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Teamgeist als Wendetherapie

Holstein Kiel Teamgeist als Wendetherapie

Mit dem 3:2 im Trikot von Werder Bremen II hat Ex-Storch Rafael Kazior selbst dazu beigetragen, dass Holstein Kiel auf dem letzten Tabellenplatz steht. Dennoch leidet der Ex-Kieler mit seinem alten Verein mit.

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Ihr letzter großer gemeinsamer Auftritt am 2. Juni: Marlon Krause (li.) beglückwünscht Rafael Kazior (re.) zu dessen Treffer zur 1:0-Führung im Relegations-Rückspiel bei 1860 München in der Allianz Arena.

Quelle: imago

Kiel/Bremen. Am Tag danach zwickten seine Muskeln, hier und da schillerten nach eigener Aussage auf seinem Körper ein paar blaue Flecke. Und doch war Rafael Kazior guter Dinge. Kein Wunder, hatte doch „sein“ Fußball-Drittligist Werder Bremen II dank eines 3:2-Heimsieges gegen Chemnitz das Tabellenende verlassen. „Wir hätten sogar höher gewinnen können, ich alleine hatte noch zwei Großchancen auf dem Fuß. Aber nachdem unsere junge Mannschaft zu Saisonbeginn teilweise noch Lehrgeld gezahlt hat, sind wir jetzt auf einem guten Weg“, so der 32-Jährige, der mit einem verwandelten Foulelfmeter selbst zum Erfolg der Grün-Weißen am vergangenen Sonntag beigetragen hatte.

 Und damit zugleich seinen Beitrag leistete, dass die Rote Laterne jetzt in Kiel steht. Ausgerechnet bei jenem Klub, dessen Kapitän er in den vergangenen drei Jahren gewesen war und dessen Fans seinen Abschied im Sommer noch heute bedauern. „Mir blutet zwar nicht das Herz, aber ein bisschen traurig ist das schon“, sagt Kazior zum akuten Absturz der Störche. Die Relativierung für den Kieler Fall folgt auf dem Fuß: „Das ist eine Momentaufnahme. Sicher keine schöne. Aber wenn sie bei Holstein trotz des öffentlichen Drucks und der Enttäuschung der Fans Ruhe bewahren, bin ich sicher, dass sie da unten wieder herauskommen.“

 Aus seinen Worten spricht die Erfahrung von mittlerweile 14 Profijahren. Auch beim Höhenflug in der vergangenen Saison seien die sportlich Verantwortlichen realistisch im Kopf geblieben. „Es zählen halt nur Ergebnisse. Und da muss man sich jetzt in kleinen Schritten stabilisieren. Da können auch Unentschieden helfen. Das Schwerste im Fußball ist halt die Konstanz“, so Kazior, der sagt, er nutze jede Gelegenheit, die Auftritte der Störche via Stream-, TV-Liveübertragung oder KN-Liveticker zu verfolgen.

 Nach den Abgängen wichtiger Spieler und dem immensen Verletzungspech benötige die neu formierte Holstein-Mannschaft auch Zeit. Unerschütterliches Vertrauen setzt er per Ferndiagnose in Cheftrainer Karsten Neitzel und dessen Funktionsteam: „Kalle hat unserer Regionalliga-Rumpftruppe nach dem Drittliga-Aufstieg 2013 ein System verpasst. Und trotz aller Probleme im ersten Drittligajahr daran festgehalten. Jetzt alles über den Haufen zu werfen, bringt gar nichts.“ Und dann schiebt Ex-Leitstorch Kazior einen Satz nach, bei dem allen KSV-Neuzugängen die Ohren klingeln sollten: „Die Spieler, die länger mit Kalle zusammen gearbeitet haben, wären für ihn ohne Hemmungen durch die Scheibe gesprungen.“

 Eine Beschreibung, die Marlon Krause im Rückblick auf das Vorjahr unterschreiben würde. Der Noch-Kapitän der Störche, der nach seinem zweiten Kreuzbandriss binnen 24 Monaten in der Reha intensiv an der Wiederherstellung seiner Fitness arbeitet, steht in regelmäßigem Austausch mit Kazior, seinem „guten Kumpel“ und Vorträger der Mannschaftsführerbinde. „Ich bin zurzeit zwar nicht direkt beim Team, aber der Tabellenstand tut schon weh“, sagt der 25-Jährige, der nach Ende des Spieljahres nach gescheiterten Vertragsverhandlungen das Nest der Störche verlassen wird. Sein Rat für die Krisenbewältigung auf dem Rasen entspricht zu gleichen Teilen den realen Erfordernissen und seinem Naturell als Kämpfer: „Jeder Spieler muss sich zu 100 Prozent in seine Aufgabe hinein knien. Seinem Kollegen nach Fehlern ohne Zögern helfen und einfach spielen. So ist nun einmal die Dritte Liga.“

 Die B-Note für mehr Ballbesitz und optische Dominanz reiche nicht, es gelte, das Schicksal zu zwingen. Einen Vergleich zwischen der KSV-Mannschaft des Vorjahres und der aktuellen lehnt Krause ab. „Zurück zu blicken, hilft niemandem. Was zählt, ist das Jetzt.“ Und deshalb verweist der „Aggressiv Leader“ der Vergangenheit auf die positiven Beispiele der Gegenwart. „Klar, Spitzenreiter Dynamo Dresden hat mit Eilers und Stefaniak klasse Einzelspieler. Aber die kommen wie auch Großaspach (am kommenden Sonnabend um 14 Uhr Gast in Kiel/Anm. der Redaktion) vor allem über ihre mannschaftliche Geschlossenheit zu ihren Erfolgen.“Zwei namhafte Protagonisten des in Schieflage befindlichen Kieler Fußball-Flaggschiffs, ein zwecks Wende zum Guten unabdingbarer Begriff: Teamgeist!

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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