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Holstein nur Mittelmaß

0:1 (0:1) gegen Köln Holstein nur Mittelmaß

Wer mit hohen Zielen startet, kann tief fallen. Fußball-Drittligist Holstein Kiel liegt nach der 0:1 (0:1)-Niederlage bei Fortuna Köln zwar noch nicht am Boden, ist aber mit nur vier Punkten aus den ersten vier Spielen und nur einem „Dreier“ (3:1 gegen Lotte) im unteren Mittelmaß angekommen.

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Holsteins Evans Owusu Nyarko setzte sich im Zweikampf durch.

Quelle: Imago

Köln. Dass die Störche ihre erste Schlappe gegen die Fortuna seit 1980 ausgerechnet auf den Tag genau 38 Jahre nach einer 0:5-Packung im Südstadion kassierten, passte zu diesem missglückten Sonnabend Nachmittag.

28 Grad, Sonnenschein, leichte Brise – Summertime war angesagt in der Kölner Südstadt. Und auch die Nordlichter brachten anfangs gute Laune in den rund 150-köpfigen Block der Störche-Anhänger. Mit einem Kingsley Schindler in der Anfangsformation, der auf der rechten offensiven Außenbahn ein insgesamt ordentliches Drittliga-Start-Debüt feierte.

Aggressiv, frühes pressen, konzentriert und gut organisiert gingen die Kieler diese schwere Aufgabe an. Hatten früh erste Halbchancen durch Mathias Fetsch (6.) und den aufgerückten Eidur Sigurbjörnsson. Schindler düpierte mit einem Turbo-Antritt mit anschließendem Haken seinen Kontrahenten, den Ex-Kieler Kusi Kwame, passte im Fortuna-Strafraum von der Grundlinie nach innen. Doch statt des lauernden Dominick Drexler grätschte Bone Uaferro (11.) die Kugel in letzter Sekunde zur Ecke.

Die mehrheitlich hochgewachsenen Kölner suchten ihr Heil gegen spielerisch überlegene Störche in der von ihnen bekannten Fußball-„Rheinkultur“: resolut im Zweikampf, Kopfballdominanz, schnelles und schnörkelloses Umschalten von Abwehr auf Angriff – und notfalls mal ein gebolzter Befreiungsschlag. Cauly Oliveira Souza (15.) schickte mit einem 16-m-Flachschuss ein erstes Warnsignal in Richtung des parierenden Kenneth Kronholm ab. Dann verlor Steven Lewerenz den Ball an Daniel Flottmann. Der spielte mit hoher Geschwindigkeit einen Doppelpass mit Marc Brasnic und schoss eiskalt zur ebenso überraschenden wie unverdienten Kölner Führung ein.

Anfällige Fortuna-Deckung

Holstein schüttelte sich - und gab die passenden, aber ertraglosen Antworten. Nach feinem Solo passte Dominick Drexler auf den fünf Meter vor dem gegnerischen Gehäuse postierten Lewerenz (27.), doch der Kieler Top-Knipser der Vorsaison schoss freistehend Fortunen-Keeper Tim Boss an.

Und auch die nächste packende Szene glich einem Beleg für die wie schon beim jüngsten 0:3 in Wiesbaden am Boden äußerst anfälligen Fortunen-Deckung. Lewerenz (35.) erkämpfte sich  den Ball 30 Meter vor dem Tor der Rheinländer, stürmte auf Boss zu, schoss aber aus zehn Metern nicht ins lange Eck, sondern auf Mann und vergab somit mit dem zweiten ausgelassenen 120-Prozenter erneut den überaus möglichen Ausgleich.

Der zweite Durchgang begann mit einer Negativ-Nachricht. Sigurbjörnsson knickte nach dem  zweiten Kieler Eckball ohne gegnerische Einwirkung um und handelte sich eine schwere Knöchelverletzung ein. Für ihn kam der in den vergangenen Wochen von Rückenproblemen geplagte Dominik Schmidt (53.) zu seinem ersten Pflichtspiel-Einsatz in dieser Saison. Die Gastgeber stellten sich ob der Kabinenpredigt ihres Coaches Uwe Koschinat, der zur Pause von einer glücklichen Führung und zu geringen Ballbesitzanteilen seiner Farben gesprochen hatte, nunmehr geschickter in ihren hinteren Regionen an. Gestatteten den Störchen kaum noch nennenswerte Aktionen. Kamen aber mit ihrer Karo-einfach-Strategie zu guten Möglichkeiten. Hamdi Dahmani (67.) prüfte Kronholm, Lars Bender (72.) verzog einen 18-m-Volleyschuss nur knapp.

Die Kieler hingegen gaben mit fortlaufender Spieldauer das Heft des Handelns mehr und mehr aus der Hand. Die Kräfte schwanden am Ende der Englischen Woche, das Vertrauen in die eigene Leistung spürbar auch. Den Titel „Narr des Tages“ gebührte dem in der Karnevalshochburg dem Holstein-Joker Saliou Sane, der sich binnen sechs Minuten nach zwei sinnfreien Fouls zwei Gelbe Karten einhandelte und  nur zehn Minuten nach seiner Einwechslung von Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus unter die Dusche geschickt wurde.

 Am Ende stand eine Woche nach dem missglückten Auftritt in Aalen für die KSV Holstein die zweite 0:1-Auswärtsniederlage in Folge fest. Eine Schlappe der Kategorie „überflüssig wie ein Kropf“. Und für KSV-Chefcoach Karsten Neitzel trotz der Summertime eine Dienstreise zum Trübsal blasen: „Wir haben uns in keinster  Weise für unsere gute erste Halbzeit belohnt. Ganz im Gegenteil. Du musst deine Chancen nutzen, dann läuft vieles leichter. Jetzt stehen wir wieder mit leeren Händen da und der Druck lastet wieder auf uns. Du musst, du musst, du musst!“

Auch Holstein-Präsident Roland Reime nahm kein Blatt vor den Mund: „Natürlich sind wir trotz einer guten ersten Halbzeit heute unzufrieden. Zehn Punkte wären zu diesem Zeitpunkt sehr gut gewesen, sieben bis acht wären auch in Ordnung. Aber vier sind deutlicher weniger, als wir alle erwartet haben. Jetzt wird das Landespokal-Viertelfinale am kommenden Sonnabend beim ETSV Weiche noch wichtiger.“ 

 Statistik

Fortuna Köln : Boss – Flottmann, Mimbala, Uaferro, Kwame – Pazurek – Dahmani, Kegel (90. Schröder), Oliveira Souza (84. Kessel) – Brasnic (60. L. Bender), Rahn.

Holstein Kiel : Kronholm – Herrmann, Hoheneder, Sigurbjörnsson (53. D. Schmidt), Kohlmann – Nyarko (70. Sane), Bieler – Schindler (63. Siedschlag), Lewerenz – Fetsch, Drexler.

Schiedsrichterin : Bibiana Steinhaus (Hannover) – Tore: 1:0 Brasnic (21.) – Zuschauer: 1874 – Gelb-Rote Karte: Sane (80.) nach wiederholtem Foulspiel.

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