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Wiedersehen ohne Rachegelüste

Holstein Kiel gegen Preußen Münster Wiedersehen ohne Rachegelüste

Reue? Rache? Nein, diese Begriffe kommen Dominik Schmidt nicht über die Lippen. Dabei trifft der Verteidiger des Fußball-Drittligisten Holstein Kiel am Sonnabend (14 Uhr) vor heimischer Kulisse auf seinen Ex-Verein Preußen Münster.

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Jubelnde Galionsfigur: Dominik Schmidt feiert sein Last-Minute-Ausgleichstor gegen den SV Wehen Wiesbaden.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Knapp drei Jahre hatte der 28-Jährige den westfälischen Adler in seinem Herzen und auf der Trikotbrust getragen. Doch fast genau vor zwölf Monaten war der ehemalige Kapitän der Preußen überraschend suspendiert worden.

 „Ich glaube, die Angelegenheit kam dem Verein ganz gelegen“, sagt Schmidt im Rückblick. Erst sorgte ein Zoff mit Münsteraner Ultras im Zusammenhang mit dem verpassten Zweitliga-Aufstieg bei einem Kirmesspaziergang am 18. April 2015 für Aufsehen, dann die öffentliche Kollegenschelte des 1,87-m-Defensivallrounders. Über Wochen hatte sich Schmidt zuvor trotz eines Syndesmoseband-Anrisses in den Dienst des Klubs gestellt. „Ich würde immer wieder so handeln. Der Unmut der Fans darf nicht ins Private gehen. Das war schließlich kein nächtlicher Disco-Besuch“, so der gebürtige Berliner, der im Nachklapp auch seine Kritik an Mitspielern für angemessen erachtet. „Ich bin mit meiner Meinung immer gerade heraus. Und ich gebe für meinen Verein immer 100 Prozent. Ich dachte, das sei ausschlaggebend.“

 Das sahen die Preußen-Verantwortlichen mit dem mittlerweile von Horst Steffen beerbten Ex-Trainer Ralf Loose an der Spitze anders. Doch der Rauswurf liefert Schmidt heute nach eigenen Worten keinen Grund mehr für überbordende, die Fokussierung aufs Wesentliche möglicherweise beeinträchtigende Gefühle. „Der Trainer ist nicht mehr da. Ich freue mich auf das Duell mit einigen meiner Ex-Kollegen. Was aber ausschließlich zählt, sind die drei Punkte, die wir mit Holstein holen müssen, um so schnell wie möglich den Klassenerhalt endgültig zu sichern.“

 Fehlerteufel, Bankdrücker, Abwahl aus dem Mannschaftsrat, Muster-Joker, Galionsfigur – der zu Saisonbeginn als Neuverpflichtung noch von überzogenem Ehrgeiz getriebene Schmidt ist nach „einem holprigen Start“ bei den Störchen angekommen, hat die in Kiel praktizierte Strategie der Mann-orientierten Verteidigung übers ganze Feld anstelle der bis dato vertrauten Raumdeckung verinnerlicht. „Fast alles, was Dominik in der Hinserie falsch gemacht hat, macht er jetzt richtig“, sagt Neitzel. Der Gelobte selbst beschreibt die Auswärtspartie in Rostock am 1. März, Schmidts erster Einsatz über 90 Minuten in 2016, trotz der 0:1-Niederlage als „den entscheidenden Schub für mich“. Noch mehr Selbstvertrauen habe dann der Last-Minute-Ausgleichstreffer gegen Wiesbaden vor 14 Tagen gebracht.

 Weicher Kern, harte Schale. „Ich hatte in meiner Karriere so viele Verletzungen. Ich kenne meinen Körper ganz gut und kann mit Schmerzen umgehen“, erklärt Schmidt, warum er seit Wochen wegen einer Schambeinentzündung kaum trainieren kann, zum Wohle des kollektiven Erfolges aber erneut auf die Zähne beißt. Wie einst bei den Preußen. Die erleben indes in anderer Hinsicht eine Parallele zum Vorjahr. Nur fünf Zähler aus den vergangenen sechs Spielen – das wahrscheinliche Ende aller kühnen Aufstiegshoffnungen.

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Foto: Trotz Zweikampfhärte konnte Holsteins Tim Siedschlag (oben) gegen die Preußen von Marcel Reichwein nicht gewinnen.

Fußball-Drittligist Holstein Kiel übt sich in der Eichhörnchen-Taktik. Das 0:0 gegen Preußen Münster war das dritte Remis in Folge bei insgesamt fünf Spielen ohne Niederlage in Serie. Der Klassenerhalt rückt für die am Sonnabend über weite Strecken dominanten Störche bei nunmehr 43 Zählern immer näher.

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