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Lewerenz schnürt einen Dreierpack

Holstein Kiel Lewerenz schnürt einen Dreierpack

Fußball-Drittligist Holstein Kiel ist der Befreiungsschlag gelungen. Mit einem verdienten 5:2 (4:1)-Heimerfolg über den Chemnitzer FC vergrößerten die im Kollektiv in weiten Teilen überzeugenden Störche vor 4126 Zuschauern zur Erleichterung aller Beteiligten das Polster zu den drei Abstiegsrängen.

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Mit drei Treffern und glänzender Vorarbeit verhalf Steven Lewerenz Holstein zu drei Punkten.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel . Ein Vier-Tore-Feuerwerk zwischen der 10. und 29. Minute brachte nach frühem Rückstand die Vorentscheidung. Zum Matchwinner avancierte KSV-Flügelflitzer Steven Lewerenz, der gleich drei Böller gegen die bösen Geister zündete. Ein klares Signal der Enttäuschung über den jüngsten Sinkflug der Störche verriet allerdings beim Anpfiff der Blick auf die Tribünen. Spärlicher als am Sonnabendnachmittag waren die Ränge in dieser Saison noch nicht besetzt. Doch die Anhänger, die aus Frust über die Kieler Leistungen in diesem Spieljahr – speziell bei Heimauftritten (zwei Siege, drei Remis, fünf Niederlagen) - nicht gekommen waren, hatten mit ihrem Fernbleiben einen schweren Fehler gemacht.

Zwar lagen die Blau-Weiß-Roten, die ohne Maik Kegel (Muskelfaserriss in der Hüfte) in identischer Startformation wie beim jüngsten 1:2 in Bremen begannen,  gegen die diesmal in rot-schwarze Sportkleidung geschlüpften „Himmelblauen“ aus Sachsen nach nur neun Minuten im Hintertreffen. Philipp Türpitz hatte das zu zögerliche Abwehrverhalten von Eidur Sigurbjörnsson und Patrick Kohlmann mit einem Schuss aus zwölf Metern zur FCF-Führung bestraft. Was sich dann aber im Holsteinstadion abspielte, gab’s in der KSV-Drittliga-Zugehörigkeit seit 2013 noch nicht.

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Keine 60 Sekunden nach dem Rückstand traf Gästekeeper Marius Gersbek bei seiner Premiere im Chemnitzer Trikot bei einem Schussversuch ohne Not aus dem eigenen Strafraum heraus den Rücken seines Kollegen Marc Endres. Der Ball prallte Lewerenz (10.) vor die Füße, der nicht fackelte und die Kugel aus gut 20 Metern zum Ausgleich ins leere Tor zirkelte.

Nun war sie da, die von Holstein-Cheftrainer Karsten Neitzel im Vorfeld geforderte „breite Brust“. Wie in der 17. Minute, als sich Rafael Czichos, Tim Siedschlag, Fabian Schnellhardt sowie Lewerenz zwecks Absprache eines Freistoßtricks zu einem Gesprächskreis zusammenfanden. Fast schienen sie uneins, dann zirkelte Lewerenz den Ball exakt ins linke untere Eck zum Kieler 2:1. Riesenjubel unter den Störche-Fans, der noch größer wurde, als Gersbeck die 18-m-Flattermiene Kohlmanns nur abklatschen konnte und KSV-Neuzugang Mathias Fetsch (26.) zum 3:1 abstaubte.

"Heine raus, Heine raus!"

Die Krönung des ersten Durchgangs gebührte indes dem stark auftrumpfenden Willi Evseev (29.). Nach schneidiger Vorarbeit von Lewerenz und Patrick Herrmann rollte die Kugel zur Leihgabe aus Nürnberg. Eine gute Ballannahme, eine schnelle Drehung im CFC-Strafraum, ein traumhafter Schlenzer in den Winkel des Sachsen-Gehäuses – und perfekt war das 4:1. Begriffe wie Heimkomplex oder Chancenwucher standen nach diesen 19 magischen Minuten urplötzlich auf den Index der Störche. Die CFC-Schlachtenbummler skandierten derweil ob des Jahres-Kaltstartes ihres prominent verstärkten, aber sichtbar nicht eingespielten Teams die Ablösung des Coaches: „Heine raus, Heine raus!“

Nach nur fünf Minuten Pause schickte der Gescholtene seine Profis wieder auf den Rasen. Abermals Türpitz (50.) per Präzisionsfernschuss aus 25 Metern bewies mit seinem 4:2 schnell, dass noch Leben in der zuvor verunsichert bis ins Mark wirkenden Chemnitzer Truppe steckte. Die Gastgeber schalteten auf dem trotz der Regengüsse in der Nacht und am Vormittag gut bespielbarem Rasen in den Verwaltungs-Modus zurück. Gerieten aber trotz Spannungsabfalls und intensivierter Chemnitzer Offensivbemühungen nicht ernsthaft in Gefahr. Im Gegenteil, Lewerenz schnürte nach erneutem Gastgeschenk (ein verunglückter Rückpass des eingewechselten Jan Koch) mit Feingefühl im Fuß seinen Dreierpack zum 5:2. Die engültige Entscheidung in diesem unterhaltsamen Duell honorierten die Holstein-Fans mit „Oh, wie ist das schön“-Gesängen. Sie übertönten erfreulicherweise die peinlichen Rufe einiger geistig Verwirrter,  die zuvor „Ossischweine“ skandiert hatten.

Der leicht in die Schusslinie der Kritik geratene Neitzel, der gebürtige Dresdner, behielt auch in der Stunde des befreienden Triumphes klaren Kopf. „Wir haben nach dem 1:2 in Bremen nicht zu sehr geweint und werden heute auch nicht auf dem Tisch tanzen. Wichtig war zu sehen, dass die Mannschaft einen Rückstand drehen und dass sie auch mehr als ein oder zwei Tore schießen kann. In Bremen haben wir die Geschenke des Gegners nicht angenommen, heute schon. Jetzt müssen wir am kommenden Sonntag in Köln einen zweiten Dreier nachlegen.“

Holstein Kiel: Zentner – Herrmann, Sigurbjörnsson, Czichos, Kohlmann – Siedschlag – Lewerenz (73. Schäffler), Evseev (62. Schmidt), Schnellhardt – Fetsch, Heider (84. Weidlich).

Chemnitzer FC: Gersbeck – Stenzel, Röseler (81. Uzoma), Endres, Bittroff (46. Koch) – Dem, Danneberg – Türpitz, Cincotta (46. König) – Frahn, Fink.

Schiedsrichter: Peter Sippel (München) – Tore: 0:1 Türpitz (9.), 1:1 Lewerenz (10.), 2:1 Lewerenz (17.), 3:1 Fetsch (26.), Evseev (29.), 4:2 Türpitz (50.), 5:2 Lewerenz (72.)  – Zuschauer: 4126 – Gelbe Karten: Herrmann, Lewerenz/-.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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