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Wenn der Berg ruft

Holstein Kiel Wenn der Berg ruft

Durchatmen, Stellschrauben justieren, Blick nach vorn: Mit vier Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge hat sich die SG Sonnenhof-Großaspach vor der Länderspielpause eine gute Position im Überlebenskampf in der Dritten Fußball-Liga verschafft. Mit dem 31. Spieltag beginnen am Sonnabend (14 Uhr) die Wochen der Wahrheit für Holstein Kiel.

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Beim Hinspiel gegen SG Sonnenhof-Großaspach spielte Rafael Kazior (Holstein Kiel) den Ball in die Spitze.

Quelle: Uwe Paesler (Archiv)

Aspach. Beflügelt vom Aufschwung singen die SG-Anhänger vor allem einem Mann derzeit die Elogen: Rüdiger Rehm. Im Oktober 2014 hatte der Coach zunächst sein Amt wegen anhaltender Erfolgslosigkeit und seiner zeitgleichen Ausbildung zum Fußballlehrer zur Verfügung gestellt. Ihm folgte Uwe Rappolder, der die Mannschaft bis zum Saisonenende zum Klassenerhalt führen sollte. Doch daraus wurde nichts. Nach einem Punkt aus drei Spielen zum Jahresauftakt beendete der 56-Jährige seine „Herzensangelegenheit“ vorzeitig.

 Seit dem 24. Februar ist bei der SG Sonnenhof nun alles wieder beim Alten. Rehm kehrte auf die Kommandobrücke zurück, holte seither in fünf Partien elf Zähler und ist 2015 weiter ohne Niederlage. „Wir stehen zwar noch nicht ganz da, wo wir hin wollen, aber es sieht schon viel besser aus als vor ein paar Wochen“, sagt der 36-Jährige, der keinen Zweifel am Klassenerhalt hegt. „Wir haben bewiesen, dass wir die Liga halten können.“ Zuletzt beim 1:0-Sieg in Erfurt, mit dem der Aufsteiger ein deutliches Signal an die Konkurrenz sendete.

 Wenn in Aspach der – oder besser gesagt – die Berg zum „Heimspiel“ ruft, herrscht in der schwäbischen Provinz der Ausnahmezustand. Bis zu 15000 Fans aus Deutschland, Österreich und der Schweiz pilgern dann hoch zur Mechatronik-Arena im Fautenhau. Doch obwohl sich die Kicker der SG Sonnenhof in kürzester Zeit aus der zehnten in die Dritte Liga katapultiert hatten, sind nicht sie der Grund für die Völkerwanderung, sondern die Konzerte von Schlagerdiva Andrea Berg. Zusammen mit Ehemann und SG-Mäzen Uli Ferber ist die 49-Jährige die Attraktion des 8000-Seelendorfes, wo das Paar lebt und das Erlebnishotel „Sonnenhof“ betreibt. Der Komplex verfügt über drei Restaurants, einen Biergarten und mehrere Cafés, 200 Angestellte zählt der Betrieb. Ferber zeichnete einst als Spielerberater für den zweithöchsten Transfer innerhalb der Bundesliga verantwortlich. Er fädelte 2009 den Wechsel von Mario Gomez für 35 Millionen Euro vom VfB Stuttgart zum FC Bayern ein. Nun unterstützt der Unternehmer seine Gattin, wo er kann. Bei ihren Aspacher Hauskonzerten füllt sie mühelos an zwei aufeinanderfolgenden Tagen das „Andrea-Berg-Stadion“. Vergangene Woche erhielt sie gar den Echo für den „Live-Act national“.

 Die Fußballer wollen im Schnitt 2000 Fans sehen. Und was „die Berg“ für die Schlager-Romantiker ist für sie „der Sahr Senesie“. Der ehemalige Dortmunder Bundesligaprofi ist der prominenteste Aspacher Spieler. Er erzielte nicht nur den Siegtreffer in Erfurt. Dem 29-Jährigen haben es die Anhänger auch zu verdanken, dass die SG überhaupt in der Dritten Liga spielt. Im Relegationsspiel gegen den VfL Wolfsburg II erzielte Senesie den entscheidenden Treffer.

 Zwar ging die Aspacher Holstein-Generalprobe beim Testspiel gegen den Zweitligisten SV Sandhausen mit 1:2 verloren. Rüdiger Rehm ist dennoch optimistisch, „gegen einen absoluten Titelaspiranten wie Kiel“ dagegenhalten zu können. „Das ist sicher schwieriger als gegen andere Teams. Aber wir haben zwei, drei Dinge gefunden, mit denen man ihnen wehtun kann.“ Die Erfolgsserie der Störche ringt dem jungen Coach viel Respekt ab, überraschen tut sie ihn nicht: „Holstein ist bisher das beste Team, gegen das wir im Saisonverlauf gespielt haben.“

 Komplimente hin oder her. Kampflos werden die Aspacher die Punkte nicht herschenken. Was auch Andrea Berg freuen dürfte. Ihr zehntes „Heimspiel“-Open-Air-Konzert ist immerhin schon terminiert. Es geht Mitte Juli über die Bühne. Und nach dem Klassenerhalt lässt es sich sicher beschwingter singen als nach einem Abstieg.

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