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Rabatt für Dauerkartenkunden

Holstein Kiel Rabatt für Dauerkartenkunden

Sozialromantik kontra Kommerz! Im Rahmen dieses ewig jungen Duells im Profisport erwiesen sich jene 170 Haupttribünen-Dauerkartenkunden des Drittligisten KSV Holstein, die zu Gunsten zahlungskräftiger oder -willigeren Sponsoren ihren Platz räumen sollen, ehrenwert streitbar. Im Zuge einer Diskussion, die den speziellen Charme der Fußballstadt Kiel unterstreicht.

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Stürmende Störche vor der Haupttribüne: Die Vertreibung von 170 Kartenbesitzern von diesen Sitzplätzen zugunsten von VIP-Kunden geschieht nun mit einem generösen Angebot.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Montagabend, Ortstermin VIP-Raum Holsteinstadion. Ein Großteil der 170 betroffenen Personen waren der Einladung von Störche-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke und Präsident Roland Reime zu einer persönlichen Aussprache gefolgt. Doch schnell stellte sich bei aller Sachlichkeit und gegenseitigem Respekt heraus, dass die im Raum stehende Holstein-Offerte auf breite Ablehnung stieß. Statt, wie von den Störche-Verantwortlichen erhofft, die Möglichkeit eines Sitzplatztausches auf die Vor- oder Gegentribüne zu nutzen, war bei zahlreichen Wortbeiträgen der „Umsiedler“ vom Ende der Treue zur KSV Holstein die Rede. Die Missachtung von 30-, 40- oder gar 60-jähriger Gefolgschaft bei Störche-Heimspielen – gerade in sportlich schlechteren Zeiten – wurde verbal ebenso gebrandmarkt wie die fehlerhafte Kommunikation im Zusammenhang mit der angedachten Maßnahme seitens des Vereins. Unverständnis wurde geäußert, warum die auf Karten für die komplett ausverkaufte Haupttribüne wartenden „Event-Fans“ unbedingt in der Halbzeitpause der Heimpartien zügig in den VIP-Raum kommen und deshalb, so die Argumentation von Schwenke, die Plätze auf der vermeintlichen „Filetseite“ der altehrwürdigen Arena erhalten müssen. Ob den Sponsoren ein Platz auf der Gegentribüne nicht zuzumuten sei?

 5000 Euro, so das Rechenbeispiel Schwenkes, zahle der potenzielle Neu-Sponsor minimal für zwei Haupttribünen-Plätze. Das bringe im Optimalfall ein Plus im Vergleich zur aktuellen Finanzlage, so Reime, von rund 400.000 Euro. Das seien acht Prozent des Gesamtetats des Vereins von rund 5,5 Millionen Euro, wovon allein 3,6 Millionen Euro für das Zugpferd des Klubs, die Drittliga-Mannschaft inklusive Trainer-, Betreuer- und Medizinstab, veranschlagt seien. Auch werde im Zusammenhang mit den durch die Feuerschutz-Vorgaben erforderlichen, kostenintensiven Umbaumaßnahmen am Stadion die Qualität im Bereich Catering und Toiletten verbessert. Zahlen und Argumente, die die zunehmende Frustration unter den sich als „Fans zweiter Klasse“ abqualifiziert fühlenden Betroffenen trotz der Freigetränke und des warmen Buffets nicht mindern konnten.

 Dann ergriff Michael Gräber das Wort, verwies auf eine E-Mail der Störche an alle Dauerkarten-Inhaber vom 12. Juni, in der sowohl die neue Preisgestaltung als auch die Termine des Vorkaufsrechtes erläutert worden seien, in keiner Zeile aber der Hinweis auf die angedachte „Umsiedlung“ Erwähnung gefunden habe. Er, so Gräber, sei erst durch die Presseinformationen in den Kieler Nachrichten darauf aufmerksam geworden und wolle nunmehr zügig seine ihm nach seiner Überzeugung zustehende Dauerkarte auf der Haupttribüne kaufen. Burghard Leo unterstützte Gräber, stellte die rechtliche Grundlage für eine seitens des Vereins einseitige Kündigung des Vertragsverhältnisses in Frage. Er, so Leo, habe kurzfristig in Erwägung gezogen, eine einstweilige Verfügung auf sein Sitzplatzrecht zu erwirken. Ein Gedanke, der Leos Mitstreitern neuen Offensivgeist einhauchte. Plötzlich machte der Begriff „Sammelklage“ die Runde.

 Im Angesicht dieser vom Verein auch mit Blick auf die nachhaltige Imageschädigung nie real ins Auge gefassten Konfrontation rückte Reime Fehlinterpretationen ins rechte Licht: „Unsere Bitte an Sie beruht selbstverständlich auf dem Prinzip der Freiwilligkeit.“ Und plötzlich offerierte Schwenke den staunenden Gästen noch ein weiteres Schmankerl. Wer auf die Vor- oder Gegentribüne wechsele, müsse bei rechtzeitigem Kartenerwerb nur für 14 statt der insgesamt 19 Heimspiele zahlen – und das nicht nur in der anstehenden Saison, sondern auch im Spieljahr 2016/17. Ein echter Salto vorwärts bei einer denkwürdigen Montags-Demo im VIP-Raum des Holsteinstadions.

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Foto: Holstein Kiels Geschäftsführer Wolfgang Schwenke „kann sehr gut nachvollziehen, dass die Personen, die nach 25 Jahren ihren Sitzplatz auf der Haupttribüne verlassen sollen, traurig oder sauer sind“.

Die Aufregung um die Preiserhöhung für Heimspiele des Fußball-Drittligisten Holstein Kiel ist groß. Immenser Unmut herrscht zudem unter den 170 Störche-Anhängern, die von der Haupttribüne auf die Vortribüne oder die Gegengerade wechseln sollen. Im Interview mit dieser Zeitung bezieht Störche-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke Stellung zu dem Balanceakt zwischen den aus seiner Sicht wirtschaftlichen Notwendigkeiten und des für ihn zum sportlichen Erfolg unabdingbaren Wir-Gefühls auch zwischen Zuschauern und Mannschaft.

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