21 ° / 12 ° wolkig

Navigation:
Holstein Kiel, der Party-Crasher

0:0 bei Dynamo Dresden Holstein Kiel, der Party-Crasher

Drittligist Holstein Kiel hat das Auswärtsspiel bei Tabellenführer Dynamo Dresden mit einem Unentschieden beendet. Vor 28.935 Zuschauern schafften die Störche es nicht über ein 0:0 hinaus.

Voriger Artikel
Holstein will Dresdens Aufstiegsparty verschieben
Nächster Artikel
1400 Euro Geldstrafe für Holstein Kiel

Patrick Hermann (Holstein Kiel) hindert Justin Eilers (Dynamo Dresden) beim Torschuss.

Quelle: imago/Harzer xEibner Pressefoto

Dresden. Die Profis des Fußball-Drittligisten Holstein Kiel hatten es vor dem Gastspiel beim Liga-Primus Dynamo Dresden angekündigt – und sie hielten nach 94 leidenschaftlich geführten Minuten am Sonnabend Wort. Mit dem letztlich verdienten 0:0 vergrößerten die als Mannschaft couragiert auftretenden Störche den Abstand zum ersten der drei Abstiegsplätze auf sieben Zähler. Und verdonnerten die Sachsen, die sich in einer turbulenten Schlussphase ob der ausgelassenen Chancen die Haare rauften, zugleich dazu, die schon präparierten Aufstiegs-Shirts zumindest bis zum kommenden Wochenende im Schrank liegen lassen zu müssen. Holstein Kiel, der Party-Crasher.

Dabei schien ganz Dresden am Matchball-Tag in gelb-schwarzen Vereinsfarben zu denken. Überall an den Fenstern und den Autos die Dynamo-Fahnen, der Zeitungs-„Boulevard“ informierte ab 9.30 Uhr per Live-Ticker über die zentralen Fragen („Welcher Spieler ist als erster am Stadion?“), die Profis stimmten ihren Anhang per Facebook ein. Selbst die Gemäuer der Frauenkirche, des Zwinger oder der Semperoper strahlten an diesem 9. April in noch historischerem Glanze als sonst.

699 Tage nach dem so bitteren 2:3 gegen Arminia Bielefeld, jener Heimniederlage, die am 11. Mai 2014 den letzten Zweitligaabstieg der Sachsen besiegelte, sollte das sportliche Selbstverständnis der Sachsen (Zweite Liga) endlich zur Realität geraten. Mit neuen Helden wie „Lumpi“ Lambertz, dem 2009 mit Düsseldorf  der Sprung ins Bundesliga-Unterhaus gelungen war, und Torjäger Pascal Testroet (Zweitligaaufstiege mit Bielefeld 2013 und 2015). 28.600 Dynamo-Fans und knapp 400 Kieler Schlachtenbummler bildeten den prächtigen Rahmen.

Ein Duell auf Augenhöhe

Holstein-Cheftrainer Karsten Neitzel hatte schon im Vorfeld seine immense Vorfreude auf das Spektakel in seiner Heimatstadt zum Ausdruck. Und selbstverständlich zählte Maik Kegel, ebenfalls ein Sohn Dresdens, zur Anfangsformation der Störche. Im Angriff hoffte Neitzel auf einen diesmal hellwachen Saliou Sane, der den Treffpunkt vor dem jüngsten Heimspiel gegen Wiesbaden ja bekanntlich verschlafen hatte.

Unter Starkstrom präsentierten sich zunächst die Gastgeber. Marvin Stefaniak (6.) gab den ersten Warnschuss ab. Dann aber entwickelte sich ein interessantes Duell auf Augenhöhe. Hier die wuchtigen Dynamos, die den Kielern Feldvorteile gestatteten und mit schnellen Gegenattacken auf die individuelle Klasse ihrer Offensivreihe um die Top-Torschützen der Liga, Justin Eilers und Pascal Testroet, setzten. Dort die Störche, die im Spielaufbau mehr Kreativität als der künftige Zweitligist entwickelten, mannschaftlich kompakter wirkten. Stefaniak (9.) sowie Aias Aosman (Pfostenschuss) und Eilers im Nachschuss (31.) hatten Chancen zur Dresdner Führung.

Auf der Gegenseite verpassten zunächst Sane und Kegel (17.) nach Flanke Patrick Herrmanns das 1:0. Ausgerechnet der erst im Winter von Dresden nach Kiel gewechselte Mathias Fetsch (39.) besaß die größte Möglichkeit der Störche, zirkelte die Kugel aber aus sieben Metern aus dem Stand Zentimeter neben das Dynamo-Gehäuse.

Verunsicherung trotz selbstbewusster Spielkultur

Dennoch brandete ekstatischer Jubel in der DDV-Arena auf. Zunächst nach dem Erfurter Ausgleich gegen Osnabrück, signalisiert via Anzeigentafel. Und erst recht nach der Führung der Thüringer gegen die Niedersachsen im zeitgleichen Fernduell. Doch die nunmehr nur noch theoretische Möglichkeit des Nicht-Aufstiegs an den verbleibenden fünf Spieltagen sorgte zu Beginn des zweiten Durchgangs eher für Verunsicherung in Reihen der Gelb-Schwarzen denn für selbstbewusste Spielkultur.

Die demonstrierten derweil mehr und mehr die Nordlichter. Fabian Schnellhardt, Sane und Fetsch (54.) hätten im Sekundentakt im Dreierpack Dresdner Fehler im Defensivbereich bestrafen können. Schnellhardts 14-m-Knaller (77.) nach Kopfballvorarbeit Fetsch wurde in letzter Sekunde abgeblockt.

Treffer zum Aufstieg in Liga 2 fehlte

Dann allerdings blies Dynamo, angetrieben von der Kulisse, zur Schlussoffensive. 15 Punkte und 27 Tore besser als der Tabellendritte Osnabrück, aber es fehlte dieser eine Treffer zum endgültigen Feier-Startsignal. Vier Minuten Nachspielzeit zeigte der Schiedsrichter an. Und in der 93. Minute überschlugen sich die Ereignisse. Einen abgefälschten Kopfball von Testroet kratzte der überragende KSV-Keeper Robin Zentner von der Linie, den Nachschuss blockte Kapitän Rafael Czichos Zentimeter davor ab. „Der Ball flipperte gefühlte 15 Sekunden in unserem Fünfmeterraum“, lachte Zentner später.

Und Karsten Neitzel, der in seiner Geburtsstadt viele Hände schütteln musste, erklärte: „Wenn wir die Nachspielzeit ausblenden, war es ein sehr, sehr guter Auftritt unserer Mannschaft und ein verdienter Punktgewinn.“   

Statistik Dynamo Dresden - Holstein Kiel

Dynamo Dresden: Blaswich – Kreuzer, Modica, Hefele, Fabian Müller – Lambertz, Marco Hartmann (85. Moll), Aosman (72. Väyrynen) – Eilers, Testroet, Stefaniak.

Holstein Kiel: Zentner – Herrmann, Schmidt, Czichos, Kohlmann – Lewerenz, Siedschlag, Kegel, Schnellhardt (90. Nyarko) – Sane (69. Heider), Fetsch (86. Schäffler).

Schiedsrichter: Robert Schröder (Hannover) – Zuschauer: 28.935 – Gelbe Karten: Stefaniak, Marco Hartmann/, Lewerenz, Zentner, Fetsch, Kohlmann.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Vergleiche alle Wettquoten für Spiele von Hannover 96 bei SmartBets.
ANZEIGE
Mehr aus Nachrichten: Holstein Kiel 2/3