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Heimatbesuch eines Unglücklichen

Torhüter Robin Zentner Heimatbesuch eines Unglücklichen

Keine Frage, diese vorweihnachtliche Auswärtstour hatte sich Robin Zentner unter ganz anderen Vorzeichen erhofft. Die Rückennummer eins war für ihn als Programm gedacht, als der 21-jährige Torwart am 26. August beim Fußball-Drittligisten Holstein Kiel anheuerte.

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Robin Zentner packt zu. Beim 0:0 gegen Hansa Rostock am neunten Spieltag (19. September) ging das noch. Jetzt sind dem Torwart die Hände gebunden.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel/Mainz. Ausgeliehen bis Saisonende von Mainz 05, dessen Trikot er insgesamt neun Jahre getragen hatte. Am Sonnabend (14 Uhr) gibt’s für den den langen Blonden (1,94 Meter) mit dem großen Schuh (Größe 47) ein Wiedersehen mit vielen Freunden und ehemaligen Mitstreitern, wenn die Störche im Bruchwegstadion auf die U23-Mannschaft des Bundesligisten treffen. Der bittere Beigeschmack für Zentner bei seiner Rückkehr in die Heimat: Er sitzt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur auf der Ersatzbank.

Am 16. Spieltag hatte Holstein-Cheftrainer Karsten Neitzel den einstigen U17-Nationalkeeper, den die Kieler nach dem Kreuzbandriss von Kenneth Kronholm verpflichtet hatten, seines Stammplatzes enthoben und den bei den Fans beliebten Ur-Storch Niklas Jakusch wie zu Beginn der Saison zwischen die KSV-Pfosten beordert. 13 Gegentore hatte Zentner seit dem sechsten Spieltag in seinen zehn Drittliga-Einsätzen kassiert, sich den einen oder anderen Schnitzer erlaubt, aber immerhin vier Mal zu Null gespielt. Doch seine Kollegen auf dem Feld fuhren in dieser Zeit lediglich sieben Punkte ein, nach dem 0:2 in Münster folgte der Absturz auf den letzten Tabellenplatz.

Neitzel sah sich zum Handeln gezwungen. Mit Jakusch im Gehäuse gab’s trotz einiger Patzer in der Folge drei Siege und eine Niederlage. Insgesamt holten die Kieler mit dem 25-Jährigen im Tor in neun Partien 16 Zähler. Dabei blieb Jakusch in dieser Serie nur zwei Mal ohne Gegentreffer, musste aber 15 Mal hinter sich greifen. Bessere Zahlen auf dem Personalkonto – und doch ist Zentner nur noch die Nummer zwei. Fühlt er sich als Opfer seiner Vorderleute? „Nein. Das ist einfach dumm gelaufen. Fußball ist halt nicht berechenbar. Und als Torwart wirst du ohnenhin für jeden Fehler bestraft“, antwortet der Mann, der in Mainz noch bis zum 30. Juni 2017 unter Vertrag steht, dort zu Saisonbeginn Vertreter von Erstliga-Keeper Loris Karius gewesen war, ehe die 05er Gianluca Curci von AS Rom verpflichteten. In Kiel sollte das Talent Zentner derweil Spielpraxis sammeln...

Seit er bei Holstein auf der Bank seinen festen Platz hat, habe er von den Mainzer Verantwortlichen nichts mehr gehört, erzählt er. Er wirkt leicht angeschlagen bei diesen Worten. Es sei eine schwierige Phase, vielleicht die schwierigste seiner noch jungen Profikarriere. Nicht einmal zur Gitarre greife er mehr, er habe derzeit keine Lust auf diese Art der Ablenkung. Im Training Vollgas geben, das angenehme Arbeitsklima bei Holstein nutzen und auf das Ende der persönlichen Tristesse hoffen, so lautet sein Motto. Das Lob seines Trainers könnte ihm auf diesem Weg helfen: „Robin ist ein positiver Typ. Wenn man etwas weggenommen bekommt, zum Beispiel die Nummer eins, sucht man schnell die Schuld bei anderen. Nicht so bei ihm. Die Rückstufung hat bei ihm einen Schub ausgelöst, er hat bei uns einen Schritt nach vorne gemacht.“

Die Partie heute ist für Robin Zentner naturgemäß sehr speziell. Natürlich wünsche er sich einen Holstein-Sieg, sagt der Torwart im Wartestand. Was soll er sonst auch sagen? Er verdient sein Geld schließlich in Kiel, als Profifußballer. Und das muss nicht immer ein Traumberuf sein.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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