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Stöver spricht von Selbstüberschätzung

Holstein Kiel Stöver spricht von Selbstüberschätzung

Der Blick auf die Tabelle ist für den Fußball-Drittligisten Holstein Kiel trügerisch. Rang zwölf neun Spieltage vor dem Saisonende, was soll da noch schiefgehen? Doch weit gefehlt. Der Vorsprung zum ersten der drei Abstiegsplätze beträgt magere drei Zähler. Bei Uwe Stöver schrillen deshalb die Alarmsirenen.

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Düstere Aussichten: Holsteins Sportchef Uwe Stöver setzt im Abstiegskampf verstärkt auf Einzel und Gruppengespräche. Motto: Hilfe zur Selbsthilfe.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Der Tabellen-18. Energie Cottbus liegt noch eine Partie im Rückstand. Dazu lässt der Leistungsabfall der Störche in den vergangenen drei Begegnungen und die angespannte Personal-Situation die Alarmsirenen laut schrillen. Auch bei Uwe Stöver. „Wir müssen jetzt in die Köpfe der Spieler kommen“, sagt der Geschäftsführer Sport vor dem Heimspiel gegen Aufstiegsanwärter Aue am Sonnabend (14 Uhr) im Interview.

Herr Stöver, nach dem jüngsten 1:2 gegen Cottbus gab es aus dem Kreis der Spieler mehr oder minder unverhohlene Kritik – ohne Namen zu nennen – an der Einstellung des einen oder anderen Kollegen. Ist unter dem Dach der Störche ein Feuer ausgebrochen?

Uwe Stöver: Grundsätzlich finde ich es gut, wenn bestimmte Dinge klar angesprochen werden. Das ist bis zu einer gewissen Grenze legitim. Es ist doch klar, dass Fragen aufkommen, wenn es sportlich nicht läuft. Wie zeigen wir uns als Mannschaft, wie eng rücken wir zusammen?

Cottbus-Coach Vasile Miriuta hat vor dem Spiel in Kiel Verteidiger Hübener wegen der Verbreitung schlechter Stimmung in die U23 verbannt, Flügelspieler Bouziane wegen anhaltender Formschwäche kurzfristig aus dem Kader geworfen. Wie reagiert die KSV Holstein auf ihre Talfahrt?

Das ist jetzt nicht der Zeitpunkt, an dem wir jemanden verbannen. Aber natürlich, die Diskrepanz in der Leistung der letzten drei Spiele zu den ersten fünf 2016 irritiert mich auch. Wir befinden uns als Mannschaft zurzeit unter der 50-Prozent-Grenze des Leistungsvermögens, wo wir zuvor an die 95 Prozent herangekommen sind. Wenn fünf, sechs Spieler deutlich unter Durchschnittsform agieren, können wir das nicht kompensieren. Wir suchen in Einzel- und Gruppengesprächen nach Gründen. Gibt es private Probleme, gibt es Zukunftssorgen wegen auslaufender Verträge? Wir müssen in die Köpfe der Spieler kommen. Wir wollen ihnen helfen. Aber wenn einer partout nichts annehmen möchte, muss man weitersehen. Wir brauchen jeden Mann, aber nur denjenigen, der wirklich will.

Hat die Englische Woche zu viel Substanz gekostet?

Das glaube ich nicht. Cottbus beispielsweise hatte einen Tag weniger Zeit zur Erholung als wir. Und unsere Trainingsarbeit war gut dosiert. Ein Profi benötigt 48 bis 72 Stunden Zeit, um vollständig zu regenerieren. Wenn er sich richtig ernährt und ausreichend schläft. Negativ könnte sich dagegen ausgewirkt haben, dass wir durch Sperren und Verletzungen im Gegensatz zu den ersten fünf Begegnungen des Jahres die Formation immer wieder verändern mussten.

In der vergangenen Saison war der Teamgeist das große Holstein-Plus. Jetzt zählen mit Robin Zentner, Fabian Schnellhardt und Willi Evseev drei Leihspieler, die Kiel im Sommer wieder verlassen, ebenso zum Stammpersonal wie etwa der seiner Form hinterher laufende Maik Kegel, dessen Kontrakt am 30. Juni endet. Echte Anführer wie im Vorjahr ein Rafael Kazior sind nicht zu erkennen. Wie viel Holstein-Herz steckt im Störche-Kader?

Das wird sich zeigen. Ein einzelner Anführer ist mit Blick auf die Hierarchie einer Mannschaft nicht zwingend erforderlich. Was passiert, wenn der sich das Kreuzband reißt? Die Verantwortung kann sich auch auf mehrere Schultern verteilen. Routinierte Leute wie Tim Siedschlag, Rafael Czichos, Marc Heider, Patrick Kohlmann, Mathias Fetsch oder auch Patrick Herrmann mit seiner mentalen Stärke sind jetzt gefordert. Auch um Mitspieler vor einer möglichen Selbstüberschätzung zu bewahren. Jeder Spieler ist selbst dafür verantwortlich, in welcher Liga er spielt. Zwei oder drei gute Auftritte genügen nicht, um sich für eine höhere Spielklasse zu empfehlen. Es geht immer um Konstanz. Für den Einzelnen und für die Mannschaft. Vielleicht hat auch das 1:0 gegen Aalen zu Beginn der Englischen Woche für das Gemeinschaftsgefühl gesorgt: Wir haben einmal schlecht gespielt und trotzdem gewonnen, was soll jetzt noch passieren?

Ab Platz 14 haben alle Vereine der Dritten Liga ihren Trainer ausgetauscht. Zu Wochenbeginn musste Sven Demandt in Wiesbaden seinen Hut nehmen. Eine vernünftige Maßnahme im Existenzkampf?

Das muss jeder Klub für sich selbst entscheiden. Für mich zählen nur ganz bestimmte Faktoren: Wie sehr setzt sich der Trainer mit seiner Arbeit auseinander? Kommt er eine Viertelstunde vor Trainingsbeginn und geht 15 Minuten danach wieder nach Hause? Wie intensiv ist die Auseinandersetzung mit dem Gegner? Wie fit sind die Spieler unter sportmedizinischen Aspekten? Werden sie in der Gruppe und auch individuell per Video-Studium geschult? Wie ist das Verhältnis vom Trainer zur Mannschaft? Karsten Neitzel erfüllt derartige Kriterien zu unserer vollen Zufriedenheit.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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