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Heiligsprechung an der Isar?

Holstein Kiel Heiligsprechung an der Isar?

Noch-Fußball-Drittligisten Holstein Kiel reist mit großer Zuversicht nach München. Bereits ein Treffer (Dienstag, 20.30 Uhr/NDR) würde den TSV 1860 München ob der Europacup-Wertung (Auswärtstreffer zählen bei Torgleichheit doppelt) extrem unter Zugzwang setzen. Bei einem erneuten 0:0 geht’s in die Verlängerung, droht das Elfmeterschießen – Herzinfarktrisiko inklusive.

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Maik Kegel (Mitte) war am Freitag der herausragende Kieler. Morgen in München werden die Störche mit 1860 auf Augenhöhe um den Aufstieg spielen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Konfrontiert mit dieser, der größtmöglichen aller Nervenbelastungen, sagte Holstein-Cheftrainer Karsten Neitzel am späten Freitagabend: „Wir haben fast auf den Tag genau vor einem Jahr schon einmal eine derart dramatische Entscheidung erlebt. Im Endspiel um den Landespokal gegen Weiche. Damals haben wir von 14 Elfmetern 14 verwandelt – ohne das vorher trainiert zu haben.“ Tiefenentspannt wie selten in diesem Spieljahr wirkte Neitzel an diesem 29. Mai, erzählte von seinem „guten Gefühl“, das er früh in Teil eins der Aufstiegs-Playoffs gegen 1860 gehabt habe. Lobte neben der Leidenschaft der KSV-Profis die gute Balance zwischen dem frühen Anlaufen und der Sicherung des eigenen Hoheitsbereiches, ärgerte sich ein wenig über die vier verpassten Chancen der Kieler („ich hatte gehofft, dass ein Ding da mal reinrutscht“) und kritisierte in Ansätzen die bisweilen „fehlende Qualität an der gegnerischen Box“.

 Davon allerdings hätten die nur im Rückwärtsgang starken Gäste aus Bayern ein ganzes Liederbuch schreiben können. Denn außer den Fernschüssen von Valdet Rama, der mit Abstand beste und einzige Löwe im Holsteinstadion mit Offensivdynamik und Kreativität, ähnelte der 1860-Angriff dem harmlosen Fauchen eines Schmusekaters. Auch deshalb verließen die Störche vor 9812 Zuschauern den heimischen Rasen als „kleine Sieger“.

 In ihnen war das Bewusstsein erwachsen, sich mindestens auf Augenhöhe mit dem vermeintlichen Favoriten zu bewegen. „Keinen Gegentreffer gefangen, jetzt fahren wir mit einem positiven Gefühl nach München. Wir schießen auf jeden Fall ein Tor“, sagte Linksverteidiger Patrick Kohlmann. „Das Ergebnis ist gut, die Chancen stehen weiter 50:50“, ergänzte Kapitän Rafael Kazior nach seinem letzten Heimauftritt im Störche-Trikot: „Daran hatte ich vorher wirklich nicht gedacht.“ Erst als Reservekeeper Niklas Jakusch ihn darauf aufmerksam gemacht habe, sei in ihm ein komisches Gefühl aufgestiegen, so der 32-jährige zu Werder Bremen II wechselnde Kazior: „Aber jetzt habe ich ja noch ein richtig geiles Spiel mit den Super-Jungs vor der Brust.“

 Eine Partie mit aus Kieler Sicht historischen Dimension. 50000 bis 60000 Zuschauer werden morgen an der Isar erwartet. 1200 Holstein-Schlachtenbummler haben sich für diesen ultimativen Höhepunkt mit Karten eingedeckt. Die Verantwortlichen rechnen aber ob der Anhängerschaft in der ganzen Republik und den Ansagen aus Augsburg und Ingolstadt mit dem Doppelten an Unterstützern auf den Rängen.

 Auch Neitzel mochte sich der Magie der „Wundertüte Relegation“ nicht entziehen, sprach von einem „gefährlichen Ergebnis und einem richtigen Berg Arbeit“, der vor den Störchen läge. Und dann ließ sich der listige Coach zu einer Äußerung hinreißen, die die Sehnsucht der Kieler Fußball-Gemeinde nach 34-jähriger Zweitliga-Abstinenz trefflicher nicht hätte beschreiben können: „Wenn die Jungs das in München biegen. sind sie für mich heilig.“ Haben am Ende gar höhere Mächte ihre Füße im Spiel? Am 2. Juni 2013 gelang Holstein in Kassel die Rückkehr in die Dritte Liga. Tags zuvor hatten die Handballer des THW in Köln ihr Champions-League-Halbfinale verloren. 2. Juni 2015: Alle zwei Jahre wieder?

Leseraktion „Selfie“

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Einfach senden an: holsteinselfie@kieler-nachrichten.de

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