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Auch verwirrte Adler sind gefährlich

Holstein Kiel Auch verwirrte Adler sind gefährlich

Protestaktionen mit Pyrofackeln: Trotz einer sportlich bisher überraschend starken Saison gibt es Stress in der Fanszene Preußen Münsters. Die Mannschaft irritiert das bisher aber gar nicht, was sie für Holstein Kiel zu einem gefährlichen Gegner macht.

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Ausgeräuchert: Beim Gastspiel der Kieler Störche in Münster bleiben die Preußen-Fanblöcke M und N gesperrt.

Quelle: imago sportfotodienst

Kiel/Münster. Platz drei in der Tabelle, obwohl der Aufstieg diese Saison gar nicht angepeilt ist. Nach dem jüngsten 0:0 bei Energie Cottbus neun Spiele in Folge nicht verloren. Jeder Fan des Fußball-Drittligisten Preußen Münster könnte zurzeit auf einer Euphoriewelle surfen – wenn das Sportliche bei den Adlerträgern denn alles wäre. Doch auf den Rängen rumort es, in einigen Fangruppen brennt es sogar. Nachdem die Ultras im letzten Heimspiel gegen Hansa Rostock ein Pyro-Feuerwerk abgefackelt haben, sind bei Holstein Kiels Auswärtsspiel in Westfalen (Sonnabend, 14 Uhr) die Blöcke M und N in der Preußen-Fankurve gesperrt, als freiwillige Maßnahme des Vereins. Der SC Preußen Münster steht zurzeit als verwirrter Klub da.

 „F***t euch alle“, verkündete das Spruchbanner der Ultra-Gruppen während des Hansa-Spiels – inmitten ihrer bengalischen Leuchtfeuer. Die Botschaft eindeutig: Eine Absage an jedwede Kommunikation und Kooperation mit Verein, Polizei und Sicherheitsverantwortlichen. „Wichtig ist, dass wir weiter im Gespräch bleiben“, sagte Preußen-Präsident Georg Krimphove zwar nach dem Spiel, doch zurzeit ist mehr als fraglich, wer diese Gespräche führen soll.

 Die Capos, Vorsänger der Ultras, und ihre Gruppen stehen strafrechtlich am Pranger. Insgesamt wird gegen 21 Personen ermittelt. Ein überdeutlicher Riss verläuft jetzt auch zwischen ihnen und den übrigen Fans, die sich angesichts des Auswärtsfanverbotes beim Derby in Osnabrück oder des Alkoholverbotes zum Spiel gegen Rostock noch gemeinsam diskriminiert fühlten. Der Verein dagegen fürchtet um seinen Ruf, war schon in der vergangenen Saison mit 33500 Euro Strafzahlung der meistbelastete der Dritten Liga. Die Blocksperre gegen die Störche wird im immer gut gefüllten Preußenstadion (Schnitt 2014/15: 9132 Zuschauer) für Gruselstimmung sorgen.

 Ob die KSV Holstein deswegen auf zutiefst verunsicherte Adlerträger treffen wird, ist jedoch fraglich: Jegliche Ablenkung vom sportlichen Geschehen tut den Preußen traditionell gut. Auch wenn Stürmer Marcel Reichwein während der zehnminütigen Unterbrechung der Rostock-Partie das Zwiegespräch mit den Ultras suchte, äußerte sich keiner der Spieler offiziell zu deren Verhalten. Stattdessen liegt der Fokus auf dem Sportlichen, das in der vergangenen Saison nach einer furiosen Hinrunde unter dem Druck der Aufstiegsträume zugrunde ging.

 „Für uns war heute mehr drin. Wir hatten lange die Spielkontrolle“, sagte Trainer Ralf Loose auch nach dem 0:0 am vergangenen Sonnabend beim wiedererstarkten FC Energie Cottbus, der zuvor Spitzenreiter Dresden geschlagen hatte. Spielmacher Amaury Bischoff ergänzte: „Was fehlt, ist der Sieg.“ Was fehlt, ist aber auch die Niederlage. Denn schon seit neun Spielen sind die Preußen jetzt ungeschlagen. Und obwohl sie die SG Sonnenhof Großaspach nach drei Unentschieden in Serie passieren lassen mussten, steht Münster auf Platz drei nach 14 Spielen eindeutig besser da als erwartet. Denn dieser Kader sei nun einmal nicht „für den Aufstieg zusammengeschraubt worden“, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Bäumer vor der Saison. Bescheidenheit im Münsterland.

 Doch der SCP bleibt eines der stärksten Teams der Dritten Liga. Die brillanten Offensivtechniker Mehmet Kara (3 Tore/4 Vorlagen) und Amaury Bischoff (2/4) flößen jeder Abwehr Angst ein, die Defensive steht mit lediglich zwölf Gegentoren sicherer als die der direkten Konkurrenz. Trotz der Stressfaktoren auf den Rängen: Nach Verwirrung auf dem Platz sieht das nicht aus.

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Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Als am 24. August 2013 aus Holstein-Profis „Förde-Brasilianer“ wurden: Nach Vorlage von Marc Heider (vorne) trifft Tim Siedschlag (2. v. li.) per Hacke zum 3:0 in Münster. Das erste von bislang vier Drittliga-Duellen zwischen preußischen Adlern und Kieler Störchen.

Drei Siege, ein Unentschieden lautet die Bilanz des Drittligisten Holstein Kiel gegen Preußen Münster in den vier Partien seit dem Wiederaufstieg der Störche in die Premium-Liga des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 2013. Heute (14 Uhr) sind die westfälischen Adler Gastgeber des fünften Duells der Traditionsklubs.

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