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Störche verlieren gegen SV Wehen Wiesbaden

Holstein Kiel Störche verlieren gegen SV Wehen Wiesbaden

Holstein Kiel konnte am Sonnabend nichts in Wiesbaden holen: Mit 3:1 (2:0) fegte SV Wehen Wiesbaden die Störche vom Platz.

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Die KSV Holstein musste sich in Wiesbaden geschlagen geben.

Quelle: Uwe Paesler

Wiesbaden. Nach fünf Spielen in Folge ohne Niederlage mit nur einem Gegentreffer hatte Fußball-Drittligist Holstein Kiel vom Vormarsch in der Tabelle geträumt. Beim SV Wehen Wiesbaden stürzten die Störche brutal aus dem Reich der Illusion ab. Nach der keineswegs unverdienten 1:3 (0:2)-Auswärtsniederlage gegen zuvor kriselnde Hessen befinden sich die Nordlichter im Anflug auf den Abstiegskampf. Mit einer weiteren Schlappe im kommenden Heimspiel gegen Spitzenreiter Dynamo Dresden könnte es gar frostig werden im Tabellenkeller. 

Tiefkühl-Atmosphäre schon vor dem Anpfiff in Wiesbaden. Die obligatorische abgespielte Fußball-Hymne wurde angesichts der gähnend leeren Ränge in der Brita-Arena kurzfristig in „You’ll always walk alone“ umgetauft. Die rund 30 (!) in weiße Shirts gekleideten Ultras des SVWW hatten ob der Fusionspläne der Rot-Schwarzen mit Wiesbaden 1899 eine „machtvolle“ Demonstration angekündigt. Und tatsächlich schlich sich das Grüppchen nach 19 Minuten und 26 Sekunden von dannen. Ein symbolischer Akt, passend zum Gründungsjahr des SV Wehen.

Immerhin, die 1:0-Führung des in heimischen Gefilden ungeschlagenen Gastgebers hatten sie noch live im Stadion miterlebt. Bei der ersten nennenswerten Offensivaktion der Hessen hatte zunächst Manuel Zentner einen 14-m-Schuss von Marc Lorenz pariert. Beim Nachschuss von der Strafraumgrenze durch Torsten Oerl (18.) indes war der Holstein-Torwart machtlos. Vorausgegangen war ein leichtes, aber nicht geahndetes Foulspiel von Lorenz an Denis-Danso Weidlich.

Gerade vor den Kontern des SVWW über das pfeilschnelle Trio David Blacha, Luca Schnellbacher und Lorenz hatte Störche-Cheftrainer Karsten Neitzel seine Mannen gewarnt. Mahnende Worte, die nach dem Kieler Rückstand noch mehr an Bedeutung gewannen. Patrick Funk (25.) verfehlte nach Turbo-Umschaltspiel eine Lorenz-Flanke über Zentimeter. Der frei stehende Oerl (36.) scheiterte an Zentner. Nach Lorenz-Freistoß aber spielte der aus Braunschweig zum SVWW gewechselte Oerl seine Körpergröße aus, übersprang Bewacher Rafael Czichos und köpfte mit seinem vierten Saisontreffer zum 2:0 ein. Getreu dem Motto: Ohne den Druck des eigenen Anhangs mitten hinein ins Glück!

Konträr die Situation bei den von rund 200 Schlachtenbummlern lautstark angefeuerten Störchen. Dabei hatte Neitzel seine Formation nach vier Nullnummern in den vergangenen 450 Drittliga-Minuten zu einem personellen Überraschungspaket geschnürt. Kapitän Tim Siedschlag agierte als hängende Spitze hinter oder neben Marc Heider. Mit Steven Lewerenz und dem völlig wirkungslosen Manuel Janzer sollten zwei „gelernte“ Außenspieler auf den Flügeln sprinten. Top-Techniker Fabian Schnellhardt schlüpfte im zentralen Mittelfeld in die Rolle des wegen Gelbsperre pausierenden Maik Kegel. Und für den auf die Bank beorderten Innenverteidiger Dominik Schmidt rückte Denis-Danso Weidlich ins Abwehrzentrum der Störche.

Der ausgetüftelte Matchplan inklusive ständiger Rochaden entpuppte sich in der Umsetzung als Schlag ins Nichts. Denn trotz der optischen Überlegenheit und der gewohnt gefälligen Ballzirkulation fehlte gegen die mit vergleichsweise schlicht zu Werke gehenden Hessen vor allem an der gegnerischen Box der letzte Zug, der allerletzte Wille zum Tor – oder einfach ausgedrückt: die Qualität. Janzer und Evans Nyarko (12.) verfehlten bei den wenigen Chancen das Ziel. Heider (22.) rutschte drei Meter vor dem SVWW-Gehäuse knapp an einer Lewerenz-Freistoßflanke vorbei.

An dem Bild der Talfahrt mit Spielkultur änderte sich auch nach dem Wechsel wenig. Auch deshalb, weil auch in hinteren Regionen die entscheidenden Zweikämpfe verloren gingen. Der für Janzer eingewechselte Manuel Schäffler (48.) prüfte per Kopfball Keeper Markus Kolker. Schnellhardt (59.) scheiterte aus Nahdistanz. Dazwischen aber war die Vorentscheidung zu Ungunsten der Störche gefallen. Nach einem Weidlich-Haltegriff gegen Schnellbacher entschied Schiedsrichter Tobias Reichel trotz aller Kieler Proteste auf Strafstoß. Eien vertretbare Entscheidung. Wiesbadens Routinier Nils-Ole Book (57.) ließ sich nicht zweimal bitten, versenkte die Kugel eiskalt zum 3:0. Das 1:3 durch Czichos nach Lewerenz-Ecke, der achten (!) für die Störche, war lediglich Ergebnis-Kosmetik.

„Es war nicht alles schlecht. Aber zu wenig Spieler hatten bei uns Normalform. Wir haben vorne und hinten zu lange gebraucht, um uns in wichtigen Situationen zu entscheiden. Dieses Ergebnis wirft uns sicher ein Stück weit zurück“, sagte Neitzel nach Spielschluss.

 

Wehen Wiesbaden: Kolke – Funk, Dams, Geyer, Mintzel – Book (59. Mrowca), Pezzoni – Blacha (89. Schindler), Oerl, Lorenz (82. Vitzthum) – Schnellbacher.

Holstein Kiel: Zentner – Herrmann, Weidlich, Czichos, Kohlmann – Siedschlag, Nyarko (88. Guder) – Lewerenz (77. Wirlmann), Janzer (46. Schäffler) – Siedschlag – Heider.

Schiedsrichter: Tobias Reichel (Stuttgart) – Tore: 1:0 Oerl (18.), 2:0 Oerl (38.), 3:0 Book (57./Foulelfmeter), 3:1 Czichos (73.) – Zuschauer: 2224 – Gelbe Karten: Lorenz, Mrowca, Pezzoni/Kohlmann, Siedschlag, Schnellhardt, Nyarko.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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Kommentar

1:3 in Wiesbaden – Schwamm drüber, nur eine ärgerliche Niederlage für den Fußball-Drittligisten Holstein Kiel? Nein! Selten, vielleicht nie in seiner Amtszeit an der Förde wirkte Cheftrainer Karsten Neitzel so ratlos, so demoralisiert wie nach diesem sportlichen Rückschlag. Nicht nur die näher rückenden Abstiegsränge schienen an der mentalen Kraft des 47-Jährigen zu nagen.

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