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Verzögerter Leistungsanspruch

Holstein Kiel Verzögerter Leistungsanspruch

Unter deutschen Profifußball-Trainern kursiert die These, dass der Unterschied zwischen einem Bundesliga- und einem Drittliga-Spieler oftmals weniger in den Beinen als vielmehr in den Köpfen zu suchen ist.

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Ging als einer der besten Mittelstürmer seiner Zeit immer dahin, wo’s wehtut: Heiko Herrlich im Dortmunder Trikot (re.) am 23. August 1997 im Luftkampf mit Thomas Waldoch vom VfL Bochum.

Quelle: imago

Regensburg/Kiel. Das glaubt auch Heiko Herrlich, Trainer des SSV Jahn Regensburg, nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Erfahrung als erstklassiger Mittelstürmer sowie der aktuellen Entwicklung seines Drittliga-Teams. Die Oberpfälzer gastieren als punktgleicher Tabellennachbar (21 Zähler) am Sonnabend um 14 Uhr bei Holstein Kiel.

Nach dem Aufstieg aus der Regionalliga hatten die Regensburger einen Traumstart mit drei Siegen und zweimaliger Tabellenführung hingelegt. Doch danach ging’s im Zickzack bergab bis auf Rang 15 am 14. Spieltag, maßgeblich verursacht durch zuletzt vier Spiele in Folge, aus denen nur ein Punkt hervorging. Diese Bilanz hat Herrlich nachhaltig verärgert. „Wir haben ein großes Problem mit unserer Konstanz. Es gibt im Kader einige Topspiel-Allesgeber, die jedoch gegen so genannte kleine Teams nur 98 Prozent abrufen. Es fehlt die absolute Gier nach Erfolg“, konstatiert der 44-Jährige. Die erste Konsequenz zog er am vergangenen Sonnabend gegen Wehen Wiesbaden, als er seine Startelf auf fünf Positionen veränderte. Der Effekt war ein souveräner 3:1-Erfolg.

Damit sind die Kredite für die etablierten Kräfte aufgezehrt, und auch in der beschaulichen Domstadt herrscht nun der reine Konkurrenzkampf. „Das gibt uns jetzt ganz andere Optionen“, frohlockt der Coach und vertieft das Thema Leistungsunterschied in den drei deutschen Profiligen. „Über das Niveau entscheiden oft nicht die fußballerischen Fähigkeiten, sondern die Bereitschaft, alle drei Tage 100 Prozent abzurufen.“ In diesem Sinne verlangt Herrlich ab sofort vollen Einsatzwillen, wohl wissend, das mit dem Erfolg über Wiesbaden (noch) keine Garantie verbunden ist, dass die Spieler diese Vorgabe immer und überall umsetzen. „Das ist ein Prozess, auf den ich immer wieder hinweisen werde.“ Wozu seine Männer fähig sind, hätten sie am 21. August in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals gezeigt, als sie dem Erstligisten Hertha BSC erst nach Elfmeterschießen mit 4:6 unterlagen.

Im Punktspiel-Alltag bewirkt der Aufstiegs-Erfolg noch eine gewisse Demut. „Wir wollen jetzt erst einmal in der Dritten Liga bleiben“, erläutert Herrlich, aber: „Langfristig sollten wir schon das Potenzial für die Zweite Liga entwickeln.“ Mit der im Juli 2015 eingeweihten Continental Arena, einem Schmuckkästchen für 15224 Zuschauer, sind beste bauliche Bedingungen für sportlichen Erfolg geschaffen worden. „In der vergangenen Regionalliga-Saison hatten wir im Schnitt 6600 Zuschauer. Mit dem Neubau hat die Stadt Regensburg das richtige Zeichen gesetzt“, ist Herrlich sehr froh über das Engagement der Stadion-Eigentümerin.

Der Auftritt im Holstein-Stadion hat somit für die Bayern nostalgischen Charakter, ist jedoch sportlich „ein Highlight“, wie Herrlich betont. „Der Kieler Kader ist für einen Spitzenplatz gut, besonders auffällig ist die Heimstärke. Aber wir planen keine Kaffeefahrt an die Förde.“ Schon klar, denn jetzt zählt nur 100 Prozent Leistung.

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