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Innovation vom Dorf

Holstein-Gegner Großaspach Innovation vom Dorf

Das Maskottchen der SG Sonnenhof Großaspach ist ein Esel. Doch störrisch verhält sich der Fußball-Drittligist in diesem Spieljahr keineswegs. Seit neun Partien hat der Klub nicht mehr verloren. Der Verein rangiert vor dem Gastspiel beim Schlusslicht Holstein Kiel (Sonnabend, 14 Uhr) mit satten 27 Zählern auf Relegationsrang drei.

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Am Wochenende Torjäger in der Dritten Liga, am Montag wieder am Ausbildungsplatz: Tobias Rühle (li.).

Quelle: imago

Großaspach. Der 36-jährige Fußballlehrer Rüdiger Rehm, der seit 2008 zunächst als Spieler, dann als Co- und schlussendlich als Cheftrainer die sportlichen Geschicke des Vereins maßgeblich mitbestimmte, hat seinen Vertrag am Dienstag gerade bis zum 30. Juni 2018 verlängert. Doch weder der 188-fache Zweitligaspieler noch SG-Geschäftsführer Thomas Deters glauben an das Wunder von Württemberg: „Wir planen nun wirklich nicht für die Zweite Liga. Unser Ziel bleibt bestehen: So schnell wie möglich die 45-Punkte-Marke knacken.“ Ähnliches Understatement hat das „gallische Dorf“ von der ostschwäbischen Alb in der Vergangenheit auf seinem Weg von der Landesliga (1994) bis hin zur Liga drei allerdings schon häufiger formuliert. Und einen Titel kann sich die SG ohnehin schon heute ans Revers heften: innovativster Klub der Dritten Liga.

 Denn über 90 Prozent der unter Vertrag stehenden Akteure, so Deters, folgen dem auch unter sozialen Gesichtspunkten erstellten SG-Konzept „dualer Weg“. „Wir bieten jedem Spieler die Möglichkeit, sich durch Studium, Fernstudium, Ausbildung, Nebenjob oder Praktika für die Zeit nach der aktiven Karriere abzusichern“, erklärt Deters. Im Kader der KSV Holstein widmen sich zurzeit sieben Akteure mehr oder minder regelmäßig einer Nebenbeschäftigung. Der gebürtige Emsländer sieht in der momentanen Positivserie und dem Konzept durchaus einen kausalen Zusammenhang. „Die Spieler haben mir versichert, dass ihnen ein geregelter Tagesablauf gut gefalle, dass sie sich im Beruf abseits des Rasens besser vom Fußball ablenken, besser entspannen können. Die Köpfe seien freier, sie seien ausgeglichener.“ Bei durchschnittlich fünf bis sechs Trainingseinheiten pro Woche plus medizinischer Pflege und Spiel bleibt den Profis ein vergleichsweise hohes Maß an Freizeit. Wird diese nicht sinnvoll gestaltet, können leistungsmindernde Faktoren entstehen. „Bei uns arbeitet sich niemand tot“, lautet Rehms Credo.

 „Wir waren am Ende unserer Regionalligazeit und speziell nach dem Drittligaaufstieg 2014 finanziell nicht konkurrenzfähig“, erklärt Deters den Ursprung der Idee vom zweiten Profistandbein und verweist auf das aktuelle Jahresbudget von unter drei Millionen Euro für den Gesamtverein: „Damit liegen wir im unteren Drittel der Liga weit unten.“ Ohne den dualen Weg wäre es nie möglich gewesen, einen Spieler wie beispielsweise Timo Röttger, der nach seinem Wechsel von Zweitligaaufsteiger Dresden 2011 zu den damals viertklassigen Roten Bullen von Leipzig ein geschätztes Monatseinkommen von über 20000 Euro kassiert haben soll, zu verpflichten. Doch der 30-Jährige, zuletzt Viktoria Köln, erkannte den Herbst seiner Karriere. „Timo hat eine Ausbildung und arbeitet hier als Mini-Jobber auf einer Golf-Anlage“, sagt Deters.

 Torjäger Tobias Rühle (24/fünf Treffer) macht derweil eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Und Sebastian Schiek, Dauerbrenner auf der Außenverteidigerposition (zwei Tore), habe unlängst erklärt: „Seitdem ich mein Sportmarketing-Studium in Stuttgart begonnen habe, haben wir nicht mehr verloren.“ Was simpel klingt, bedinge allerdings, so Deters, das Abarbeiten einer komplexen Logistik. Training, Spiel, Berufsschule und Job zeitlich unter einen Hut zu bringen, sei wahrlich nicht einfach. Als Dorfverein, der von ganz unten komme, falle die Umsetzung des Planes etwas leichter als vielleicht in Kiel. Das Maß an Akzeptanz bei den Sponsoren und Unterstützern der SG, die zumeist die Arbeitsplätze stellen, sei möglicherweise aufgrund der Regionalität größer als anderenorts. Auch die am Freitag startende Dienstreise nach Kiel müsse kein Spieler wegen seiner Nichtfußball-Beschäftigung absagen.

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Ein Artikel von
Andreas Geidel
Sportredaktion

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