis nichts für eine Rettung. Bittere Ironie: Die Abwärtsspirale begann mit der 1:3-Hinspielniederlage gegen Holstein am 20. November. Seitdem hat der VfB die Abstiegsränge nicht mehr verlassen und trägt gar seit der 1:2-Heimniederlage ausgerechnet gegen das andere Liga-Urgestein Erfurt am 25. Spieltag ununterbrochen die Rote Laterne. Vor der Heimschlappe gegen Kiel hatte der damalige Coach Jürgen Kramny noch gesagt, die U23 habe sich „stabilisiert und an Glauben gewonnen“. Vier Tage nach dem Spiel wurde Kramny von der VfB-Führung als vermeintlicher Retter in die Bundesliga hochgezogen, Assistent Thomae übernahm die gleiche Aufgabe zwei Etagen tiefer. Die Statistik des gebürtigen Mettersdorfers ist allerdings ernüchternd: In 18 Spielen gab es drei Siege, sechs Remis und neun Niederlagen. Die aktuelle Bilanz seit dem letzten Dreier am 12. März (3:1 bei Fortuna Köln): ein Unentschieden, vier Niederlagen.

Den kaum noch zu verhindernden Fall in die Regionalliga Südwest empfinden die Stuttgarter als besonders bitter, „weil wir von unserem Konzept überzeugt sind. Die Nachwuchsspieler müssen in der Dritten Liga alles geben und werden dadurch besser. Das funktioniert so in der vierten Klasse nicht“, erläuterte Thomae, der nicht wirklich an einen direkten Wiederaufstieg glaubt. „Das wird schwer. Bei der Zusammenstellung des Kaders gibt es so viele Wenns und Abers. Und sollte die Bundesliga-Mannschaft absteigen, erhalten vielleicht einige unserer Spieler Verträge für die Zweite Liga.“ Dabei schien es seit 2008 lange so, als sei der VfB II analog zum Erstliga-Dino Hamburger SV „unabsteigbar“. In den ersten vier Spielzeiten liefen die Schwaben als Zehnter oder Elfter ein, in den drei Saisons von 2012 bis 2015 reichte es mit den Rängen 14, 15 und 13 immerhin für hinreichende Abstände zu den Abstiegsrängen.

VfB-Sportvorstand Robin Dutt macht immerhin den Trainer nicht allein für die Misere der „Zweiten“ verantwortlich. „Mein Vertrag läuft zwar im Sommer aus, aber es gibt Signale, dass ich weiter für den VfB arbeiten kann“, sagte Thomae, der sich am Sonnabend Holsteins 0:0 bei der SG Sonnenhof Großaspach vor Ort anschaute und bei der Bewertung seines nächsten Gegners die Ansichten so ziemlich aller Drittliga-Trainer teilte. „Ich war überrascht, dass eine Mannschaft von dieser Qualität in der Tabelle so weit unten steht. Die Verantwortlichen haben mit guten Transfers einen guten Spieler-Mix hergestellt. Die Probleme dieses Teams verdeutlichen, wie schwierig es ist, in der Dritten Liga zu bestehen. Ohne Konstanz geht es nicht. Und die hinzukriegen, das war nach dem so knapp verpassten Zweitliga-Aufstieg aus psychologischer Sicht nicht einfach.“ Eine gute Motivation werden am Sonnabend indes auch die VfB-Youngster brauchen.

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