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Vom Fehlerteufel zum Muster-Joker

Holstein-Kiel Vom Fehlerteufel zum Muster-Joker

Als er am 25. Juni des vergangenen Jahres beim Fußball-Drittligisten Holstein Kiel anheuerte, stellte sich vor allem eine Frage: Extrovertierter „Bad Boy“ oder doch ein Profi mit Teamgeist – wie wird sich Dominik Schmidt bei den Störchen einfügen? An der sportlichen Qualität des erprobten Innenverteidigers zweifelte ernsthaft niemand.

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Ein Schlag ins Kieler Gesicht

Die schöne Seite des Fußballlebens von Dominik Schmidt (li.): Der 28-Jährige bejubelt seinen Treffer beim 3:1-Sieg der Kieler Störche beim VfB Stuttgart II. Es war das dritte Saisontor des kopfballstarken Defensiv-Allrounders in dieser Saison.

Quelle: imago sportfotodienst

Kiel. Doch es kam anders. Nach diversen Individualschnitzern musste sich der 28-Jährige plötzlich in der für ihn ungewohnten und deshalb deprimierenden Rolle des Bankdrückers üben, sah sich aufs Abstellgleis geschoben. Im neuen Jahr bahnt sich die Wende zum Guten an. Karsten Neitzel adelt den 28-Jährigen gar als Muster-Joker.

 „Aufgrund der Dinge, die er im Kalenderjahr 2016 gemacht hat, vermittelt Dominik uns im Training und Wettkampf ein gutes Gefühl. Eine überaus positive Erscheinung“, so der Holstein-Cheftrainer. Heute (14 Uhr/live im NDR-Fernsehen) im brisanten Heimspiel gegen den VfL Osnabrück, zu dem zwischen 600 und 800 lila-weiße Schlachtenbummler erwartet werden, könnte der gebürtige Berliner gar zur Startformation zählen. Der 1,87 Meter große Abwehr-Allrounder streitet mit dem 19-jährigen Finn Wirlmann um den Platz im defensiven zentralen Mittelfeld, der durch die Verletzung von Platzhirsch Tim Siedschlag frei geworden ist. „Ich versuche, die Einsatzzeit, die der Trainer mir gibt, optimal zu nutzen. Egal, auf welcher Position“, sagt Schmidt.

 Zurückhaltende Worte, die dem vom Ehrgeiz getriebenen Mann, in dessen sportlicher Vita zwei Champions-League-Einsätze und zwölf Bundesliga-Partien für Werder Bremen glanzvoll hervorstechen und der von 2012 bis zum April 2015 bei Preußen Münster als Kapitän und Antreiber zu den Top-Verteidigern der Dritten Liga zählte, in seiner Karriere in dieser Form selten bis gar nicht über die Lippen gekommen sind.

 Die persönliche Seuche nahm in Münster ihren Anfang, als die einst unantastbare Galionsfigur Schmidt ob der Folgen eines Zwistes mit den eigenen Fans auf dem örtlichen Jahrmarkt sowie öffentlicher Kollegenschelte von der Vereinsführung fünf Spieltage vor Saisonschluss suspendiert wurde. Der folgende Wechsel an die Ostsee war von einer hohen Erwartungshaltung begleitet. Doch bei der von Neitzel präferierten Taktik bei der Arbeit gegen den Ball geriet Schmidt ins Wanken. „Ich hatte bislang bei allen Klubs in der Raumdeckung gespielt. Die Umstellung auf die Mann-orierentierte Deckung übers ganze Feld hat mir immense Probleme bereitet. Das war wie bei einem Raucher, der statt 20 nur noch zwei Zigaretten am Tag rauchen soll. Zudem wurde fast jeder Fehler von mir brutal mit einem Gegentor bestraft“, so Schmidt im Rückblick.

 Aus dem als Lautsprecher bekannten Berufs-Motivator wurde ein Leisetreter. Kurz vor Weihnachten, so erzählt Schmidt, habe er sich mit dem Gedanken getragen, seinen Zweijahresvertrag vorzeitig aufzulösen. Das Vertrauen hatte gelitten, er sah nach der Verpflichtung des Isländers Eidur Sigurbjörnsson noch weniger Chancen auf einen Stammplatz. Gespräche mit den KSV-Verantwortlichen seien letztlich für den Sinneswandel zum Verbleib verantwortlich gewesen. Selbst die Abwahl aus dem Mannschaftsrat im Trainingslager in der Türkei warf ihn nicht mehr aus der Bahn. „Ich bin im Winterurlaub nach New York geflogen und habe die Zeit genutzt, um mental komplett herunterzufahren“, sagt Schmidt, der das Attribut Muster-Joker als Status quo akzeptiert, ohne seine höheren Ansprüche damit aufzugeben. Schmidt genießt mittlerweile das außerberufliche Leben in Mönkeberg mit Freundin und dem gemeinsamen Labrador Marley, die gute Nachbarschaft mit den Kollegen Marc Heider und Patrick Herrmann: „Ich fühle mich in der Mannschaft sehr wohl. Und das ist nicht nur so dahingesagt.“

 Mit diesem Team heute den dritten Sieg in Serie einzutüten – das ist das Ziel. Gegen einen Gegner, in dessen Stadion Schmidt am 15. September 2012 die schwerste Verletzung seiner Laufbahn, einen Kreuzbandriss, erlitt. Böse Erinnerungen an den VfL Osnabrück, die beim selbsternannten „Krieger auf dem Rasen“ heute zusätzliche Kampfkraft freisetzen sollten.

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